Müde…

2 Minuten

© Christian Mentzel
Müde…

Als wäre die ganz normale Frühjahrsmüdigkeit nicht schon kräftezehrend genug, gesellt sich in diesem Jahr bei Dr. Hans Langer auch noch eine Corona-Müdigkeit hinzu. Über ein Jahr Pandemie, Maßnahmen zur Eindämmung, daraus resultierender Extra-Aufwand und Stress in der Klinik haben auch bei ihm Spuren hinterlassen.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Frühjahrsmüdigkeit in diesem Jahr eine neue Dimension hat. Denn ich bin nicht nur müde, weil sich die Jahreszeiten ändern und sich der Körper auf warme Temperaturen und Sommer umstellt: Diesmal scheint es weitere Gründe zu geben, richtig müde zu sein. Ganz sicher bin ich dieses Jahr auch Corona-müde. Jede Nachrichtensendung fängt schon im zweiten Jahr mit Corona an, es folgen die neuen Infektionszahlen. Oder die Impfraten. Oder es gibt Informationen darüber, was jetzt im Rahmen des Lockdowns wieder einmal geändert wurde.

Zermürbender Corona-Alltag

Jeden Morgen schalte ich in unserer Diabetesklinik meinen Computer ein zum Checken der E-Mails. Dabei vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens eine Mail von der Krankenhausgesellschaft dabei ist, in der die neuesten Verordnungen und die damit verbundenen Konsequenzen für die Kliniken in aller Ausführlichkeit beschrieben werden. Irgendwie zermürbt mich das. Ich habe wie viele andere Menschen einfach keine Lust mehr darauf.

Am schlimmsten finde ich die ständige Maskentragerei. Natürlich sind die FFP2-Masken der beste Schutz vor einer Infektion. Aber es nervt einfach, ständig meine Gegenüber darauf hinweisen zu müssen, dass die Maske über die Nase gehört und nicht am Kinn hängen sollte. Wenn die Maske dann korrekt getragen wird, kann ich die Hälfte des Gesichts nicht mehr sehen.

Manche Menschen können mit den Augen Emotionen ausdrücken – viele können das aber nicht, und mir fehlt dann die Rückmeldung durch die Mimik. Manche Kollegen in der Klinik habe ich schon seit Monaten nicht ohne Maske gesehen: Folgt womöglich irgendwann nach der Maskenpflicht die große Überraschung? Ich warte schon darauf, dass dann irgendjemand zu mir sagen wird: „Mein Gott, Dr. Langer, sind Sie aber alt geworden.“

Durchhalten auf der Zielgeraden!

Meiner Frau Gaby geht es in der Bank, in der sie arbeitet, auch nicht anders. Wenn früher jemand mit Maske in die Bank kam, dann waren das in der Regel Bankräuber. Heute würde ein Bankräuber zunächst gar nicht auffallen. „Bei uns sind alle irgendwie genervt“, klagte Gaby gestern Abend. „Sie sind sozusagen Masken-müde.“ „Na siehst du“, sagte ich, „da bin ich aber froh, dass ich nicht der Einzige bin, der müde ist. Hoffen wir mal, dass die Sommerwinde die Viren wegwehen und die Impfungen ihr Übriges tun.“

Und wenn tatsächlich die zahllosen Lockdowns Geschichte sein werden, dann ist sicher auch die Müdigkeit gemeinsam mit den Coronaviren verflogen. Und so lange halten wir einfach durch, ob müde oder nicht!



von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (6) Seite 84

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Diabetes und psychische Flexibilität – mit Psychologin Laura Klinker
Ein unerwarteter Wert, eine Unterzuckerung – und plötzlich ist der Frust da. Im Diabetes-Anker-Podcast erklärt Psychologin Laura Klinker, warum unterdrückte Gefühle solche Situationen oft verschärfen und wie psychische Flexibilität im Alltag mit Diabetes gelingen kann.
Porträt der lachenden Psychologin Laura Klinker vor hellblauem Hintergrund, mit langen braunen Haaren und gemustertem Pullover; oben rechts das Logo des Diabetes-Anker-Podcasts.

2 Minuten

Präventionsoffensive: Auftakt zum breiten Angriff auf chronische Krankheiten?
Noch wird um die genaue Ausgestaltung der „Zuckersteuer“ gerungen. Mit einer „Präventionsoffensive“ will das Bundesgesundheitsministerium dafür sorgen, dass diese Abgabe kein Strohfeuer im Kampf gegen Typ-2-Diabetes und andere chronische Krankheiten bleibt.
Zwei Fußballspielerinnen in schwarzen und blauen Trikots laufen auf einem grünen Rasen einem Fußball hinterher. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive symbolisiert Bewegung und Prävention.

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 16 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂