Fast ein Jahr mit Pumpine – War’s das schon? Teil #6

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Fast ein Jahr mit Pumpine – War’s das schon? Teil #6

Wenn ich aktuell auf meine Pumpe angesprochen werde oder von mir aus davon erzähle bzw. schreibe, steht ein Thema immer im Vordergrund: die Ablehnung der weiteren Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Obwohl ich irgendwie damit gerechnet hatte, war der Moment, in dem ich die Entscheidung schwarz auf weiß hatte, wirklich schwer zu verdauen – und kostete mich ein paar Tränchen.

Ablehnung

Die letzten Monate mit meiner Pumpine liefen gut – ich denke, dafür, dass ich keine Bauchspeicheldrüse bin, manage ich die Insulinversorgung für meinen Körper ganz akzeptabel. Ich bin viel weniger unterzuckert – vor allem nachts – und kann inzwischen Pizza mit einem verzögerten Bolus abdecken, ohne blutzuckermäßig total abzudriften.

Mein HbA1c liegt allerdings nahezu unverändert bei 7,5 %. Für mich ist das kein großes Problem, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) nimmt dies aber als Grund, meinen Diabetes als schlecht eingestellt einzustufen, und das wiederum bedeutet für meine Krankenkasse, dass es sich nicht lohnt, mir die Insulinpumpentherapie (CSII) weiterhin zu bezahlen und verweist auf den Wechsel zurück zur intensivierten konventionellen Therapie mit Insulinpen (ICT).

Ich hatte Zweifel – aber die Pumpe hat mich überzeugt

Lange bevor ich mich dazu entschieden hatte, eine Insulinpumpe zu beantragen, hörte ich immer von allen Seiten – von Ärzten oder Betroffenen – dass kaum einer den Schritt zur Pumpe bereue und dass der Wechsel so viele Vorteile für die individuelle Diabetes-Therapie bedeute. Ich habe daran gezweifelt, weil ich, wie in den ersten Teilen meiner Pumpine-Reihe beschrieben, die Pumpe für einen Krankheitsmarker hielt. Aber ich wurde überzeugt. Und zwar nicht von den Stimmen der anderen, sondern von meiner eigenen Erfahrung.

PumpePen

Wir alle wissen, wie viele Faktoren die Blutzuckerwerte beeinflussen. Neben Essen, Bewegung, Gesundheitszustand (physisch oder psychisch) und vielen anderen Dingen ist es eben auch der Hormonhaushalt, der da mächtig mitmischt.

Nachdem ich im August letzten Jahres die Antibabypille abgesetzt habe, wurde mir das von meinem Körper noch einmal extra deutlich gemacht. Bis mein natürlicher Zyklus sich einigermaßen eingespielt hatte – und das ist noch nicht lange her – hatte ich teilweise unberechenbare Blutzuckerwerte, die ich nicht innerhalb weniger Tage in den Griff bekommen konnte. Es hat Wochen gedauert, um ein Schema zu erkennen und daraus schließen zu können, wann ich die Basalrate auf 140% setzen und wann ich sie wieder absenken sollte. Inzwischen läuft es ganz gut. Aber was soll ich machen, wenn ich wieder nach der ICT spritze und keine in dieser Form flexible Basalrate zur Verfügung habe? Ich weiß es nicht. Und es macht mir wirklich etwas Angst, plötzlich vor diesem Problem zu stehen.

Ich bin keine Bauchspeicheldrüse

Genau diesen Punkt habe ich auch in meinem eingereichten Widerspruch genannt. Neben einer weiteren Sache, die die perfekte Einstellung meines Diabetes deutlich erschwert: meine Multiple Sklerose. Ich lebe fast durchgehend mit erhöhten Entzündungswerten im Blut. Je nachdem, wie stark diese gerade schwanken, schwankt natürlich auch mein Blutzucker. Und in dem Fall kann ich nichts anderes tun als handeln, wenn es so weit ist. Ich kann dem nicht vorbeugen, ich kann nicht hellsehen, ich bin keine Bauchspeicheldrüse, ich kann nicht den Job eines ganzen Organs perfekt ausüben. Schon gar nicht, wenn ich nebenher auch noch ein bisschen leben möchte. Aber ich gebe doch mein Bestes. Schließlich geht es um nichts anderes als mich selbst, wenn es um meine Gesundheit geht.

Medizinisches Equipment oder ein Smartphone?

PumpeSmartphone

Neben den ganzen Vorteilen für die Therapie hat die Pumpe noch einen ganz anderen Aspekt für mich: Der Diabetes ist viel unsichtbarer geworden. Es ist das Gegenteil von dem, was ich früher dachte. Aber durch das Abgeben des Bolus durch den Diabetesmanager (die Fernbedienung zur Pumpe) fällt es kaum noch auf, wenn man nebenher mit dem Diabetes beschäftigt ist. Eher fällt man als unhöfliches Gegenüber auf, das nebenher an seinem Handy spielt – so modern kann Diabetes-Zubehör inzwischen aussehen. Ich kann mir in diesem Moment überhaupt nicht vorstellen, mir wieder ständig eine Pen-Nadel in den Bauch und in die Beine zu piksen. All die blauen Flecken, die ich immer hatte, vermisse ich nicht wirklich. Außerdem sind da auch immer noch meine Lipohypertrophien an meinem Bauch, die einen Großteil der möglichen Spritzstellen bedecken.

Ich bin nicht bereit für den Schritt zurück zur ICT. Ich bin nicht bereit für den Rückschritt.

Die bisherigen Teile meiner Pumpen-Beitrags-Reihe findet ihr hier: Teil #1, Teil #2, Teil #3, Teil #4, Teil #5.1, Teil #5.2

 

Screenshot5.2

Die Schwierigkeiten, die ich dort teilweise beschrieben habe, sind alle nicht mehr aktuell. Das Problem mit den nicht halten wollenden Kanülen war ja zum Glück recht schnell gelöst, aber auch die Problematik, mich beim Schlafen von der Pumpe belästigt zu fühlen, hat sich gelegt. Und der Ärger darüber, so viel mehr Insulin zu verschwenden als bei der ICT, hat sich auch gelegt. Schließlich habe ich völlig vergessen gehabt, dass ich beim Pen vor jeder einzelnen Injektion 2 E Insulin in die Luft abgegeben habe, um zu sehen, ob alles richtig funktioniert.

Warum ich mich für das Accu-Chek Insight-Insulinpumpensystem entschieden habe und wie ich heute dazu stehe, könnt ihr hier lesen.

Magst Du alle Teile der Serie lesen? Dann geht es hier weiter: 

Teil #1Teil #2Teil #3Teil #4Teil #5.1Teil #5,2, Teil #6 und Teil 7

 

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 4 Wochen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße