Nachgefragt | Psychologie: Finn wehrt sich beim Kathether-Wechsel – was tun?

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Nachgefragt | Psychologie: Finn wehrt sich beim Kathether-Wechsel – was tun?

Das Diabetes-Eltern-Journal beantwortet Ihnen in jeder Ausgabe medizinische Fragen aus unterschiedlichster Perspektive. Besonders wichtig für Eltern von Kindern mit Diabetes sind daneben Fragen vor psychosozialem Hintergrund. Alle Fragen werden von ausgewiesenen Experten beantwortet.

Die Frage

Unser Sohn Finn ist 4 Jahre alt, sein Diabetes wurde vor 8 Monaten entdeckt. Es war für uns alle ein großer Schock. Deshalb waren wir sehr froh, dass Finn gleich eine Pumpe angeboten wurde und wir ihn nicht jeden Tag mehrfach spritzen müssen.

Alle zwei Tage, wenn der Katheter gewechselt werden muss, gibt es bei uns seitdem Kämpfe. Mein Mann und ich müssen Finn festhalten, er läuft weg, weint und schreit. Wie können wir ihm bloß die Angst nehmen?

Familie M.

Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange

Angst oder ein gewisser Respekt vor Injektionen oder anderen Verletzungen des Körpers sind bei Kindern normal und sinnvoll (s. dazu auch DEJ 2/2013), weil sie vor Gefahren schützen. Finn muss nun lernen, dass es beim Katheter-Setzen anders ist. Dabei können Sie ihm als Vorbild/Modell helfen, indem Sie überlegen, mit welchen Gefühlen Sie selbst an die Prozedur herangehen: Mitleid wegen der Schmerzen, Trauer wegen des Diabetes, Stress wegen des Theaters? Schaffen Sie es, diese Gedanken gegen eine positive Sicht auszutauschen? Zum Beispiel: “Der Katheter schmerzt kaum.” (Probieren Sie es bei sich selbst aus!), “Finn wird immer mit der richtigen Insulinmenge versorgt.”, “Wir werden es mit Finn schaffen.”

Bereiten Sie das Kathetersetzen gut vor, damit es schnell gehen kann, und lassen Sie sich nicht auf Verhandlungen mit Finn ein. Bleiben Sie ruhig und handeln Sie konsequent und freundlich. Je länger Sie warten und diskutieren, umso stärker werden Finns Stress und Angst. Lenken Sie ihn mit etwas Schönem ab, wenn der Katheter sitzt, und schimpfen Sie nicht über das Theater.

Ablenkungen und Belohnungen können helfen

Sie können mit Finn zwischen zwei Terminen in Ruhe besprechen, wie die Prozedur am besten stattfinden soll: Ablenkung durch Fernsehen kann helfen oder die Konzentration auf einen Zauberstein in der Hand, Finn sucht die Stelle aus, Entspannung oder auch eine Belohnungskarte. Auf dieser Belohnungskarte gibt es jedes Mal einen Stern, wenn Finn das Katheter-Setzen ohne Theater mit Ihnen in 6 Minuten geschafft hat. Für 10 Sterne können Sie ein Wunschgeschenk vereinbaren. Selbstverständlich sollte Finn jedes Mal gelobt werden, wenn er Fortschritte gemacht und seine Angst besiegt hat.

Wenn Finn sehr über Schmerzen klagt, können Sie sich zusätzlich in Ihrem Diabeteszentrum Pflaster verschreiben lassen, mit denen Sie das Areal vor dem Einstich betäuben können. Es dauert etwas, bis die Wirkung eintritt, aber es ist zu Beginn bei sehr kleinen Kindern hilfreich. Auf Dauer, wenn ein Kind seine Angst beherrschen kann, ist so ein Pflaster nur noch sehr selten erforderlich.

Sollte sich die Situation jedoch in den nächsten vier Wochen nicht bessern, scheuen Sie sich nicht, Ihr Diabetesteam um Unterstützung durch einen Kinderpsychologen zu bitten.


von Prof. Dr. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (4) Seite 24

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  • diahexe postete ein Update vor 6 Tagen, 19 Stunden

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

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    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

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