- Psyche
Abnehmen findet auch im Kopf statt
4 Minuten

Abnehmen findet im Kopf statt. Tja – findet nicht eigentlich alles im Kopf statt? Zumindest unsere Vorsätze finden dort statt. Liebe oder andere Emotionen sollen im Herzen wohnen oder aus dem Bauch kommen. Erfahren Sie hier mehr über die Zusammenhänge und wie der Vorsatz, abzunehmen, auch im Bauch und im Herzen landen kann.
Zusammenhänge zwischen Bauch und Kopf
Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben meist Übergewicht. Das Zuviel sitzt dabei meist am Bauch. Dieses Bauchfett wird auch viszerales Bauchfett oder Stamm-Fettsucht genannt. Dabei handelt es sich nicht nur um reines Speicherfett, sondern es ist auch ein endokrines Gewebe, also ein Gewebe, in dem viele Hormone oder Hormonen ähnliche Stoffe produziert werden. Fachleute nennen diese auch Adipokine und die Fettzellen, die diese produzieren, heißen Adipozyten.
Diese Substanzen sind mit dafür verantwortlich, dass es zu einem Metabolischen Syndrom kommt – vorausgesetzt, man hat die genetische Veranlagung dazu. Zum Metabolischen Syndrom gehören ein Bluthochdruck, erhöhte Fettwerte und eine Insulinresistenz mit erhöhten Zuckerwerten. Hier fängt ein Teufelskreis an: Je mehr Insulin produziert werden muss, umso eher ist der Körper auf Sparflamme. Insulin ist ein Hormon, das Zucker in die Zellen des Körpers schleust. Dort dient er dem Gewinnen von Energie. Wird keine Energie benötigt, wird die Glukose in der Leber in Glykogen umgewandelt, was als Energiespeicher dient. Glukose, die in Fettzellen aufgenommen wird, wird aber in eine andere Speicherform umgewandelt: Fett.
Außerdem unterstützt Insulin das Einschleusen von Fettsäuren in Fettzellen und bremst den Abbau von Fett. Hat jemand also zu viel Insulin im Körper – Fachleute sprechen auch von einem Hyperinsulinismus – kann neben dem Zucker auch Fett in die Zellen eingebettet werden, wenn der Körper keine akute Energie benötigt. Das heißt: Dann nimmt man zu. Je mehr Fettgewebe man hat, umso mehr Adipokine werden gebildet. Diese Substanzen führen dann wieder dazu, mehr einzulagern, und so weiter. Ursprünglich ist dieser Mechanismus sehr wichtig für das Überleben der Menschheit gewesen – solange wir noch jagen und sammeln mussten. Heute in unserer Überfluss-Gesellschaft mit Lebensmitteln, die hoch verarbeitet und sehr kalorienhaltig sind, wird dies zu einem Problem.
Das egoistische Gehirn
Der Forscher Prof. Dr. Achim Peters aus Lübeck hat herausgefunden, dass es zwei Sorten von Stress-Typen gibt. Die einen produzieren unter Stress vorrangig Adrenalin – das Fluchthormon, um “vor dem Säbelzahntiger davonzulaufen”. Die anderen produzieren vorrangig das Hormon Kortisol. Dieses Hormon führt dazu, dass das Gehirn sich quasi einen Energiespeicher im Bauchfett anlegt – im Sinne von “abwarten in der Höhle, bis der Säbelzahntiger weg ist”. Das führt nun dazu, dass bei chronischem Stress immer mehr Energie im Bauchfett abgespeichert wird, was wiederum zu einer vermehrten Produktion von Adipokinen führt.
Darm und Gehirn hängen zusammen
Ein neuer Zweig der Wissenschaft erlebt gerade einen Boom. Durch neue Techniken ist es heute möglich, unkompliziert das Mikrobiom zu erforschen. Unter Mikrobiom versteht man sämtliche Mikroorganismen, die auf und in einem Körper leben. Zum Mikrobiom gehört das Darm-Mikrobiom. Durch die neuen Untersuchungs-Techniken weiß man heute, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes und mit Übergewicht weniger Arten im Darm haben. Zudem fehlen dort vor allem die Lebewesen, die wichtig für unsere Gesundheit sind. Dabei handelt es sich um diejenigen, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, wie Propionat- und Butyrat-produzierende Arten. Diese Endprodukte der Bakterien sind unter anderem wichtig für Entzündungs-Reaktionen.
In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass dicke Mäuse, die Kot von dünnen Mäusen erhielten, schlank wurden und umgekehrt. In der Praxis haben sich solche Stuhl-Transplantationen noch nicht bewährt. Allerdings kann man seine Darmbewohner “anfüttern” und zum Bleiben überreden. Dies funktioniert, indem man ausreichend Ballaststoffe isst. Im Speiseplan sollten daher viele Vollkorn-Produkte, Hülsenfrüchte und viel Gemüse stehen.
Des Weiteren ist heute bekannt, dass bei einer geringen Artenvielfalt und beim Fehlen der guten Arten eher Depressionen auftreten können – was wiederum zu einer Vermehrung des Bauchfetts führen kann. Auch hier steckt ein Teufelskreis dahinter: Je schlechter es mir geht, umso mehr Hunger habe ich auf die “falschen” Lebensmittel mit viel Zucker und Fett.
Abnehmen von Kopf über Herz und Bauch
Wenn man sich vorgenommen hat, abzunehmen, entsteht dieser Gedanke zuerst im Kopf. Wenn er dort verbleibt, kann eine Gewichtsabnahme nur mit viel Disziplin erreicht werden. Sobald die ersten Hürden, wie Stress, auftauchen, gerät dies sofort in den Hintergrund und eine erneute Gewichtszunahme ist wahrscheinlich. Der Wunsch nach einer Gewichtsabnahme muss also aus dem Herzen kommen. Um dies zu erreichen, hilft die Methode der SMART-Ziele: S wie spezifisch, M wie messbar, A wie attraktiv oder Antrieb, R wie realistisch und T wie Termin.
Wichtig dabei ist aber vor allem das “A” – dies spiegelt die Emotion wider. Eine Zahl auf der Waage ist meist nur eine Zahl und hat dabei keinen emotionalen Mehrwert. Wieder in die Lieblingshose zu passen oder sich ohne Mühe wieder selbst Socken anziehen zu können, bringen schon eher Emotionen hervor. Es lohnt sich, für sich selbst ein individuelles SMART-Ziel zu finden. Dann den Weg zu gehen mit gesünderer Ernährung und mehr Bewegung, geht (fast) von allein. Wenn obendrein noch die Darm-Mitbewohner mit ausreichend Ballaststoffen gefüttert und Stress durch mehr Achtsamkeit reduziert werden, sind Bauch, Kopf und Herz im Einklang.
Fazit
Abnehmen ist auch Kopfsache, aber weniger im Sinne der Disziplin, sondern eher im Sinne von: Kopf, Bauch und Herz müssen im Einklang zueinander sein. Dies gilt nicht nur im emotionalen Sinn, sondern auch hinsichtlich des richtigen Zusammenspiels zwischen unseren Mitbewohnern und unserem Lebensstil.
Schwerpunkt: „Übergewicht mit Erfolg angehen“
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 73 (2) Seite 14-16
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat
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