Wechselwirkung zwischen Faszien im Schulterbereich und Depression?

2 Minuten

© Alexander Raths - AdobeStock
Wechselwirkung zwischen Faszien im Schulterbereich und Depression?

Zwei neue Studien mit insgesamt 149 Probanden legen nahe, dass es Wechselwirkungen zwischen depressiven Störungen und dem muskulären Bindegewebe, den Faszien, im Nacken-Schulter-Bereich gibt. Ein Team um Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat dies nun in einem wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht.

„In den letzten Jahren mehren sich die wissenschaftlichen Befunde, die einen engen Zusammenhang von Körper und Psyche belegen“, ordnet Prof. Michalak die Ergebnisse ein. Der nun veröffentlichte Artikel besteht aus zwei Teilen: „In der ersten Studie haben wir uns dafür interessiert, ob die Eigenschaften des muskulären Bindegewebes der Schulter-Nackenpartie von depressiven Personen sich von denen gesunder Probanden unterscheiden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Depressive einen höheren Grad von Steifigkeit und weniger Elastizität im Schulter-Nacken-Bereich aufweisen als gesunde Vergleichsprobanden“, so Michalak weiter.

Welche Rolle spielt die Flexibilität des Bindegewebes?

Die zweite Studie ging dem Bericht der UW/H zufolge noch einen Schritt weiter und hat untersucht, ob eine kurze Übung auf der Ebene des Bindegewebes depressive Prozesse beeinflussen kann.
Es gab zwei Versuchsgruppen von depressiven Patientinnen und Patienten. Die erste Gruppe wurde angeleitet, ihre Schulter-Nackenpartie mit einer Schaumstoffrolle (Faszienrolle) einige Minuten selbst durch Rollbewegungen zu massieren und so die Flexibilität des Bindegewebes zu erhöhen. In der zweiten Versuchsgruppe unter Placebo-Bedingung führten die depressiven Patientinnen und Patienten lediglich Auf- und Ab-Bewegungen im Schulter- und Nackenbereich durch, ohne den Nackenbereich wirklich zu massieren.

Positiver Einfluss leichter Massageübungen

In der Pause zwischen den einzelnen Übungsdurchgängen wurden beiden Gruppen je zehn positive Begriffe wie schön, stolz oder selbstbewusst und zehn negativ besetzte Begriffe wie schlecht, hässlich oder schwerfällig von einem Tonband vorgelesen. Nach den Übungen wurden die Patienten befragt, an welche Begriffe sie sich erinnern. „Wir haben da einen in der Wissenschaft etablierten Test zum sogenannte Memory Bias, der die Depressionsanfälligkeit erfasst, durchgeführt“, erklärt Prof. Michalak den Versuchsablauf. Zusätzlich ist auch die Stimmung nach der Übung mit einem Fragebogen dokumentiert worden. Und es zeigte sich, dass in der Gruppe mit der Selbstmassage die Stimmung der Patientinnen und Patienten besser war und sie weniger negative Worte erinnerten als in der Gruppe unter Placebo-Bedingung, so die Angaben der Forschenden.

Fazit

Prof. Michalak: „Unsere Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Steifigkeit und geringe Elastizität des muskulären Bindegewebes möglicherweise mit dazu beitragen könnte, dass Depressive sich nicht so gut aus ihrem negativen Zustand lösen können. Wir haben allerdings nur die temporären Effekte einer kurzen Selbstmassage untersucht. Ob eine längerfristige Behandlung des muskulären Bindegewebes, in Kombination mit anderen Behandlungselementen, depressiven Personen dabei helfen könnte, ihre Depression besser zu überwinden, muss in zukünftigen Forschungsarbeiten untersucht werden.“


Originalpublikation:
Michalak, J., Aranmolate, L., Bonn; A., Grandin, K., Schleip, R., Schmiedtke, J., Quassowsky, S., Teismann, T. (in press). Myofascial tissue and depression. Cognitive Therapy & Research. doi: 10.1007/s10608-021-10282-w

Quelle: Universität Witten/Herdecke | Redaktion

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Dauerbaustelle Krankenhausreform: Was tut sich für die Diabetes-Versorgung in der Klinik?
An der Krankenhausreform wird schon eine Weile gewerkelt. Seit Ende März hat diese Dauerbaustelle zur Neuordnung der Kliniklandschaft und -finanzierung nun alle parlamentarischen Hürden genommen. Was tut sich für die Diabetes-Versorgung in der Klinik?
Dauerbaustelle Krankenhausreform: Was tut sich für die Diabetes-Versorgung in der Klinik? | Foto: bluedesign – stock.adobe.com

3 Minuten

Gesunder Lebensstil und Medikamente: Übergewicht effektiv behandeln
Wer mit Übergewicht lebt, hat meist schon die Erfahrung gemacht, dass Abnehmen schwierig ist. Ein gesunder Lebensstil ist dafür die Grundlage – moderne Medikamente helfen zusätzlich, um die chronische Erkrankung immer effektiver zu behandeln.
Gesunder Lebensstil und Medikamente: Übergewicht effektiv behandeln | Foto: Andrii - stock.adobe.com

5 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Verbände