Gemalte ­Gefühle, die befreien

2 Minuten

Gemalte ­Gefühle, die befreien

Wie gehen Menschen mit Diabetes mit ihrer Erkrankung um? Sich mit dem eigenen Leben oder Aspekten davon kreativ und künstlerisch auseinanderzusetzen und so Probleme sichtbar zu machen, kann ein Weg sein, den Diabetes anzunehmen. Alex Adabei stellt zwei Künstler vor, die den Diabetes in ihren Werken verarbeitet haben.

Der Diabetes ist kein angenehmer Begleiter. Und er bleibt für immer – es bringt nichts, die Scheidung einzureichen oder umzuziehen. Der Diabetes bleibt untrennbar verbunden mit dem eigenen Körper, dem eigenen Geist.

Wie also gehen Menschen mit Diabetes mit ihrem ungebetenen Lebensbegleiter um? Sich mit dem eigenen Leben oder Aspekten davon kreativ und künstlerisch auseinanderzusetzen und so Probleme sichtbar zu machen, kann ein Weg sein, den Diabetes anzunehmen. Gefühle und Gedanken zu malen, kann befreien.

Mit Ausdrucksmalerei den eigenen Diabetes-Weg gefunden

Auf zwei Menschen, die ihren Diabetes-Gefühlen künstlerisch Ausdruck verleihen, bin ich beim Stöbern in einem älteren Diabetes-Journal gestoßen: Shahid Alam und Regine Fürst. Die beiden Künstler haben ihre Art, sich auszudrücken, auch für ihre Auseinandersetzung mit dem Diabetes genutzt. Aber natürlich muss man nicht professionell „Kunst machen“, um seine Gefühle in ein Bild fließen zu lassen.

Ihren eigenen Diabetes-Weg hat Regine Fürst über die Ausdrucksmalerei gefunden. Gemalt wird in einem geschützten Raum, in dem „die Bilder kommen dürfen. Und wenn sie kommen, dann kann ich mit mir selbst in einen Dialog gehen – das ist so etwas wie ein reinigender Prozess. Ich habe dadurch meinen Frieden mit dem Diabetes gefunden.“

Es geht dabei nicht darum, „schön“ zu malen. Und um Worte erst recht nicht: „Alles, was man in Worte fassen kann, ist schon ein bisschen bewältigt, eben weil man es in Worte fassen kann. Die Malerei ist anders, sie ist eine ganz archaische menschliche Sprache. Und man kann mal den Teufel an die Wand malen und Dinge rauslassen, die man so nicht sagen würde.“

Kanülen und Teststreifen zu Kunstwerken verarbeitet

Sehr viel systematischer geht Shahid Alam an seine Diabetes-Kunst heran. Er arrangiert benutzte Kanülen und Teststreifen zu geometrischen, dreidimensionalen Collagen, denen man anmerkt, welche Wertschätzung er den Hilfsmitteln entgegenbringt. Er sagt: „Da wiederholt sich etwas, was im Leben eines Diabetikers von großer Bedeutung ist: Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit, Geduld. All diese Dinge sind da, damit ich mit meinem Diabetes lebe.“

Die Porträts von Regine Fürst und Shahid Alam finden Sie auf www.diabetes-online.de/a/diabetes-kunst



von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (5) Seite 84

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Was leisten Abnehmspritzen und worauf muss bei der Therapie geachtet werden, Herr Prof. Forst?
Typ-2-Diabetes, Adipositas und Abnehmspritzen: Prof. Dr. Thomas Forst ordnet im Podcast-Gespräch ein, was die neuen Wirkstoffe medizinisch leisten, für wen die Therapie geeignet ist und worauf bei ihrer Anwendung sowie bezüglich Nebenwirkungen geachtet werden muss.
Diabetes-Anker-Podcast: Was leisten Abnehmspritzen und worauf muss bei der Therapie geachtet werden, Herr. Prof. Forst? | Foto: zVg / MedTriX

2 Minuten

Rückruf bei Omnipod-Pods: Insulet warnt vor Kanülen-Rissen und möglicher Insulin-Unterdosierung
Der Medizinprodukte-Hersteller „Insulet Corporation“ hat einen freiwilligen Sicherheitshinweis für bestimmte Chargen seiner Omnipod-Insulinpods herausgegeben. Vom Rückruf betroffen sind Pods der Systeme „Omnipod 5“, Omnipod DASH“ und „Omnipod (Eros)“. Bei diesen Produkten kann es zu Rissen an den Kanülen kommen, was eine mögliche-Unterdosierung von Insulin zur Folge haben kann.
Rückruf bei Omnipod-Pods: Insulet warnt vor Kanülen-Rissen und möglicher Insulin-Unterdosierung | Foto: bluedesign – stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände