Hilfe, ich leide unter Blutarmut!

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Hilfe, ich leide unter Blutarmut!

Schulung und eine gute Betreuung sind das A und O; die Grundlagen müssen sitzen und immer mal wieder kontrolliert und geübt werden, findet Alex Adabei.

Ist keine große Sache, sich mal kurz in den Finger zu piksen. Oder? Ich spanne die Stechhilfe, setze sie an die Seite der Fingerkuppe meines linken Ringfingers – und habe ein bisschen Angst. Wird es nicht doch weh tun? Hm, ein bisschen unangenehm ist es schon.

Wo bleibt denn jetzt der Blutstropfen? Ein winziges rotes Pünktchen erscheint; es ist kaum zu sehen. Panik! Wann kommt endlich die Diabetesberaterin? Ich bin nämlich gerade auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Leipzig und darf mit fachkundiger Hilfe ein total modernes, total genaues Blutzuckermessgerät ausprobieren.

Was ist mit mir los? Blutarmut?

Bei mir geht es jetzt aber um die Basics, nicht um hoch entwickelte Technik. Also, was ist mit dem Blutstropfen? Das Gerät will mein kostbares Blut nicht mehr haben, weil ich zu lange gewartet habe. Jetzt ist die Fachfrau endlich bei mir. Ein neuer Streifen wird eingesteckt. Ich pikse mich noch mal und bin dieses Mal noch ängstlicher. Jetzt erscheint gar kein Blut. Was ist mit mir los? Blutarmut?

Nein: “Ganz von alleine geht es nicht”, sagt die Diabetesberaterin und massiert meinen Finger leicht unterhalb der Einstichstelle. Endlich kommt ein ernstzunehmender Tropfen. Schnell den Teststreifen drangehalten, und schon erscheint der Wert. “Ist doch ganz einfach, das Messen!” triumphiere ich innerlich und habe schon fast vergessen, wie hilflos ich gerade noch dasaß. Ja, kaum macht man’s richtig, schon klappt’s!

Kurioses aus dem Diabetes-Alltag

Ich denke an einen Artikel, den ich vor kurzem gelesen habe, Überschrift: “Kurioses aus dem Diabetes-Alltag”. Da geht es z. B. um eine Frau, die ihre Teststreifen abwäscht und wiederverwendet, eine andere spritzt immer die Hälfte der Insulindosis aus dem Fenster, weil sie es im Fernsehen so gesehen hat. Viel Verständnis habe ich als Mess-Novizin für den Herrn, der den Blutstropfen auf den Teststreifen aufträgt und den Streifen erst dann ins Gerät steckt. Richtig ist es andersherum. Haha! Ist doch logisch!

Sie mussten schmunzeln? Ich auch, aber: Bestimmt kommt so etwas häufiger vor – ich denke an meine “Blutarmut”. Wenn kein Experte hilft, können solche Missverständnisse gefährlich werden. Schulung und eine gute Betreuung sind das A und O; die Grundlagen müssen sitzen und immer mal wieder kontrolliert und geübt werden!


von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (1) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße