Bei Licht betrachtet: Scheinwerfer-Sätze

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag | Illustrationen: Christian Mentzel
Bei Licht betrachtet: Scheinwerfer-Sätze

Bei einer Tagung von Diabetes-Experten vielen Alex Adabei einige Sätze besonders auf, die das Licht auf drängende Probleme lenken.

Berlin. Es weht ein eisiger Wind. Aber ein Bummel durch die Hauptstadt steht sowieso nicht auf dem Programm, hier beim Kirchheim-Forum Diabetes. Stattdessen: Diabetes im Alter, Moderne Therapie beim Hausarzt, Diabetes in der Altenpflege, Blutzuckermessung und Insulininjektion. Das Kirchheim-Forum Diabetes ist eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Diabetesberaterinnen. Ich als Journalistin bin mittendrin und mache mir Notizen.

Einige Tage später schaue ich meine Aufzeichungen durch. Neben all den Studienergebnissen, den Zielwerten und verschiedenen Therapieformen fallen mir einige Sätze besonders auf. Diese Sätze sind wie Schweinwerfer, die das Licht auf drängende Probleme lenken. Sie zeigen, worum sich die engagierten Ärzte und Diabetesberaterinnen sorgen und was sie sich für ihre Arbeit und für Sie, ihre Patienten, wünschen:

“Wir haben die Aufgabe, ein individualisiertes Diabetesmanagement anzubieten.” Ist doch logisch, oder? Selbstverständlich ist es nicht. Gäbe es so viele Folgeerkrankungen, wenn jeder Diabetiker individuell begleitet würde? Während einer Diskussion erzählte ein Arzt, dass er eine Praxis mit dem Schwerpunkt Diabetes und Herz gründen wollte. Sein Antrag wurde abgelehnt: Zwischen Diabetes und Herzerkrankungen gäbe es keinen Zusammenhang, das brauche man hier nicht.

“Hausärzte fallen nicht vom Himmel.” – “Viele Leistungen werden von Nicht-Ärzten erbracht werden müssen.” Ja, wenn es weit und breit keinen Hausarzt gibt, muss jemand anderes Teile seiner Arbeit übernehmen – vielleicht eine Diabetesberaterin? Aber wann darf sie selbständig handeln, und wo sind ihre Grenzen? “Die Verzahnung der Professionen ist noch nicht gelungen”, hieß es in einem anderen Vortrag. Wie lange wird das Verzahnen wohl dauern – und wie viele Hausarztpraxen werden derzeit keinen Nachfolger finden?

“Die Bagatellisierung des Diabetes durch Ärzte als ‚ein bisschen Zucker‘ ist ein peinlicher Fehler.” So ist es! Anscheinend geben aber manche Ärzte Sätze diesen Inhalts immer noch von sich. Wann hört das endlich auf?

“Schulung ist Therapie.” Ja, denn die meiste Zeit müssen Sie mit Ihrem Diabetes allein zurechtkommen! Trotzdem sagt eine Diabetesberaterin im Interview: “Bedauerlich und kontraproduktiv ist, dass wir den Betroffenen und Angehörigen so wenige Schulungen im Laufe ihrer Patientenkarriere anbieten können.”

Nun: Die Lösung dieser Probleme würde nicht nur Ihnen nützen, sondern auch das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Und das ist doch der Traum eines jeden Gesundheitspolitikers.


von Alex Adabei
Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (3) Seite 74

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Moderne Diabetes-Medikamente im Überblick – mit Dr. Jens Kröger
Der Diabetes-Anker-Podcast geht nach der kurzen Sommerpause heute in eine neue Staffel! In deren ersten Folge spricht Stephanie Haack mit Dr. Jens Kröger über die medikamentöse Diabetes-Therapie. Der Hamburger Diabetologe und Vorstandvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gibt einen Überblick über moderne Medikamente, wie sie wirken und für wen sie geeignet sind.  
Diabetes-Anker-Podcast: Moderne Diabetes-Medikamente im Überblick – mit Dr. Jens Kröger | Foto: Dirk Deckbar / MedTriX

3 Minuten

tk pharma: Persönlich beraten. Verlässlich versorgt.
Moderne Diabetesversorgung bietet heute mehr Möglichkeiten denn je. Kontinuierliche Glukosemesssysteme, Insulinpumpen, AID-Systeme und digitale Anwendungen können den Alltag mit Diabetes erleichtern und neue Freiheiten schaffen. Gleichzeitig wird die Auswahl an Produkten und Lösungen immer größer. Umso wichtiger ist ein Partner, der nicht nur zuverlässig versorgt, sondern auch Orientierung gibt. tk pharma steht seit mehr als 30 Jahren für persönliche Beratung, fachliche Kompetenz und eine zuverlässige Versorgung rund um Diabetes.

3 Minuten

Anzeige
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße