Kolumne | Zum guten Schluss: Klagefreudig

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© Christian Mentzel
Kolumne | Zum guten Schluss: Klagefreudig

In der Kolumne „Zum guten Schluss“ geht es dieses Mal um eine Gesellschaft, die immer klagefreudig erscheint. Dr. Hans Langer schildert, wie Schadensersatzklagen und Misstrauen das Verhältnis zwischen Patient und Behandler verändern und warum Dokumentation oft mehr Zeit frisst als Gespräche.

“Hast Du das in der Zeitung gelesen?”, fragte mich meine Frau Gaby. “Die Versicherungsbeiträge sind schon wieder gestiegen, am meisten die für die Rechtsschutzversicherung.” “Das wundert mich in keinster Weise, denn Verklagen gehört ja zum Handwerk, zumindest für Rechtsanwälte”, meinte ich lapidar.

Ganze Heerscharen sind mittlerweile ja damit beschäftigt, Schadensersatzansprüche für dieses und jenes herauszuholen. Für mich ist das nichts Neues, denn seit Jahren steigt die Anzahl der Schadensersatzprozesse auch gegen Ärzte. Ein in der Geburtshilfe tätiger Kollege von mir meinte unlängst, dass es heute fast üblich sei, wenn der Sprössling schlechte Noten mit nach Hause bringe, den Geburtshelfer zu verklagen, weil die Geburt nicht glatt verlaufen sein könnte und die schlechten Schulnoten davon die Folgen seien. Vielleicht etwas übertrieben, dachte ich mir, aber es ist was Wahres dran.

Für viele Erkrankungen und Probleme wird versucht, einen dafür Verantwortlichen zu finden. Und das Bewusstsein, dass der freundliche Patient von heute irgendwann eine Schadensersatzklage einreichen könnte, beeinträchtigt nicht zuletzt das Arzt-Patienten-Verhältnis immens. Genau deswegen dokumentieren wir alle Behandlungsabläufe mit riesigem Aufwand von morgens bis abends, statt uns mehr den Patienten zuzuwenden.

Früher war das offenbar nicht so. So meinte unlängst mein Chefarzt stöhnend: “Ach, früher, als wir noch Halbgötter in Weiß waren, war es echt eine schöne Zeit.” Natürlich meinte er das nur im Spaß, aber früher war es doch so, dass man ärztlich Handelnden einfach sein Vertrauen schenkte, während man heute, am besten noch direkt mit dem Handy, googelt, was das Internet dazu sagt.

Andererseits passieren wirklich Fehler und zu denen muss man als Arzt auch stehen. Denn Ärzte sind auch nur Menschen. Aber in der Mehrzahl der Fälle darf man davon ausgehen, dass Ärzte sorgfältig nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Das sehen auch die Gerichte so, denn die meisten Schadensersatzprozesse werden nicht gewonnen, sondern kosten nur Arbeit und Nerven. Gaby schaute mich mitleidig an und sagte: “Ja, ja, ich verstehe dich ja. Es gilt halt immer noch: Augen auf bei der Berufswahl.”

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.


von Dr. Hans Langer

Dr. Hans Langer war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Arzt in einer Diabetes-Klinik, der aus seinem Berufsleben berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (12) Seite 82

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  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 15 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂