- Aus der Community
Ein Schritt zurück und zwei nach vorn
3 Minuten
„Man muss nicht alles können, man muss nur wissen, wen man um Hilfe fragen kann.“
Den Spruch hat meine Oma mir schon immer gesagt und was soll ich sagen: Sie hat Recht.
Der Ist-Zustand
Ich bin inzwischen ein Mensch geworden, der gern alles allein schaffen möchte. Hilfe annehmen? Ich? Nee, besser nicht… Klar höre ich mir hier und da mal die Meinung meiner vertrauten Personen an, aber so wirklich auf jemanden zugehen und gestehen, dass ich Hilfe brauche, fällt mir sehr schwer. Ich fühle mich dann oft schwach und unbeholfen.
Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt, klar. Wenn es um meine Diabeteseinstellung geht, gehe ich zum Arzt und zur Diabetesberaterin, auch klar. Aber wenn es um meine Psyche geht, quatsch, das schaffe ich allein.
Mal ganz im Ernst: Warum sind mir psychische Erkrankungen und vor allem deren Behandlung unangenehm? Wieso schäme ich mich eigentlich, wenn ich professionelle Hilfe für meine Psyche annehme?
Was früher war
Der Grund, warum ich diesen Beitrag schreibe und offen mit dem Thema umgehe, ist folgender: Wie vielleicht einige wissen und in einem meiner Beiträge für die Blood Sugar Lounge gelesen haben, habe ich vor ein paar Jahren an Diabulimie gelitten. Im März 2017 habe ich meine letzte Gesprächstherapie erfolgreich abgeschlossen.
Seit gut einem halben Jahr habe ich immer mal wieder das Gefühl, dass es „nicht rund“ läuft. Wisst ihr, was ich meine? Dass hier und da mal ein Steinchen auf dem Weg liegt, ist ja klar. Und gerade diese kleinen Steinchen kann ich immer ganz gut bewältigen. Aber wenn die Steinchen zu ausgewachsenen Steinen mutieren und eben nicht nur hier und da einer liegt und man rückfällig wird, dann ist Vorsicht geboten.
Ich kann von Glück sagen, dass ich gelernt habe, selbst aufmerksam und hellhörig genug zu sein, um zu merken, wenn ich vom richtigen Weg abkomme.
Wie geht man nun aber mit so einem „Rückfall“ um? Da gibt es sicher kein Rezept, kein Richtig und kein Falsch.

Mein Rückfall
Ich selbst gehe mit Problemen meistens so vor:
- Problem erkennen
- Problem aufschreiben und annehmen, dass es jetzt „da“ ist
- mit Mitmenschen darüber reden
- Lösung suchen
- Problem beheben
Und genau so bin ich auch dieses Mal vorgegangen.
Mir wurde bewusst, dass ich mich nicht mehr ausreichend um den Diabetes kümmere, dass ich immer wieder Insulindosen weglasse, das Management schleifen lasse, dass ich selbst auf der Strecke bleibe, Mahlzeiten auslasse, Essanfälle habe und dass ich viel zu wenig schlafe. Mir wurde bewusst, dass ich langsam (!!!) anfange, in den alten Strudel zu geraten, wieder die alte Fahrbahn zu nehmen anstatt der neu gebauten. Ich habe das Problem also erkannt – und das ist gar nicht so einfach! Bei mir hat es knapp zwei Monate gedauert! Es gab Tage, da habe ich es eingesehen, und es gab andere, an denen habe ich mich selbst belogen: Ist doch alles gut, ein klitzekleiner Durchhänger, das wird schon wieder, bist doch nicht blöd…
Der Lösungsweg
Als ich die Problematik aber mal aufgeschrieben habe, war das alles irgendwie realer, präsenter, einfach irgendwie mehr „da“. Ich habe dann mit meinen engsten Freunden, meiner Mama und meiner Schwester gesprochen und letztendlich habe ich, ich allein, die Entscheidung gefällt und meine damalige Therapeutin angeschrieben. Wichtig ist mir, dass ICH die Entscheidung getroffen und somit eine Lösung gefunden habe. Ja, ich habe mir Meinungen eingeholt und, ja, ich habe mit meinen Liebsten darüber gesprochen, aber wie sagt man so schön: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!
Nach dem Telefonat mit meiner damaligen Therapeutin habe ich dann durch sie Kontakt zu einer Therapeutin aufgenommen und nur vier Wochen später meinen ersten Gesprächstermin gehabt. Ein Schritt, der nicht einfach ist, natürlich. Und definitiv auch ein Schritt, den man gut überlegt gehen sollte, ja. Aber ich bin froh und stolz, dass ich die Kraft hatte, darüber nachzudenken und abzuwägen, und den Mut fassen konnte, diesen Schritt zu gehen.
Ein Schritt zurück bedeutet nicht immer gleich, versagt zu haben, oft ist es nur ein Ausholen zu einem noch größeren Sprung nach vorne.
Gastautorin Dr. Lara Gomille hat ihre Sicht zum Thema psychische Gesundheit und Diabetes für die #BSLounge aufgeschrieben: Die Psyche bei Diabetes – sprich mit anderen!
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galu postete ein Update vor 2 Tagen, 12 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus -
ps0208 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Dia-Newbies vor 4 Tagen, 6 Stunden
Hallo, ich bin 33 Jahre alt und hab letztes Jahr die Diagnose Diabetes Typ 2 bekommen. Aktuell nehme ich Metformin 1000mg 3 x täglich. Bewegung war mir schon immer wichtig und nach der Diagnose habe ich auch die Ernährung umgestellt
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lena-schmidt antwortete vor 3 Tagen, 17 Stunden
Hallo, schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast. Gibt es Themen, die dich auch sonst noch besonders interessieren? Liebe Grüße Lena
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ps0208 antwortete vor 3 Tagen, 17 Stunden
@lena-schmidt: Außerhalb von Diabetes ist es das Wandern, Fotografieren und Lesen.
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kasch postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Wochen, 1 Tag
Hey, ich habe die Omnipod 5 und zurzeit noch den Dexcom g6.
Die App läuft auf dem iPhone 12. wie kann ich das iPhone auf die Version 26.1 updaten? Automatische Updates würden ja gleich auf 26.2 gehen. Wie kann ich das manuell machen?

Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!