Verschiedene Blickwinkel: Erwartungen an AID-Systeme

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Verschiedene Blickwinkel: Erwartungen an AID-Systeme | Foto: deagreez – stock.adobe.com
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Verschiedene Blickwinkel: Erwartungen an AID-Systeme

Immer mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen ein System zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-System). Allein der Begriff „automatisiert“ weckt bei vielen hohe Erwartungen an eine selbstständig arbeitende Therapie – was jedoch nur bedingt der Realität entspricht. Die Beweggründe für die Entscheidung zugunsten eines solchen Systems sind ebenso vielfältig wie die individuellen Wünsche und Ziele, die Nutzende, aber auch Diabetes-Teams mit der Nutzung verbinden.

Wir Menschen verfügen über verschiedene Persönlichkeitsmerkmale, Grundhaltungen oder Charaktereigenschaften, die unser Verhalten und damit auch unser Gesundheitsverhalten beeinflussen. Dies trifft auch auf Menschen mit Typ-1-Diabetes zu und kann sich ebenfalls im Umgang mit der Therapie und dem AID-System bemerkbar machen. AID-Systeme können – je nach individueller Ausprägung – Entlastung, Sicherheit oder Freiheit bieten, manchmal aber auch Enttäuschung, Ärger und Unverständnis. Ohne Stereotypen zu definieren und zu pauschalisieren, sollen die nachfolgenden Eigenschaften beispielhaft gewisse Beobachtungen aus dem klinischen Alltag widerspiegeln.

AID-Systeme und der Charakter

  1. Perfektionisten wollen alles hundertprozentig machen – Einschränkungen im Leben durch den Diabetes sind die Folge.
  2. Pragmatiker denken Effizienz-orientiert – AID-Systeme vereinfachen das Leben.
  3. Kontrollbedürftige misstrauen dem AID-System – nach und nach Verantwortung abzugeben, ist zu lernen.

Der Perfektionismus

Menschen mit einer ausgeprägten Tendenz zum Perfektionismus richten ihre Therapie häufig am höchsten Ziel aus – zum Beispiel 100 Prozent Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR). Um dies zu erreichen, werden große persönliche Anstrengungen unternommen: Für 100 Prozent TIR werden 1000 Prozent – wenn es denn ginge – gegeben.

Der Alltag wird stark strukturiert, Nahrungsmittelauswahl und körperliche Aktivität werden auf möglichst stabile Glukoseverläufe abgestimmt. Häufig stehen Einschränkungen im Vordergrund, etwa der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder soziale Flexibilität. Wir als Behandelnde bekommen dabei häufig den Eindruck, dass das Leben dem Diabetes untergeordnet wird. Ein AID-System kann in diesem Kontext zur Entlastung beitragen, da es durch kleine „Korrektur-Maßnahmen“ bei erhöhten und fallenden Werten für mehr Stabilität sorgt.

Die Hoffnung des Diabetes-Teams ist, dass durch das gewonnene Vertrauen in das System eine gewisse Gelassenheit entsteht. AID-Technologie bietet die Möglichkeit, Kontrolle abzugeben – ohne den Anspruch an Sicherheit oder Erreichen der Ziele aufzugeben. Dies kann dazu führen, dass Betroffene sich wieder mehr dem Leben außerhalb des Diabetes widmen.

Für diese Gruppe kann ein AID-System eine erhebliche Vereinfachung bedeuten: Es übernimmt routinemäßige Aufgaben, reagiert auf Schwankungen und erfordert nur punktuell aktive Entscheidungen, z. B. die Eingabe der Kohlenhydrate. Bei schwer einschätzbaren Kohlenhydrat-Mengen gleicht das System Schwankungen aus. Die Therapie läuft damit weitgehend automatisiert – was dem pragmatischen Lebensstil entgegenkommt.

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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