Nah dran statt weit weg: Warum wohnortnahe Versorgung für Menschen mit Diabetes entscheidend ist

3 Minuten

Nah dran statt weit weg: Warum wohnortnahe Versorgung für Menschen mit Diabetes entscheidend ist | Foto: keko-ka – stock.adobe.com
Foto: keko-ka – stock.adobe.com
Nah dran statt weit weg: Warum wohnortnahe Versorgung für Menschen mit Diabetes entscheidend ist

Gesundheit braucht Nähe. Für Millionen Menschen mit Diabetes ist der Alltag fordernd – doch oft fehlt es an erreichbarer Versorgung. Lange Wege und geschlossene Praxen gefährden die Gesundheit. Es braucht mutige politische Entscheidungen für wohnortnahe Angebote und digitale Lösungen. „Nah dran statt weit weg“ – das darf kein leeres Versprechen bleiben, fordern daher die organisierte Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker.

Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland – und die Zahl der Betroffenen steigt weiter. Aktuell leben offiziell rund 8,7 Millionen Menschen mit der Stoffwechselstörung. Für die Betroffenen bedeutet das einen Alltag voller Herausforderungen: Arzt-Termine, Blutzuckermessungen, Medikamente, Bewegung, Ernährung, Medizintechnik und vieles mehr. Die Erkrankung lässt sich nicht „mal eben nebenbei“ managen, sie verlangt Aufmerksamkeit, Zeit und eine regelmäßige und verlässliche Versorgung.

Versorgung muss ortsnah sein

Wir aus der organisierten Selbsthilfe wissen: Je näher die medizinische Versorgung an unserem Wohnort ist, desto besser können wir unsere Gesundheit im Blick behalten. Es macht einen Unterschied, ob wir eine Diabetespraxis, eine Fußambulanz, eine Schulungseinrichtung oder eine Apotheke schnell erreichen können oder ob dies mit langen Wegen, Wartezeiten und Hürden verbunden ist.

Wohnortnahe Angebote sparen nicht nur Zeit und Kraft, sondern erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir wichtige Kontroll-Termine wahrnehmen. Regelmäßige Betreuung ist entscheidend, um Folgeerkrankungen zu verhindern.

Kurze Wege sind das A und O

Besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder in ländlichen Regionen sind auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Lange Fahrzeiten oder komplizierte Termin-Vergaben führen oft dazu, dass notwendige Arztbesuche ausbleiben – teils mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. Das darf nicht sein! Versorgung muss den Menschen dienen und nicht umgekehrt.

Hausärzte sind für viele von uns zentrale Ansprechpersonen. Sie kennen uns oft seit vielen Jahren. Wir beobachten mit Sorge, dass besonders in ländlichen Regionen immer mehr Praxen schließen und keine Nachfolger gefunden werden. Das reißt Versorgungslücken, die für chronisch Kranke nur schwer zu überbrücken sind.

Wir wissen, dass die (Fach-)Arztpraxis um die Ecke für jeden nicht realistisch ist. Hier können digitale Angebote wie Video-Sprechstunden oder Telemedizin helfen. Sie ersetzen nicht den persönlichen Kontakt, aber sie ermöglichen schnelle Beratung und Betreuung.

Weitere neue Konzepte sind notwendig: mobile Praxen, das stärkere Einbinden von Diabetesberatern, aber auch eine bessere Zusammenarbeit mit den Apotheken. Letztere sind meist noch ausreichend vor Ort ansässig und niedrigschwellig erreichbar. Viele von uns haben dort erste Ansprechpersonen für Fragen zur Medikation, zum Umgang mit Messgeräten oder zu Begleit-Erscheinungen. Immer mehr Apotheken bieten zudem Dienstleistungen wie Blutzucker-Kontrollen oder Medikations-Analysen. Diese Kompetenzen sollten stärker genutzt und gestärkt werden.

Auf einen Blick: die Forderungen der Selbsthilfe

  • Flächendeckende wohnortnahe Versorgungsstrukturen aufbauen und sichern Es muss sichergestellt werden, dass wohnortnahe medizinische Angebote wie Diabetespraxen, Fußambulanzen, Schulungs-Einrichtungen und beratende Apotheken überall verfügbar und erreichbar sind. Dazu braucht es gezielte Investitionen in Infrastruktur und die Förderung regionaler Gesundheitszentren.
  • Mobile und digitale Versorgungsformen gezielt fördern Um Versorgungslücken zu schließen, müssen mobile Praxen, Telemedizin und digitale Betreuungskonzepte politisch unterstützt und in die Regelversorgung integriert werden.
  • Apotheken und nicht ärztliche Fachkräfte systematisch einbinden Apotheken und Diabetesberater übernehmen zunehmend Aufgaben in Beratung, Prävention und Alltagsbetreuung. Diese Leistungen müssen als Bestandteil eines multiprofessionellen Versorgungsteams politisch anerkannt, vergütet und gefördert werden.
  • Regionale Versorgungsnetzwerke stärken Die Politik muss den Aufbau integrierter Netzwerke auf kommunaler Ebene mit Hausärzten, Fachärzten, Apotheken, Ernährungsberatung, Pflege, Psychologie und Selbsthilfegruppen finanziell besser fördern, damit eine ganzheitliche Betreuung wohnortnah möglich ist.
  • Gleichwertige Versorgung sichern Die wohnortnahe Versorgung darf kein Privileg von Städten oder einzelnen Regionen sein. Es braucht nachhaltige politische Maßnahmen, um gleichwertige Versorgungsstandards bundesweit sicherzustellen.

Netzwerke auf Augenhöhe

Menschen mit Diabetes brauchen mehr als medizinische Einzelmaßnahmen. Was uns wirklich hilft, ist ein funktionierendes Versorgungs-Netzwerk: aus Ärzten, Apotheken, Ernährungsberatung, Podologie, Pflege, Psychologie – und nicht zuletzt Selbsthilfegruppen. Der Austausch unter Betroffenen ist für viele von uns ein Anker, eine Quelle von Wissen, Mut und Motivation. Veranstaltungen vor Ort, Gesprächs-Angebote oder Schulungen helfen, unsere Erkrankung besser zu verstehen und selbstbestimmt damit umzugehen.

Vernetzte Versorgung bringt nicht nur den Betroffenen Vorteile. Sie reduziert auch Krankenhaus-Aufenthalte und entlastet das Gesundheitssystem. Prävention, Früherkennung und kontinuierliche Betreuung – all das funktioniert besser, wenn Angebote für alle Betroffenen zugänglich sind.

Mutige Gesundheitspolitik

Damit gute Versorgung nicht vom Wohnort abhängt, braucht es mutige Entscheidungen in der Gesundheitspolitik. Dazu gehören digitale Lösungen, mehr mobile Versorgungs-Angebote und gezielte Investitionen in Personal und Infrastruktur, insbesondere auch im Bereich der Apotheken, die eine tragende Rolle im Alltag chronisch kranker Menschen übernehmen können.

Fazit: „Nah dran statt weit weg“

Dieses Prinzip darf kein schöner Slogan bleiben, sondern muss die Grundlage einer zukunftsfähigen, Patienten-orientierten Gesundheitsversorgung werden. Wir als Betroffene wissen am besten, was wir brauchen: kurze Wege, barrierefreie digitale Lösungen, vertraute Ansprechpartner, ein verlässliches Netzwerk und eine Gesellschaft, die chronisch kranke Menschen nicht vernachlässigt.


gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker

Logos Verbaende Diabetes Anker jpg

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 74 (10) Seite 58-59

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Schwieriger Start mit Diabetes: Tiefs und Hochs im Wechsel
Janina Klinger ist ein Multitalent. Obwohl ihr Start in ihr Leben mit Typ-1-Diabetes ein schwieriger war, hat sie ihren Weg gemacht und dabei alle Tiefs und Hochs gemeistert. Sie hat eine Tochter und arbeitet heute als Erzieherin – mit ein Anstoß für ihr neues Buch.
Schwieriger Start mit Diabetes: Tiefs und Hochs im Wechsel | Foto: privat

8 Minuten

Rezept für Apfel-Quark-Auflauf
Süßer Genuss ohne Reue: Dieses Rezept für einen proteinreiche Apfel-Quark-Auflauf ist schnell zubereitet, zuckerarm und ideal für die Obst-Resteverwertung. Ein leichtes, leckeres Gericht für jede Tageszeit, das mit unter 300 Kalorien pro Portion überzeugt.
Rezept für Apfel-Quark-Auflauf | Foto: Bernhard und Gabi Kölsch / MedTriX

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • uho1 postete ein Update vor 3 Tagen, 8 Stunden

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

Verbände