Kolumne | Zum guten Schluss: Ausgeliefert

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Kolumne | Zum guten Schluss: Ausgeliefert

Rufbereitschaft, Wintertristesse, schlechte Nachrichten: In der Kolumne „Zum guten Schluss“ beschreibt Dr. Hans Langer, wie schnell das Gefühl entsteht, den Umständen ausgeliefert zu sein. Ein Gespräch auf dem Sofa führt zur Frage, was sich im Alltag dennoch steuern lässt.

Am letzten Wochenende hatte ich Rufbereitschaft in der Diabetes-Klinik und musste deswegen zu Hause bleiben, um für einen etwaigen Anruf aus der Klinik erreichbar zu sein. Es war ein typischer Sonntag und es herrschte die bekannte Winter-Tristesse bei leichtem Nieselregen.

In dieser Gemengelage versuchte ich, es mir gemeinsam mit meiner Frau Gaby so schön wie möglich zu machen. So saßen wir bei einem Tee und Keksen am Nachmittag auf dem Sofa und harrten der Dinge. “Manchmal fühle ich mich so ausgeliefert”, meinte Gaby und schaute mich mit ihren großen braunen Augen seelenverloren an. Innerlich dachte ich, dass sie damit hoffentlich nicht meine Gesellschaft meinte, weil sie jetzt mit mir hier auf dem Sofa sitzen musste.

“Alles ist irgendwie schrecklich”, fuhr Gaby fort. “Der Krieg in Europa, der Arbeitskräfte-Mangel, das Wetter, der trübe Sonntag und die Aussicht, morgen schon wieder in die Tretmühle an meiner Arbeitsstätte gehen zu müssen.” Irgendwie verstand ich sie, aber auch an solch trüben Tagen gibt es Dinge, die man einfach nicht beeinflussen kann. Dazu zählt natürlich das Wetter oder die aktuelle weltpolitische Lage.

Die eigene Widerstandsfähigkeit trainieren

Was man aber sehr wohl beeinflussen kann, ist, wie man damit umgeht. Muss ich wirklich alle Nachrichten anschauen und mich immer wieder mit dem Schrecken dieser Tage konfrontieren lassen? Nein, muss ich nicht. Muss ich über das Wetter jammern oder kann ich auch bei leichtem Nieselregen eine kleine Runde draußen drehen? Und muss ich mir jetzt schon ausmalen, was nächste Woche bei der Arbeit alles schieflaufen könnte, oder freue ich mich vielleicht darauf, sympathische Arbeits-Kollegen oder ein paar nette Kunden zu treffen?

Es gibt so viele Dinge, die man selbst in die Hand nehmen kann. Das Ganze hat etwas mit Resilienz zu tun, der eigenen Widerstandsfähigkeit, die man trainieren kann. Das vergessen wir aber zu oft und fühlen uns ausgeliefert, obwohl es besser wäre, etwas dagegen zu tun.

“Du hast recht”, meinte Gaby, “lass uns draußen eine Runde drehen und danach bei unserem Italiener unser Lieblingsessen bestellen.” “Gute Idee”, meinte ich, “und wenn dann das leckere Essen auf dem Tisch steht, hat das Wort AUSGELIEFERT doch eine viel bessere Bedeutung.”

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Dr. Hans Langer

Dr. Hans Langer war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Arzt in einer Diabetes-Klinik, der aus seinem Berufsleben berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (3) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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