- Soziales und Recht
Strukturierte Behandlungsprogramme: Digital-DMP – neuer Rahmen für altes Haus
3 Minuten
Das im März 2024 in Kraft getretene Digital-Gesetz gab u.a. auch für strukturierte Behandlungsprogramme den Startschuss für die Entwicklung eines „Digital-DMP“ für Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Nun liegen die Anforderungen vor – bis zum Start 2026 ist noch einiges zu tun.
„Für die Zukunft der Gesundheitsversorgung nutzen wir die Chancen der Digitalisierung. Wir denken Prozesse neu und beschleunigen sie.“ So hat die in den Koalitionsverhandlungen für Gesundheit und Pflege zuständige Arbeitsgruppe in ihrem Abschlusspapier den Abschnitt zur Digitalisierung eingeleitet. Dass die Idee zwar gut, aber nicht ganz neu ist, zeigt ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von Ende März zur Einführung von digitalen Disease-Management-Programmen (DMP) zu Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2.
Das für die Ausgestaltung der gesundheitlichen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zuständige Gremium setzt in der damit beschlossenen 37. Änderung der DMP-Anforderungen-Richtlinie den rechtlichen Rahmen für diese Digital-DMP (dDMP). Die grundsätzliche Einführung digitaler Fassungen der strukturierten Behandlungsprogramme und Rahmen-Vorgaben dazu hatte die Ampel-Koalition unter Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach 2024 mit dem „Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens“, kurz Digital-Gesetz, beschlossen.
DMP: Programme zur strukturierten Behandlung für Millionen
- DMP gibt es in Deutschland seit 2002, auch damals war Typ-2-Diabetes Vorreiter.
- Etwa 4,76 Millionen Menschen sind in die Diabetes-DMP zu Typ 1 und 2 eingeschrieben.
- Frühestens 2026 können Patienten auch die neuen Digital-Module nutzen.
Ergänzung, nicht Ersatz
Die nun vom G-BA beschlossenen neuen digitalen Module sollen die bestehenden DMP ergänzen und mehr Flexibilität in der Versorgung ermöglichen. Ganz wichtig: Die neuen dDMP ersetzen nicht die bestehenden klassischen Diabetes-DMP, sondern ergänzen sie jeweils um ein Modul zu digitalisierten Versorgungs-Prozessen. Versicherte und auch Praxen können freiwillig entscheiden, ob sie neben dem klassischen DMP auch das dDMP anbieten beziehungsweise nutzen wollen.
In dDMP können ärztliche Konsultationen per Video erfolgen und Informationen auch asynchron über sichere Messenger-Dienste ausgetauscht werden. Ein Daten-gestütztes Glukose-Management soll dabei eine individuelle, eng abgestimmte Therapie zwischen Praxis und Patientin oder Patient unterstützen. Das heißt, dass die Therapie-Steuerung durch Zugriff der Ärztinnen und Ärzte auf Daten aus verordneten Hilfsmitteln wie Systemen zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) erleichtert werden soll. Eine Ausweitung der Verordnungs-Fähigkeit solcher Systeme geht mit dem Digital-DMP aber nicht einher.
Ob digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) wie Apps oder weitere digitale medizinische Anwendungen aus dem klassischen DMP für eine Patientin oder einen Patienten in Frage kommen, ist laut G-BA-Beschluss im Sinne einer Personalisierung der Behandlung ausdrücklich zu prüfen. Grundsätzlich kann eine im amtlichen Verzeichnis gelistete DiGA einer DMP-Teilnehmerin oder einem DMP-Teilnehmer auch dann verordnet werden, wenn die DiGA (noch) nicht im DMP empfohlen wird, wird in den Anforderungen betont.
App auf Rezept finden
Aktuell übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei Diabetes fünf digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Hier gibt es einen Überblick:
Digital-DMP „geradezu unumgänglich“
„Das dDMP ermöglicht eine optimierte personalisierte Betreuung. Die Behandlung kann so noch stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet werden. Gleichzeitig wirkt es dem steigenden Fachkräftemangel entgegen“, erklärte Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland in einer Stellungnahme zum G-BA-Beschluss. „Die Nutzung von Diabetes-Technologien, wie sie schon heute überwiegend eingesetzt werden, und das Vorliegen breiter digitaler Datenstrukturen machen ein digitales DMP geradezu unumgänglich“, findet der Vorsitzende der Kommission Digitalisierung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Die Fachgesellschaft arbeitet seit vielen Jahren an einer elektronischen Diabetesakte (eDA), die laut DDG problemlos an die langsam startende elektronische Patientenakte (ePA) angeschlossen werden könnte und mit dem dDMP mehr Schlagkraft erhalten würde.
Damit Praxen digitale DMP-Module anbieten können, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Sie benötigen ein digitales Termin-Management, müssen Video-Sprechstunden anbieten und Dienste der Telematik-Infrastruktur nutzen. Versicherte wiederum können nur teilnehmen, wenn sie die ePA nutzen.
Datenschutz und Vergütung zu klären
Bevor das dDMP starten kann, muss das Bundesministerium für Gesundheit allerdings noch per Rechtsverordnung Details zur technischen Umsetzung regeln. Denn zum Beispiel fordert der G-BA in seinem Beschluss eine datenschutzkonforme und sichere Übermittlung an die versorgende ärztliche Einrichtung für Daten aus CGM-Systemen, geeigneten Blutzucker-Mess-Systemen sowie Smart-Pens. In die Übertragung und Speicherung dieser Daten sowie deren Abruf durch das Personal der koordinierenden Ärztinnen oder Ärzte willigt ein Teilnehmer am Digital-DMP mit dem Einschreiben mit ein.
Krankenkassen und die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen müssen wie bei den „analogen“ DMP Verträge zum Umsetzen der Vorgaben des G-BA schließen, die dann auch das Thema der Vergütung für die Ärztinnen und Ärzte beinhalten. Die Einführung der digitalen DMP ist daher frühestens ab 2026 zu erwarten. Dass gerade die Vergütung manchmal der Knackpunkt für die Realisierung der schönen neuen Digital-Welt ist, zeigt eine konkrete Ankündigung im Abschlusspapier der AG Gesundheit und Pflege: „Rahmenbedingungen und Honorierung für Videosprechstunden, Telemonitoring und Telepharmazie verbessern wir, um die Versorgung flächendeckend sicherzustellen.“
Die Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit und die Vergütung digitaler Leistungen gehören auch zu den Forderungen von DDG und Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND) an die dDMP. Damit es sein volles Potenzial entfalten kann, fordern sie zudem grundlegende Reformen des bestehenden DMP-Systems. Dies soll dafür sorgen, die Dokumentation zu vereinfachen und Krankenhäuser besser zu integrieren.
von Marcus Sefrin
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (5) Seite 48-49
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diahexe postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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ckmmueller postete ein Update vor 6 Tagen, 14 Stunden
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 3 Tagen, 3 Stunden
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
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Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
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✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
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