Mit dem Diabetes auf kulinarische Entdeckungstour

3 Minuten

Mit dem Diabetes auf kulinarische Entdeckungstour | Foto: privat
Foto: privat
Community-Beitrag
Mit dem Diabetes auf kulinarische Entdeckungstour

Neue Gerichte ausprobieren, auf Reisen landestypische Mahlzeiten essen, das gehört für Susanne zum Alltag mit Diabetes. Susanne erzählt in ihrem Beitrag, warum sie sich trotz Typ-1-Diabetes keine Nahrungsmittel verbietet und gerne auf kulinarische Entdeckungstour geht.

Diabetesdiagnose und was esse ich jetzt?

Die Diagnose Typ-1-Diabetes bekam ich mitten im Leben mit Ende 30. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein damals 12 Jahre alter Sohn zu mir ins Krankenhaus kam und sagte: „Na, Mama, jetzt ist wohl nix mehr mit Schokolade essen!“ Wie sehr er sich da getäuscht hatte, wurde ihm später bewusst.

Auf meinen Krankenhausaufenthalt mit Insulineinstellung folgte der erste Termin bei meiner Diabetologin. Ich war gespannt, wie der Termin ablaufen würde. Es dauerte nicht lange und von der Ärztin kam die Frage: „Essen Sie Diät – verzichten Sie komplett auf bestimmte Lebensmittel?“ Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, was ich darauf antworten sollte.

Dann antwortete ich wahrheitsgemäß: „Ich esse alles, natürlich mit der entsprechenden Berechnung der Kohlenhydrate. Eine Diät fände ich überhaupt nicht gut!“ Zu meiner Erleichterung wollte mir meine Diabetologin keine „Diabetesdiät“ verpassen. Sie wollte sich nur ein Bild davon machen, wie ich mit Mahlzeiten, Insulinberechnung und Korrekturen umgehe.

Susanne hat einen Teller mit Spaghetti Bolognese vor sich und hält das Besteck mit einigen Nudeln auf der Gabel
Heute gibt es Spaghetti Bolognese. | Foto: privat

Das Leben kann so lecker sein!

Egal ob zu Hause, im Restaurant oder der gemütlichen Essenseinladung bei Freunden: Gutes Essen zu genießen, ist einfach toll! Da bin ich froh, dass ich mir persönlich beim Essen keine Verbote setze. Essen, das ich nicht selbst zubereitet habe, kann natürlich für Blutzucker- bzw. die Glukosewerte ziemliche Überraschungen bringen.

Früher, das heißt ohne ein rtCGM-System, habe ich dann halt öfters mal den Blutzucker gemessen, um den Überblick zu behalten. Seit ich ein rtCGM-System trage, sind für mich Tendenzen und „oh da passt was nicht“ viel schneller zu erkennen. Hilfreich für mich ist, dass ich dann jeweils passend reagieren kann. Entweder mit mehr Insulin oder weiteren Kohlenhydraten. Da fallen mir direkt zwei konkrete Situationen ein – der „Bolognese-Effekt“ und das Büfett im China-Restaurant.

Kein Plädoyer für ungesundes Essen!

Mit meiner Philosophie und Grundeinstellung zum Essen bin ich weit davon entfernt, mich für ungesunde Mahlzeiten auszusprechen. Aber ich bin gegen dogmatische Verbote, die viele Menschen mit Diabetes aus dem letzten Jahrhundert allzu gut kennen. Einige Mythen, was Menschen mit Diabetes essen dürfen und was nicht, halten sich erstaunlicherweise sehr hartnäckig.

Was auf den Tisch und den Teller kommt, ist eine persönliche Entscheidung. Da darf es keine Bevormundung geben. Nur, weil ich es so mache, muss es jemand anderes nicht genauso machen. Das gilt besonders bei der Frage, wie experimentierfreudig man zum Beispiel auf Reisen mit exotischen Gerichten ist.

Auf dem Foto sind einige Schalen mit unterschiedlichen orientalischen Gerichten zu sehen.
Orientalisches Essen so vielfältig und lecker. | Foto: privat

Essen als Grundbedürfnis und kulturelles Erlebnis!

Wer kennt ihn nicht, den Spruch „Essen hält Leib und Seele zusammen“. Wir müssen essen, um überleben zu können. Essen ist zum einen ein Grundbedürfnis, aber auch ein Highlight. An Feiertagen, an Geburtstagen oder Hochzeiten wird auf gutes Essen sehr viel Wert gelegt. Da runden die Mahlzeiten und besonders festlich angerichteten Speisen die Feierlichkeiten ab. Ich bin froh, dass ich „trotz Diabetes“ da nicht „außen vor“ bin.

Auf Reisen gehört es für mich dazu, nicht nur in die Kochtöpfe anderer Kulturen zu schnuppern, sondern die landestypischen Speisen auch zu probieren. Besonders die mediterrane und orientalische Küche haben es mir angetan. Von meinen Urlaubsreisen habe ich schon viele Rezepte mit nach Hause gebracht, die ich immer wieder gerne nachkoche und genieße.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr eher Team „bewährter Speiseplan“ oder eher Team „kulinarische Experimente“?


von Susanne Thiemann

Susanne Thiemann ist Community-Autorin im Diabetes-Anker. Sie lebt seit Juli 2000 mit Diabetes Typ 1. Seit einigen Jahren engagiert sie sich aktiv in der Diabetes-Selbsthilfe (DDH-M NRW e.V.). Sie liebt Kaffee und mediterranes Essen. Im Urlaub geht es meistens ans Meer. Über den eigenen „Diabetes-Tellerrand“ zu schauen findet sie wichtig. Ihr Motto: „Etwas für Menschen mit Diabetes zu erreichen geht nur gemeinsam!“.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kolumne „Fernweh“: Reisen auf Knopfdruck
Früher war Reisen anders. Analoger. Weniger planbar. Abenteuerlicher. Aber auch besser? Wie so oft im Leben lautet die Antwort: Jein. Heutzutage läuft alles digitaler und per Knopfdruck ab, was gerade das Reisen mit Diabetes einfacher machen kann, wie Susanne in der Kolumne „Fernweh“ berichtet.
Kolumne „Fernweh“: Reisen auf Knopfdruck | Foto: DesignSells – stock.adobe.com

2 Minuten

Community-Beitrag
Rezept für Beeren-Törtchen mit Vanille-Creme
Fruchtig, leicht und diabetesgerecht: Dieses Rezept für Beeren-Törtchen mit Vanille-Creme nutzt die Beerensaison optimal. Pro Stück liefern sie nur 25 g anrechnungspflichtige Kohlenhydrate – mit frischen Himbeeren und Heidelbeeren auf knusprigem Mürbeteig.
Rezept für Beeren-Törtchen mit Vanille-Creme | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • olivers postete ein Update vor 3 Tagen, 1 Stunde

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 4 Tagen, 2 Stunden

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

    • Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
      Gruß Oliver

    • @olivers: Haben wir alles gemacht und hat dennoch nicht geholfen 🙁
      Wir haben auch spezielle Pflaster zum drauf kleben,aber die machen keine Probleme.
      Nun sollten bis mitte nächster Woche die neuen Sensoren kommen und ich hoffe es klappt dann mal ohne Probleme

      Gruß Sandra