Lea Raak ist IDF-Jugendbotschafterin: „Ich möchte nun anderen Menschen helfen“

3 Minuten

© Lea Raak
Lea Raak ist IDF-Jugendbotschafterin: „Ich möchte nun anderen Menschen helfen“

Lea Raak hatte sich für das „Young Leaders in Diabetes“-Programm der „International Diabetes Federation“ (IDF) beworben und wurde für das Programm im Zeitraum 2020 bis 2022 ausgewählt. Auf diabetes-online sowie im Diabetes-Journal wird sie von ihren Erlebnissen als IDF-Jugendbotschafterin berichten.

Manche Menschen, die diese Zeilen lesen, werden mich vielleicht schon durch die Diabetes-Online-Community oder meinen Diabetesblog „Insulea“ kennen, allen anderen möchte ich mich gern vorstellen: Mein Name ist Lea, ich bin 25 Jahre alt und lebe in Norddeutschland. Neben meinem Master-Studium und meinen zwei Nebenjobs an der Universität und in einer betreuten Grundschule nutze ich meine restliche Freizeit, um mich politisch und in der Diabetesaufklärung zu engagieren. Und dann habe ich da noch einen Vollzeitjob, der sich Diabetes Typ 1 nennt…

Warum habe ich mich für das Jugendbotschafterprogramm beworben?

Die Diagnose Diabetes Typ 1 bekam ich 2011 während eines Schüleraustauschs in den USA. Leider verlief der Weg zur Diagnose für mich sehr steinig, es dauerte 2 Monate, bis meine Symptome endlich nicht mehr Heimweh und der Grippe, sondern Diabetes zugeordnet wurden. Schlussendlich war ich zum Zeitpunkt der Diagnose so geschwächt, dass ich mein Auslandsjahr abbrechen musste.

Zuhause in Deutschland bekam ich dann auch das erste Mal schnellwirkendes Insulin für die Mahlzeiten und eine Schulung – fast 4 Monate, nachdem die ersten Symptome aufgetreten waren. Ich war mittlerweile so schwach, dass ich nicht länger als ein paar Minuten gehen konnte und mich selbst beim Duschen hinsetzen musste. Zusätzlich zu meinem geschwächten Körper entwickelte ich durch diese furchtbaren Monate Depressionen und eine Angststörung.

Das „Young Leaders in Diabetes“-Programm der IDF

Die Internationale Diabetes-Föderation (International Diabetes Federation; IDF) hat im Jahr 2011 das Young Leaders in Diabetes-Programm (YLD) ins Leben gerufen, um weltweit junge Menschen mit Diabetes in die Lage zu versetzen, sich selbst und andere, die mit Diabetes leben, zu unterstützen.

Während eines Zeitraums von zwei Jahren bietet das YLD-Programm eine kontinuierliche Weiterbildung, um die YDL-Botschafter auf eine aktive und führende Rolle innerhalb der Diabetes-Selbsthilfe, -Aufklärung und -Interessenvertretung im Herkunftsland vorzubereiten.

© IDF | Die Teilnehmer des vorangegangenen YDL-Programms.

Am aktuellen YDL-Programm (2020 bis 2022) nimmt auch die Studentin, Bloggerin und Blood-Sugar-Lounge-Autorin Lea Raak (25) teil. Los geht es für sie nun bereits im Dezember: Parallel zum medizinischen IDF-Kongress vom 2. bis zum 6. Dezember 2019 in Busan, Südkorea, findet auch das erste YDL-Training für die Neulinge statt. Lea hat sich heute auf den Weg dorthin gemacht und wird hier auf diabetes-online sowie im Diabetes-Journal von ihren Erlebnissen als IDF-Jugendbotschafterin berichten.

Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder an dem Punkt war, mein Leben wirklich leben und genießen zu können, vom Diabetes einmal abgesehen. Ich weiß mein Leben durch diese Erfahrungen heute viel mehr zu schätzen und möchte nun anderen Menschen helfen. Schon als kleines Mädchen war mir Gerechtigkeit sehr wichtig; heute setze ich mich für andere Menschen ein – unter anderem für Menschen mit Typ-1-Diabetes und/oder psychischen Erkrankungen.

Bisher habe ich das vorwiegend online über meinen Blog und Instagram getan, aber ich möchte auch offline mehr bewirken.

Ich bin die deutsche Jugendbotschafterin 2019 für Diabetes!

Deshalb habe ich mich Ende letzten Jahres für das Jugendbotschafter-Programm der Internationalen Diabetes-Föderation (International Diabetes Federation; IDF) beworben – das Young Leaders in Diabetes-Programm.

Zusammen mit den anderen Teilnehmenden aus aller Welt durchlaufe ich ein zweijähriges Programm, in dem wir weitergebildet bzw. unser Wissen über Diabetes auf den gleichen Stand gebracht wird und in dem wir lernen, wie wir unsere Stimme und Arbeit nutzen können, um für die Interessen von Menschen mit Diabetes einzustehen (das Englische Wort „Advocate“ finde ich im Kontext passender, allerdings gibt es keine wirklich zufriedenstellende Übersetzung für mich).

Der Kern dieses Programms ist es, dass alle Teilnehmenden ein eigenes Projekt starten, welches entweder über Diabetes aufklären oder Menschen mit Diabetes unterstützen soll. Dazu habe ich mir bereits im Vorfeld überlegt, was für ein Projekt meiner Meinung nach in Deutschland noch fehlt und ich bin gespannt, wie ich es mithilfe des Trainings am Ende umsetzen kann. Mehr verrate ich an dieser Stelle noch nicht. 😉

Mehr über Lea Raak

In unserer Video-Reihe „Diabetes-Helden“ haben wir u.a. Lea Raak vorgestellt, die einen beschwerlichen Diagnoseweg erleben musste. Bis heute feiert sie den Tag der Diagnose als „Happy D-Day“.

➤ Happy D-Day – Lea, die Mutmacherin

Es geht nach Südkorea!

Der Start des Programms ist ein viertägiger Workshop, der parallel zum World Diabetes Kongress der IDF stattfindet. Dieses Jahr findet die Tagung in Busan, Südkorea, statt! Für mich geht es Ende November also los nach Südkorea – ich bin schon sehr gespannt auf das Training und freue mich, die anderen Teilnehmenden endlich kennenzulernen!

Hoffentlich bekomme ich auch genügend Zeit, um mich auf dem eigentlichen Kongress umschauen zu können. Ich bin mir sicher, dass ich viele neue Eindrücke von dieser Reise mitnehmen kann, über die ich im Anschluss berichten werde.


von Lea Raak

Lea Raak setzt sich mit großer Leidenschaft für die Rechte von Menschen mit Behinderungen/chronischen Erkrankungen ein – sei es hauptberuflich im Bildungsbereich, durch ihre aktivistische Arbeit auf Social Media und als Patient Advocate oder in ihrem Ehrenamtsverein (Blickwinkel Diabetes e.V.). Lea spricht offen über ihren Alltag mit mehreren chronischen Erkrankungen und nimmt uns auf Abenteuerreisen, Radtouren und Wanderungen mit. Sie möchte anderen Menschen mit ihrer Geschichte Mut machen und über das alltägliche Leben mit chronischen Erkrankungen aufklären. Lea hat ihr kleines Glück mit Katze und Partner im Norden Deutschlands gefunden und verbringt hier viel Zeit am Meer und in veganen Cafés.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Doppel-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Wenn Typ-1- und Typ-2-Diabetes zusammentreffen
Lange Zeit galten Typ-1- und Typ-2-Diabetes als zwei klar voneinander getrennte Erkrankungen. Doch in den vergangenen Jahren zeigt sich auch bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger ein Phänomen, das beide Krankheitsbilder miteinander verbindet: der Doppel-Diabetes.
Ein Jugendlicher mit Brille betrachtet auf einem Smartphone seinen Glukosesensor am Oberarm. Auf dem Tisch liegen weitere Diabetes-Utensilien.

3 Minuten

Diabetes und Gürtelrose: Das Risiko im Blick behalten – mit Video und Podcast
Wer Diabetes hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Der Diabetologe Dr. Dietrich Tews erklärt im Video- und Podcast-Interview, welche Rolle das Immunsystem dabei spielt, welche Komplikationen auftreten können und warum Vorsorge und stabile Blutzuckerwerte das Risiko senken.
Dr. med. Katrin Kraatz (links) und Dr. med. Dietrich Tews stehen lächelnd vor einer grünen Hecke.

3 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • florahdo postete ein Update vor 5 Tagen, 6 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.