Coaching | CGM verstehen: Auswirkung einer hohen Glukose-Dynamik auf die Messung

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Coaching | CGM verstehen: Auswirkung einer hohen Glukose-Dynamik auf die Messung | Foto: KS – Stock.aobe.com / MedTriX
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Coaching | CGM verstehen: Auswirkung einer hohen Glukose-Dynamik auf die Messung

In diesem Beitrag aus der Coaching-Reihe „Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) verstehen“ gibt Dr. Andreas Thomas einen Einblick auf die Auswirkung einer großen Glukose-Dynamik auf die eigene Messung mit einem CGM-System.

Coaching-Reihe von Dr. Andreas Thomas:
Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) verstehen

Die kontinuierliche Glukosemessung (Englisch: continuous glucose monitoring; kurz CGM) hat das Diabetes-Management in den letzten Jahren revolutioniert. Menschen mit Diabetes haben nun die Möglichkeit, ihre Glukoseverläufe über einen längeren Zeitraum lückenlos auszuwerten und zu analysieren. Die Auswirkungen externer Einflüsse wie Ernährung, Sport und Insulingaben können damit viel besser nachvollzogen und verstanden werden.

In dieser Beitragsreihe gibt der renommierte CGM-Experte Dr. Andreas Thomas einen detaillierten Einblick in diese Technologie und wie sie richtig angewendet wird, um verschiedene Situationen richtig zu interpretieren und darauf angemessen reagieren zu können.

Alle Beiträge der Coaching-Reihe im Überblick:

Im letzten Beitrag der Coaching-Reihe „Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) verstehen“ wurde darauf eingegangen, dass Unterschiede in der Glukosekonzentration im Blut (in diesem findet die Blutglukosemessung statt) und im Gewebe (hier misst CGM) auftreten, wenn die Glukosewerte ansteigen oder abfallen. Als Erstes denkt man da immer an die Änderung der Glukosekurve während und nach einer Mahlzeit. Allerdings treten ansteigende und abfallende Glukosewerte in allen dynamischen, also sich rasch ändernden Situationen auf. Das sind neben der Mahlzeit

  • Situationen beim Sport bzw. anderer körperlicher Aktivität (man denke da auch an Hausarbeit wie Fensterputzen, Bügeln, Gartenarbeit usw.!),
  • eine hohe Insulinlast; gemeint ist damit, dass z.B. durch mehrere sich überlappende Insulinboli eine zu hohe Konzentration an Insulin im Organismus ist, was zu schnell abfallenden Werten führt,
  • die Reaktion des Organismus im Zusammenhang mit Hypoglykämien usw.

Normal: Abweichungen der CGM-Messwerte zu denen der Blutglukose

Die sich in solchen Situationen ergebenden Abweichungen der CGM-Messwerte von den Blutglukosewerten sind normal. Sie entsprechen der Verteilung der Glukose im Organismus. Die Glukosesensoren messen genau an der Stelle, an der sie sitzen, den aktuellen Glukosespiegel und dieser ist bei Anstiegen und Abfällen aufgrund der genannten Dynamik unterschiedlich. Diese Unterschiede findet man in solchen Situationen sogar im Blut selbst: Am Fuß ist es anders als am Arm, den Fingern, am Bauch usw. [1].

Auf einen einfachen, aber immer zu bedenkenden Umstand ist dabei dringend hinzuweisen: UNTERSCHIEDE ZWISCHEN BLUT- UND SENSORGLUKOSEWERTEN LASSEN SICH NUR FESTSTELLEN, WENN BEIDE WERTE AUCH GLEICHZEITIG GEMESSEN WERDEN!

UNTERSCHIEDE ZWISCHEN BLUT- UND SENSORGLUKOSEWERTEN LASSEN SICH NUR FESTSTELLEN, WENN BEIDE WERTE AUCH GLEICHZEITIG GEMESSEN WERDEN!

Weil heutzutage die meisten Glukosesensoren nicht mehr kalibriert werden müssen, wird ein CGM-Anwender meist nur dann einen punktuellen Blutglukosewert mit seinem Blutglukosemessgerät messen, wenn er sich nicht sicher ist, ob die CGM-Messung auch wirklich stimmt (z.B.: er spürt Symptome einer Unterzuckerung, sein CGM-System zeigt aber einen Wert von 120 mg/dl (6,7 mmol/l) an).

Die Mahlzeit als häufigste Form hoher Glukosedynamik und sich dabei ergebende Unterschiede

Die häufigste Form hoher Glukosedynamik ist das Essen einer Mahlzeit. Darauf war in der letzten Ausgabe der BSL (13.09.22) eingegangen worden. Die sich ergebenden Unterschiede zwischen Blut- und Gewebeglukose hängen von der Geschwindigkeit ab, mit welcher sich die Blutglukose ändert. Im CGM-Profil wird das durch die Steilheit des Anstiegs repräsentiert. Folglich hängt auch die zeitliche Verzögerung („time-lag“), mit welcher der Sensorwert den Blutglukosewert erreicht, von dieser Steilheit ab und damit

  • von der Glukosekonzentration in beiden (Blut und Gewebe),
  • von der Geschwindigkeit, mit der Kohlenhydrate aus der Nahrung in den Darm gelangen, was wiederum abhängig ist
    • vom Mageninhalt zu Beginn des Essens,
    • der Zusammensetzung der Nahrung,
    • einer ggf. vorliegenden Verdauungsschwäche (Gastroparese).

Unterschiede bei erhöhter körperlicher Aktivität/Sport

Die besagten Unterschiede treten insbesondere auch bei körperlicher Aktivität/Sport auf, denn durch die Muskelbewegung wird die Glukose schneller aufgenommen. Abb. 1 zeigt dazu das Beispiel eines Menschen mit Typ-1-Diabetes. Vor (Tag 1 bis Tag 2, um 5.00 Uhr) und nach (Tag 3) einem Radmarathon stimmten die Glukosewerte des Sensors gut mit den Blutglukosewerten überein. Anders ist das während des am Tag 2 durchgeführten Radmarathons, bei dem erhebliche Unterschiede auftraten.

Der Betreffende nimmt da mehrfach Müsliriegel zu sich und stellt bei der routinemäßigen punktuellen Glukosemessung erheblich höhere Blutglukosewerte fest als die vom CGM angezeigte Kurve. Am Ende des Tages stimmen dann die Werte in beiden Kompartimenten (Blut und Gewebe) wieder überein, so, wie vor der körperlichen Aktivität auch. Die Ursache für die Abweichungen lag nicht etwa in einer Fehlmessung des Glukosesensors, sondern war im Rahmen der Messgenauigkeit ein Resultat der bei der normalen Regulation des Organismus auftretenden Abweichungen im Blut und Gewebe.

Coaching | CGM verstehen: Auswirkung einer hohen Glukose-Dynamik auf die Messung | Abb. 1: Unterschiede in den maximalen Glukoseauslenkungen bei starker körperlicher Aktivität am 2. Tag (mittleres Bild, Einnahme von KHE früh 3.30 Uhr und 4.15 Uhr, Abdeckung mit weniger Insulin als normalerweise nötig), an Tag 1 und Tag 3 (ohne erhöhte körperliche Aktivität) sind diese Unterschiede nicht zu sehen. Der Sensor wurde in der Zeit nicht gewechselt. Die Punkte zeigen die punktuell gemessenen Blutglukosewerte an [2]. | Foto: Dr. Andreas Thomas
Abb. 1: Unterschiede in den maximalen Glukoseauslenkungen bei starker körperlicher Aktivität am 2. Tag (mittleres Bild, Einnahme von KHE früh 3.30 Uhr und 4.15 Uhr, Abdeckung mit weniger Insulin als normalerweise nötig), an Tag 1 und Tag 3 (ohne erhöhte körperliche Aktivität) sind diese Unterschiede nicht zu sehen. Der Sensor wurde in der Zeit nicht gewechselt. Die Punkte zeigen die punktuell gemessenen Blutglukosewerte an [2].

Im nächsten Beitrag in der Coaching-Reihe „Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) verstehen“ wird dann noch einmal gesondert auf die Reaktion des Organismus im Zusammenhang mit Hypoglykämien (Unterzuckerungen) und deren Auswirkungen auf den Glukosespiegel eingegangen. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich nur mithilfe von CGM zeigen lassen.


Literatur

  • [1] Dreval AV et al.: Comparison of Glycemic Variability assessed by Continuous versus discrete Glucose Monitoring. Diabetes Technology & Therapeutics 2013; 15 (Suppl.1): A60
  • [2] Thomas A, Kolassa R, von Sengbusch S, Danne T: CGM interpretieren: Grundlagen, Technologie, Charakteristik und Konsequenzen des kontinuierlichen Glukosemonitorings. Kirchheim, Mainz, 2019

von Dr. Andreas Thomas

Dr. Andreas Thomas ist Physiker und renommierter Experte für Diabetes-Technologie. Er war früher tätig an der TU Dresden und anschließend beim Unternehmen Medtronic und ist heute selbstständiger Freiberufler und Berater sowie im Beirat der DDG-Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Technologie“.

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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