Kleine Zellen, große Wirkung

2 Minuten

Kleine Zellen, große Wirkung

Was haben eigentlich Endothelzellen und Schokoladenplätzchen miteinander zu tun? Darüber hat sich Alex Adabei Gedanken gemacht …

“An was denkst du?”, fragt mich mein Mann. “An mein Endothel und die Endothelzellen”, antworte ich knapp. Ab und zu schiebe ich mir ein kleines Schokoladenplätzchen in den Mund. Ich versinke noch tiefer in Gedanken. In meinem Kopf geht es drunter und drüber: Arteriosklerose, Schaumzellen, fibröse Kappe, Plaqueruptur … Mist, dieser Artikel von Dr. Schmeisl, ihnen sicherlich als Autor des Diabetes-Kurses bekannt, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Kann man sich nicht mal mehr in Ruhe ein Weihnachtsbäuchlein anfuttern?

Der Text von Dr. Schmeisl ist für richtige Profis gedacht. Ich verstehe ihn nicht bis ins kleinste Detail, aber genug, um zu wissen: Dieses Endothel ist verflixt wichtig. Es kleidet alle unsere Blutgefäße aus und produziert Substanzen, die bei der Regulation des Blutdrucks eine wichtige Rolle spielen. Das Endothel hat außerdem Einfluss auf die Fließfähigkeit des Blutes und regelt den Austausch von Stoffen zwischen Gewebe und Blut.

Das funktioniert natürlich alles nur so lange reibungslos, wie das Endothel in Ordnung ist. Ist es nicht in Ordnung, entsteht Arteriosklerose, landläufig auch Gefäßverkalkung genannt. Dabei werden durch Einlagerung von Cholesterin, Fettsäuren und auch Kalk in die Blutgefäße die Gefäßwände dicker und härter, das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen.

Besonders gemein ist, dass wir ganz lange nicht merken, dass sich am Endothel etwas tut. Erst wenn kaum mehr Blut fließt, wird die Arteriosklerose spürbar – und am Ende kann es sogar zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Der Diabetes kann das Endothel noch zusätzlich schädigen, schreibt Dr. Schmeisl. Ungesunde Ernährung natürlich auch. O je, dazu gehören leider auch meine Schokoladenplätzchen!

Es gibt unvorstellbar viele Endothelzellen – ein Erwachsener hat 10 000 Milliarden davon. Jede dieser Zellen ist für sich winzig klein – und doch so unfassbar wichtig für unsere Gesundheit. Oft achten wir jedoch nicht auf die kleinen Dinge. Dabei können sie etwas ganz Großesauslösen – z. B. einen Herzinfarkt, der unser Leben für immer verändert oder sogar beendet. Deshalb dürfen wir das Kleine nicht gering schätzen: Alles fängt einmal klein an, das Gute wie das Schlechte. Bei einigen Schokoladenplätzchen müssen wir darum auch an unsere winzigen Zellen denken.

Es geht auf Weihnachten zu, und meine Gedanken wandern nun weg von den Endothelzellen nach Bethlehem, wo vor über 2 000 Jahren aus der Geburt eines kleinen Kindes eine große Hoffnung gewachsen ist, die so viele heute noch in sich tragen. Frohe Weihnachten!


von Alex Adabei
Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2013; 62 (12) Seite 74

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt
Eine Schwangerschaft mit Diabetes bedeutet Kontrolle und Vertrauen zugleich. Lesley-Ann hat beides erlebt: intensive Blutzuckerwerte, eine zu frühe Geburt und die Erkenntnis, dass das Beste geben mehr als genug sein kann.
Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt | Foto: pressmaster – stock.adobe.com

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Podcast: Was leisten Abnehmspritzen und worauf muss bei der Therapie geachtet werden, Herr Prof. Forst?
Typ-2-Diabetes, Adipositas und Abnehmspritzen: Prof. Dr. Thomas Forst ordnet im Podcast-Gespräch ein, was die neuen Wirkstoffe medizinisch leisten, für wen die Therapie geeignet ist und worauf bei ihrer Anwendung sowie bezüglich Nebenwirkungen geachtet werden muss.
Diabetes-Anker-Podcast: Was leisten Abnehmspritzen und worauf muss bei der Therapie geachtet werden, Herr. Prof. Forst? | Foto: zVg / MedTriX

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 19 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände