- Soziales und Recht
Klagefreudig
2 Minuten

“Hast Du das in der Zeitung gelesen?”, fragte mich meine Frau Gaby. “Die Versicherungsbeiträge sind schon wieder gestiegen, am meisten die für die Rechtsschutzversicherung.” “Das wundert mich in keinster Weise, denn Verklagen gehört ja zum Handwerk, zumindest für Rechtsanwälte”, meinte ich lapidar.
Ganze Heerscharen sind mittlerweile ja damit beschäftigt, Schadensersatzansprüche für dieses und jenes herauszuholen. Für mich ist das nichts Neues, denn seit Jahren steigt die Anzahl der Schadensersatzprozesse auch gegen Ärzte. Ein in der Geburtshilfe tätiger Kollege von mir meinte unlängst, dass es heute fast üblich sei, wenn der Sprössling schlechte Noten mit nach Hause bringe, den Geburtshelfer zu verklagen, weil die Geburt nicht glatt verlaufen sein könnte und die schlechten Schulnoten davon die Folgen seien. Vielleicht etwas übertrieben, dachte ich mir, aber es ist was Wahres dran.
Für viele Erkrankungen und Probleme wird versucht, einen dafür Verantwortlichen zu finden. Und das Bewusstsein, dass der freundliche Patient von heute irgendwann eine Schadensersatzklage einreichen könnte, beeinträchtigt nicht zuletzt das Arzt-Patienten-Verhältnis immens. Genau deswegen dokumentieren wir alle Behandlungsabläufe mit riesigem Aufwand von morgens bis abends, statt uns mehr den Patienten zuzuwenden.
Früher war das offenbar nicht so. So meinte unlängst mein Chefarzt stöhnend: “Ach, früher, als wir noch Halbgötter in Weiß waren, war es echt eine schöne Zeit.” Natürlich meinte er das nur im Spaß, aber früher war es doch so, dass man ärztlich Handelnden einfach sein Vertrauen schenkte, während man heute, am besten noch direkt mit dem Handy, googelt, was das Internet dazu sagt.
Andererseits passieren wirklich Fehler und zu denen muss man als Arzt auch stehen. Denn Ärzte sind auch nur Menschen. Aber in der Mehrzahl der Fälle darf man davon ausgehen, dass Ärzte sorgfältig nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Das sehen auch die Gerichte so, denn die meisten Schadensersatzprozesse werden nicht gewonnen, sondern kosten nur Arbeit und Nerven. Gaby schaute mich mitleidig an und sagte: “Ja, ja, ich verstehe dich ja. Es gilt halt immer noch: Augen auf bei der Berufswahl.”
von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (12) Seite 82
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Bewegung

2 Minuten
- Aktuelles

2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße