- Soziales und Recht
Analyse: Online-Schwarzmarkt für Teststreifen – Teil 2
3 Minuten
Woher bekomme ich günstig Teststreifen, wenn mir der Arzt zu wenige verschreibt? In der letzten Ausgabe berichteten wir darüber, wer überhaupt Teststreifen online verkauft. Diesmal beschreiben wir die Profile derjenigen Menschen, die solche Teststreifen kaufen. Die 2-teilige Serie ist Ergebnis einer langjährigen Studie, die an der Fachhochschule Bielefeld durchgeführt worden ist.
Die Käufergruppen
Wer sind eigentlich die potentiellen Käufer der Teststreifen, die auf Online-Auktionsportalen wie ebay angeboten werden?
Käufergruppe 1: Auf- und Wiederverkäufer
Eine Gruppe, die bezogen auf die weiteren Überlegungen außen vor gelassen werden kann, sind die Auf- und Wiederverkäufer: Das sind Käufer, die vor allem große Mengen in einem Kaufvorgang übernehmen, um sie dann packungsweise auf eigene Rechnung wieder zum Verkauf anzubieten; diese Käufer finden sich auf der Verkäuferseite unter den Massenrealisierern wieder (Diabetes-Journal 4/2015). Sie verfolgen ein klares Einkommensinteresse.
Käufergruppe 2: die Ängstlichen
Die beiden anderen Käufergruppen sind zum einen ängstliche Typ-1-Diabetiker. Sie erhalten nach wie vor Blutzuckerteststreifen von ihrem Arzt verordnet. Ihnen reicht aber die Anzahl der Teststreifen nicht, um sich richtig gemessen und eingestellt zu fühlen.
Käufergruppe 3: die Besorgten
Zum anderen sind es wohl jene Typ-2-Diabetiker, die seit 2011 deutlich weniger oder gar keine Blutzuckerteststreifen mehr verschrieben bekommen. Die Sorge um ihre Krankheit wird oftmals durch die engbegrenzt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel eingeschränkt. Das Interesse, eigenverantwortlich möglichst kostengünstig die erforderliche Anzahl von Blutzuckerteststreifen zu beschaffen, treibt sie schon einmal auf solche Wege.
Günstiger Preis bei guter Qualität? Unwahrscheinlich!
Beiden Gruppen kann nur empfohlen werden: Machen Sie einen großen Bogen um Online-Auktionsportale beim Kauf von Blutzuckerteststreifen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Sie mit einem günstigen Preis auch gute Qualität erhalten.
Auch sollten folgende Aussagen in den Verkaufstexten nicht als Qualitätskriterien angesehen und für die Kaufentscheidung genutzt werden: “neu”, “unbenutzt”, “unbeschädigt”, “ungeöffnet”, “originalverpackt” oder die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Zwar kann man schon zufrieden sein, wenn ein Haltbarkeitsdatum angegeben wurde, denn eine Nutzung von Teststreifen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus kann selbst bei sachgemäßer Lagerung zu falschen Messergebnissen führen. Das wird weder einem ängstlichen Typ-1- noch einem sich um seinen Diabetes sorgenden Typ-2-Diabetiker wirklich weiterhelfen können. Aber:
Verkaufstexte: Kein Hinweis auf Qualität
In den Verkaufstexten sind meist keine Hinweise auf die unter Qualitätsgesichtspunkten alles entscheidende Lagerung und die Versandbedingungen zu finden. Und genau daran bemessen sich die Qualität und die Brauchbarkeit oder Verlässlichkeit der Blutzuckerteststreifen: Unsachgemäße Lagerung der Teststreifen beim Verkäufer oder schlechte Versandbedingungen auf dem Weg vom Anbieter zum Käufer können zu gravierenden Fehlmessungen führen – selbst bei noch lange nicht erreichtem Mindesthaltbarkeitsdatum.
Wer kennt schon die Lagerungs- und Versandbedingungen im Einzelfall? Man denke nur an den Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes, der eine Packung Teststreifen geschenkt bekommen hatte, diese erst einmal in der Ablage des Dienstfahrzeuges liegen lässt und im Hochsommer bei 30 Grad Celsius im Schatten damit einige Tage umherfährt – bis er sich an die Packung erinnert und sie zum Zweck des Einstellens auf ebay mit nach Hause nimmt.
Ähnliches kann man sich auch bei den Entsorgern, Massenrealisierern oder den dazuverdienenden Diabetikern vorstellen (Diabetes-Journal 4/2015). Apothekenähnliche Lagerungs- und Versandbedingungen darf man wohl kaum voraussetzen.
Auf die Messwerte muss man sich verlassen können
Ein Diabetiker sollte sich beim Ablesen eines gemessenen Blutzuckerwertes sicher darauf verlassen können, dass dieser seine aktuelle Stoffwechsel-Situation wiedergibt, auf die mit einer entsprechenden Insulingabe zu reagieren ist. Ein um seinen Diabetes ehrlich besorgter Diabetiker sollte sich nicht erst mit der Frage belästigen müssen, ob das Messergebnis nicht eventuell auf einen unbrauchbaren Teststreifen zurückzuführen ist.
Noch schlimmer wäre es nämlich, wenn dies gar nicht bedacht würde und die aufgrund der falschen Messergebnisse verabreichte Insulingabe zu einer Entgleisung des Blutzuckers führt!
Verordnungseinschränkung kritisch prüfen!
Bleibt zu hoffen, dass die Krankenkassen angesichts dieser entstandenen und vom Umfang her nicht unbedeutenden Beschaffungsrealität die Verordnungseinschränkung von Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker nochmals kritisch prüfen.
Die Kosten für die Notfallversorgung von Blutzuckerentgleisungen selbst aufgrund der Nutzung von über Online-Auktionsportale erworbener und unbrauchbarer Teststreifen fallen bekanntlich zu ihren Lasten und wurden bisher noch nicht dem ebay-Verkäufer in Rechnung gestellt. Bis dahin: Online-Auktionsangebote von Blutzuckerteststreifen sollten gemieden werden!
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (4) Seite 34-35
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uho1 postete ein Update vor 3 Tagen, 2 Stunden
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 6 Tagen, 8 Stunden
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 6 Tagen, 3 Stunden
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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ckmmueller postete ein Update vor 2 Wochen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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