Bettgeflüster – mit der Pumpe im Bett

3 Minuten

Community-Beitrag
Bettgeflüster – mit der Pumpe im Bett

Als ich 16 Jahre alt war, wollte man mich das erste Mal von einer Pumpe überzeugen. Meine Eltern, Ärzte und sogar Freunde, die Diabetes hatten, erzählten mir ständig, wie toll und einfach es doch mit einer Insulinpumpe sei.
In meinen Augen war es nur ein Kasten, den ich permanent mit mir herumtragen muss und den man ständig durch den Schlauch am Körper hervorgucken sieht. In der Pubertät eine Horrorvorstellung.

Aber ich hatte noch vor etwas ganz anderem Angst.

Was, wenn ich mal einen Freund habe? Was mache ich mit der Pumpe, wenn ich mit ihm intim werden möchte? Man kann die Pumpe zwar abklemmen, aber in meinen Augen zerstörte dies jegliche Romantik.

Als ich mich dann mit 18 Jahren zu einer Pumpe überreden ließ, tat ich das eher widerwillig. Zwar hatte ich keinen Freund, kam im Bett aber trotzdem nicht besonders gut mit der Pumpe zurecht. Nachts hielt sie mich wach, weil ich auf ihr drauf lag oder sie sich um meinen Körper wickelte und aus dem Bett fiel. So gab ich die Pumpe nach der Probephase freiwillig wieder ab.

Nun trage ich seit einem halben Jahr eine Schlauchpumpe, aus eigenen Stücken. Mit 26 entschied ich mich freiwillig für eine Schlauchpumpe (ein Jahr zuvor sollte es erst noch eine Patch-Pumpe sein). Ich war endlich so weit, und dieses Mal klappte es auch ganz gut.

Natürlich hatte ich auch jetzt Angst, dass es mit meiner Pumpe und mir im Bett nicht laufen würde. Außerdem hatte ich nun tatsächlich einen Freund. Deswegen redete ich vorher mit ihm und fragte, was er von meiner Entscheidung hielt. Auch er war etwas skeptisch, was die Pumpe und unsere intimen Momente anging, sagte aber klar: „Wenn die Pumpe dein Leben erleichtert, dann musst du das machen. Alles andere kriegen wir auch hin!“ Und so entschied ich mich für eine Pumpe.

Schon in der ersten Nacht hatte ich keine Probleme mit dem Schlauch oder dem Kasten an mir dran. Es war wohl wirklich eine Kopfsache. Als ich die Pumpe von vornherein ablehnte, funktionierte es nicht. Nun, da ich mir die Pumpe gewünscht hatte, lief alles wunderbar.

Pumpe und Schlafen

Beim Schlafen liegt die Pumpe nun immer einfach neben mir im Bett. Ich habe einen etwas längeren Schlauch gewählt, da ich mich in der Nacht viel herumwälze. Das war ein Grund, warum ich immer Angst vor einer Pumpe hatte. Aber es funktionierte. Egal, wie oft ich mich drehe, die Pumpe kommt einfach mit. Manchmal wache ich morgens auf und die Pumpe ist um meinen Bauch gewickelt, oder ich muss erst einmal am Schlauch ziehen, damit ich die Pumpe im Deckengetümmel finde.

Schmerzen habe ich beim „Hinterherziehen“ nicht, und es stört mich auch nicht. Schon nach der ersten Nacht fiel mir ein Stein vom Herzen. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Mal um die Pumpe kämpfen musste und froh war, sie endlich zu haben. Da sieht man mal, was für eine Rolle der Kopf bei dieser Sache spielt.

Pumpe und Sex

Wenn ich mit meinem Freund intim werde, klemme ich die Pumpe meistens ab. Dass das Abklemmen den Moment zerstört, kann ich nicht bestätigen. Es geht wirklich so schnell, nur ein Bruchteil einer Sekunde, dass der Partner das manchmal gar nicht mitbekommt. Auch hier war meine Angst vollkommen unbegründet.

Hin und wieder bleibt die Pumpe in solchen Momenten aber auch dran. Das ist wahrscheinlich je nach Situation und Vorlieben anders. Aber wenn ich sie nicht abmache, liegt sie meistens einfach neben mir. Der Schlauch ist lang genug, sodass sie niemanden stört. Und wenn die Pumpe mal die Seite wechseln muss, nimmt sie einer von uns beiden kurz in die Hand. Der Romantik schadet das jedenfalls nicht.

Sex und Schlaf waren die zwei Hauptpunkte, warum ich mich lange gegen eine Pumpe entschied. Aber ich habe den Schritt gewagt und festgestellt, dass meine Angst vollkommen unbegründet war.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Therapie, Ängste und Nachsorge bei Schwangerschafts­diabetes – mit Allison Muhl
Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Therapie, Ängste und Nachsorge bei Schwangerschaftsdiabetes – mit Allison Muhl | Foto: MedTriX / privat

2 Minuten

Diabetes und Sport: Jede Bewegung zählt
Diabetes und Sport: Jede Bewegung zählt | Foto: DDG-AG „Diabetes, Sport und Bewegung“

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Woche, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 3 von 5 )
    60%
    ( 1 von 5 )
    20%
    ( 1 von 5 )
    20%
  • schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 3 Wochen

    Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • uho1 antwortete vor 3 Wochen

      @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/