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Serie „Green Diabetes“: Wie kann Sicherheit und Hygiene mit Ökologie versöhnt werden?
4 Minuten

Im Gegensatz zur Sicherheit- und Hygiene-Standards steht die Ökologie bei Medizinprodukten für Diabetes bislang weder bei der Zulassung noch bei der Kostenerstattung im Fokus. Doch dies könnte sich ändern, wenn die europäische Klimaschutz-Gesetzgebung an Fahrt aufnimmt und das Vergaberecht die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits- und Klima-Aspekten verpflichtend macht.
Wenn es um Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit geht, hinken die Hersteller von Medizinprodukten anderen Branchen hinterher. Schuld daran ist nicht unbedingt mangelndes Problembewusstsein, sondern in erster Linie verbindliche Rechtsvorgaben, die der Patienten-Sicherheit – Stichwort Hygiene – allerhöchsten Stellenwert einräumen. In der neuen EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) jedenfalls spielen Umwelt- und Klimaschutz keine Rolle – wenn man einmal von der Verpflichtung zur sicheren Entsorgung gebrauchter Medizinprodukte absieht.
Recyclingmaterial gilt als signifikante Produktänderung
Nachhaltiges Produktdesign ist bis dato also nicht verpflichtend. Zudem ist es für die Hersteller von Medizinprodukten mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Wollen sie etwa für bereits zugelassene und zertifizierte Produkte aus Gründen des Klimaschutzes künftig recycelten Kunststoff nutzen, stehen sie zum einen vor dem Problem, dass Recyklatmaterialien nicht immer zuverlässig und in gleichbleibender Qualität verfügbar sind.
Darüber hinaus wird eine solche Veränderung bei der Materialauswahl auch als „signifikante Produktänderung“ eingestuft und erfordert damit eine Rezertifizierung durch die dafür zuständigen Stellen. „Das alles braucht Zeit für die Umsetzung, zudem muss auch die Rezertifizierung in den Richtlinien abgebildet werden“, erklärt Clara Mailin Allonge, Co-Leiterin Nachhaltigkeit beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), dem Branchenverband der Medizinproduktehersteller.
Alle Beiträge aus unserer Serie „Green Diabetes“
In der Diabetes-Therapie fallen viele Einwegartikel, Batterien und Umverpackungen an. Doch muss das so sein? Und wohin mit dem ganzen Diabetesmüll? In vielen Bereichen findet bereits ein Umdenken statt. In dieser Serie zur Nachhaltigkeit in der Diabetologie beleuchten wir das Thema aus verschiedenen Perspektiven: Pharma- und Hilfsmittelindustrie, Patientinnen und Patienten, Diabetespraxen, Behörden und Gesetzgeber sowie Kostenträger.
- Wohin mit dem Diabetesmüll?
- Mit Mehrweg und Recycling Diabetesmüll reduzieren
- Die Strategien der Industrie zur Nachhaltigkeit
- Wie kann Sicherheit und Hygiene mit Ökologie versöhnt werden?
Dennoch ist die Industrie gut beraten, sich bereits heute mit ökologischem Produktdesign auseinanderzusetzen. Denn der Aktionsplan der Europäischen Union, nach dem die Mitgliedstaaten ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren sollen, enthält u.a. den Entwurf für eine Ökodesign-Verordnung, welche die bisherige Ökodesign-Richtlinie ablösen soll.
Mit der neuen Verordnung könnten die bislang geltenden Ausnahmen für Medizinprodukte oder Bauteile wie medizinische Displays, externe Stromversorgungsgeräte oder Lichtquellen in Medizinprodukten entfallen. Sie müssten dann – wie Kühlschränke oder Waschmaschinen – einen digitalen Produktpass vorweisen, der Daten über den gesamten Lebenszyklus enthält. Schließlich will die EU über alle Branchen hinweg den Wandel von linearen und abfallintensiven Geschäftsprozessen hin zu einer Kreislaufwirtschaft forcieren.
Viele wollen gern schnell auf neue Systeme umsteigen
Eine Abkehr von der Wegwerfmentalität erfordert allerdings auch bei den Krankenkassen und ihren Versicherten ein Umdenken. So wäre es aus Sicht von Andreas Karch, ehemals bei einer großen gesetzlichen Krankenkasse für die Diabetesversorgung zuständig, sinnvoll, dass z.B. nach einem Systemwechsel nicht mehr benötigte Insulinpumpen an andere Patientinnen und Patienten ausgegeben und so weiterverwendet werden. Immerhin ist der Wiedereinsatz von Hilfsmitteln nach § 127 SGB V explizit vorgesehen.
Doch die Realität sieht anders aus. Tatsächlich sind Menschen mit Diabetes angesichts des rasanten technologischen Fortschritts häufig unzufrieden damit, im Zuge einer Insulinpumpen-Verordnung vier Jahre an ihr Hilfsmittel gebunden zu sein. Viele hätten gern die Möglichkeit, verschiedene Modelle zu testen und schneller auf neue Systeme umsteigen zu können. Ob sie damit einverstanden wären, eine gebrauchte Pumpe zu nutzen, ist fraglich.
Zudem wäre die Wiederverwendung gebrauchter Hilfsmittel mit enormem logistischen Aufwand verbunden. „Früher haben die Krankenkassen gebrauchte Rollatoren vorgehalten. Doch dann sind die Preise für diese Produkte stark gesunken, sodass sich Instandhaltung und Reparatur mittlerweile nicht mehr lohnen“, sagt Karch. Sie ergänzt: „Die Krankenkassen sind aber ohnehin nicht sonderlich interessiert daran, Lagerhaltung mit gebrauchten Hilfsmitteln zu betreiben, zumal am Ende doch vieles davon verschrottet werden muss.“
Auch das Vergaberecht kann mehr Nachhaltigkeit bewirken
Es gibt aber neben dem SGB V noch einen weiteren Hebel, der Krankenkassen als Kostenträger zwingen könnte, Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen: das nationale Vergaberecht, das für Kostenträger wie Krankenkassen oder staatlich geförderte Krankenhäuser bei der Vertragsvergabe gilt. Bislang ist die Berücksichtigung umweltbezogener Kriterien lediglich eine Kann-Bestimmung im Vergaberecht. Diese wird in der Regel durch das Wirtschaftlichkeitsgebot ausgestochen. Doch es gibt politische Bestrebungen, dies zu ändern und Nachhaltigkeitskriterien verpflichtend darin zu verankern.
Unterstützt wird diese Idee von Organisationen wie dem Centre for Planetary Health Policy (CPHP). Dort ist man allerdings überzeugt, dass die größten Umwelt- und Klimabelastungen nicht durch Müll, sondern in den Lieferketten von Arzneimitteln und Medizinprodukten entstehen. Zudem sieht die Berliner Denkfabrik noch viel ungenutztes Potenzial darin, Über- und Fehlversorgung durch bessere und umfassendere Prävention sowie das Vermeiden von Verschwendung zu reduzieren – Stichwort ungenutzte Arzneimittel oder auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente ohne nachweisliche Wirkung. „Die ‚Müllberge‘, die Gesundheits- und Pflegepersonal sowie Patientinnen und Patienten täglich vor Augen haben, sind natürlich viel offensichtlicher und auch ein großes Problem in Bezug auf Ressourcen und Müll, daneben sollten die weniger sichtbaren Aspekte aber nicht vernachlässigt werden“, meint Dorothea Baltruks vom CPHP.
Wo Ministerien und Regulierungsstellen ansetzen
- Das Bundesgesundheitsministerium will durch Förderung verschiedener Forschungsvorhaben zunächst wissenschaftliche Evidenz generieren, relevante Akteure vernetzen, sich austauschen und gute Praxisbeispiele bekannt machen. Ein Beispiel ist das Modellprojekt „Ressourceneffizienz, Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – Eine Bestandsaufnahme”, dessen Ergebnisse im Frühjahr 2023 vorliegen sollen.
- Der GKV-Spitzenverband verweist auf die inzwischen etablierte digitalisierte Antragstellung zur Aufnahme von Produkten in das Hilfsmittelverzeichnis. Entsprechend könnten auch Präqualifizierungsstellen verpflichtet werden, papierlose Antragstellungen zu ermöglichen. Potenzial sieht man bei den Genehmigungs- und Abrechnungsverfahren, wo insbesondere der elektronische Kostenvoranschlag für die Leistungserbringer verpflichtend sein sollte.
- Der AOK-Bundesverband begrüßt es zwar prinzipiell, durch Produktinnovationen die Anwendungsdauer von Hilfsmitteln verlängert oder Einwegmaterialien durch länger verwendbare Produkte zu ersetzen. Allerdings fehlt derzeit eine Rechtsgrundlage, die verfügbaren Therapieoptionen auf Vertragsebene durch Nachhaltigkeitsüberlegungen einzuschränken. Kriterien sind aktuell insbesondere die medizinische Notwendigkeit, die Wirtschaftlichkeit und die Erfordernisse des Einzelfalls.
- Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) konsultiert aktuell die Öffentlichkeit, um eine Anpassung des Vergaberechts vorzubereiten. Ziel ist es, die öffentliche Beschaffung nicht nur zu vereinfachen, professionalisieren, digitalisieren und beschleunigen, sondern auch die soziale, ökologische und innovative Ausrichtung zu stärken. Mehr zum Vergabetransformationspaket unter www.bmwk.de.
von Antje Thiel
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 6 Tagen
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In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?




Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück