Diabetes und Sehkraft: 3 Beispiele aus der Praxis

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Diabetes und Sehkraft: 3 Beispiele aus der Praxis

Beispiele aus der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim sollen Ihnen die Vielfältigkeit der Augenerkrankungen bei Diabetes deutlich machen – und erst recht die Behandlungsmöglichkeiten für die Erhaltung der Sehkraft der .


1. Beispiel: Fertigpen und FGM als Lösung

Die Patientin behilft sich im Alltag mit einer Handlupe, um die wichtigsten Dinge im Alltag zu bewältigen. Sie berichtet von Vorfällen mit verschiedenen Pflegediensteinrichtungen: angeblich Diebstahl, Verrücken von Gegenständen und Möbeln, sodass sich die Patientin im eigenen Haus nicht mehr so gut zurechtfand, stolperte oder sich anstieß.

Bei Aufnahme hatte sie keine professionelle Unterstützung mehr bei der täglichen BZ-Messung oder Insulininjektion. Dies war an der aktuellen Stoffwechselsituation der Patientin deutlich zu sehen. Das Verhältnis zur Tochter war zerrüttet, sodass sie aus dem familiären Bereich kaum Unterstützung erhielt.

Sie nutzt für die Diabetestherapie ein Diktiergerät, auf das ihr Spritzschema gesprochen wurde. Dies ermöglicht es ihr, ihre jeweilige Insulindosis zu ermitteln, sofern sie es geschafft hat, eine BZ-Messung durchzuführen. Ziel des Klinikaufenthalts war neben der Korrektureinstellung die Förderung der eigenständigen und sicheren Therapieführung.

Frau M. erhielt im Rahmen des stationären Aufenthalts eine intensive Schulung in spezifischen Kleingruppen. In diversen Einzelgesprächsterminen wurde mit ihr das sichere Handling der Insulin­injektion mittels Fertigpens geübt und trainiert. Durch die Umstellung auf Fertigpens entfiel das Wiederbefüllen der Pens, das bisher der Pflegedienst für sie übernommen hatte. Auch durch die lauteren Klickgeräusche bei der Einstellung der Dosis konnte Frau M, ohne Lupe die Dosis eigenständig und sicher durch Mitzählen einstellen.

Zur BZ-Messung wurden Frau M. verschiedene Messgeräte mit Sprachausgabe vorgestellt. Leider konnte Sie aufgrund der Visuseinschränkung den Blutstropfen nicht sicher auf diese Teststreifen auftragen. Selbst nach 4 Tagen regelmäßigen Übens und Trainierens konnte sie ohne die (für sie sehr umständliche Hilfe der) Handlupe den Blutstropfen nicht sicher auftragen.

Man entschied sich dazu, ihr ein Flash-Glukose-System (FreeStyle Libre 2 von Abbott) vorzustellen, das mit Hilfe eines Smartphones mit Sprachausgabe die Glukosewerte vorlesen könnte. Die grafische Darstellung auf dem zugehörigen Lesegerät war für Frau M. zu dunkel, um die Werte trotz Lupe erkennen zu können. Da Frau M. kein Smartphone besitzt, erklärte sich ihre Tochter bereit, ihrer Mutter ein entsprechendes Gerät zu kaufen, es ihr zu erklären sowie die Installation der App zu Hause vorzunehmen.


2. Beispiel: Alarme bei zu hohen und tiefen Werten sind ideal

  • männlicher Patient (Herr H.)
  • 66 Jahre alt
  • Diabetesdauer: 22 Jahre
  • Typ-2-Diabetes
  • HbA1c: 9,2 %
  • Therapieform: orale Therapie (Metformin, Novonorm, Trulicity)
  • massive Visuseinschränkung aufgrund diabetischer Retinopathie und Pigmentosa glaucom (Grüner Star)

Herr H. wurde stationär aufgenommen zur Therapieoptimierung, eventuell Einleitung einer mit Basalinsulin unterstützten oralen Therapie (BOT) oder auch intensivierten Insulintherapie (ICT). Die ambulant durchgeführten oralen Thera­piemaßnahmen waren erschöpft. Durch die starke Seheinschränkung des Patienten war nicht gewährleistet, ob die womöglich nötige Einführung von Insulin ambulant etabliert werden kann.

Herrn H. wurden zu Beginn verschiedene BZ-Messsysteme mit Sprachausgabe vorgestellt, da eine eigenständige BZ-Messung bei Einleitung einer ICT unabdingbar ist. Bisweilen hatte der Patient keine BZ-Messung zu Hause durchgeführt. Auch nach vier Tagen regelmäßigen Trainierens mit verschiedenen Geräten gelang es dem Patienten nicht sicher, eine BZ-Messung eigenständig durchzuführen. Hauptproblem war das sichere Auftragen des Bluttropfens auf den Teststreifen.

Eine ICT-Therapie konnte für den Patienten glücklicherweise ausgeschlossen werden, die Einleitung einer BOT wurde jedoch als nötig angesehen. Da auch bei dieser Therapieführung in regelmäßigen Abständen eine BZ-Messung vonnöten sein wird, wurde überlegt, den Patienten mittels eines Flash-Glukose-Systems (FGM) zu versorgen. Die Zahlen auf dem Lesegerät konnte er mit Hilfe einer Lupe halbwegs erkennen. Durch die Alarmfunktion bei Über- oder Unterschreitung der Grenzwerte hatte der Patient eine für ihn ideale Unterstützung.

Da die Krankenkassen die Versorgung mittels FGM nur bei der Durchführung einer ICT-Therapie übernehmen, wurde in diesem Fall eine Einzelfallentscheidung bei der Krankenkasse eingereicht. Nach einigen Telefonaten und einer ausführlichen ärztlichen Darstellung des Falls konnte für Herrn H. eine Versorgung für 12 Monate erwirkt werden. Für Anlegen/Wechseln des FGM erhält der Patient in den ersten Wochen Unterstützung durch seine Diabetes-Schwerpunktpraxis, bis er in der Handhabung soweit geübt ist, um dies eigenständig durchführen zu können.

Um die Therapieführung im Alltag noch leichter zu gestalten, wollte Herr H. nach dem Klinikaufenthalt ein neues Smartphone erwerben, mit dessen Hilfe er über die Sprachausgabe die Gewebezuckerwerte erfragen kann.


3. Beispiel: Fertigpen, Sprachausgabe, Pumpe

  • männlicher Patient (Herr R.)
  • 67 Jahre alt
  • Typ-1-Diabetes (LADA)
  • Diabetesdauer: 38 Jahre
  • HbA1c: 8,3 %
  • Therapieform: ICT (Lantus, Humalog)
  • starke Visusminderung (Patient erkennt Umrisse/Hell-dunkel-Sehen) auf dem rechten Auge, Erblindung bei Choriorentinitis linkes Auge

Herr R. stellte sich im Jahr 2016 erstmals in der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim vor. Er führte bei Aufnahme eine intensivierte Insulintherapie mit Lantus und Humalog durch mittels deren zugehörigen wiederbefüllbaren Insulinpens.

Die Insulininjektionen und die Blutzuckermessung führte er selbstständig durch. Allerdings fällt ihm dies mit zunehmender Verschlechterung der Restsehkraft im rechten Auge immer schwerer. In der Regel nimmt er eine Lupe zur Hand, um die Messwerte in seinem BZ-Messgerät abzulesen sowie die Einheiten im Pen einzustellen. Zuhause erhielt er Unterstützung von seiner Ehefreu beim Befüllen der Pens/z. T. beim Nadelwechsel.

Um Herrn R. die Messung für den Alltag zu erleichtern, stellte man ihm verschiedene Blutzuckermessgeräte mit Sprachfunktion bzw. -ausgabe vor. Herrn R. war bis dato nicht bekannt, dass es Geräte mit Sprachausgabe auf dem Markt gibt. Ihm wurden vier Geräte zur Auswahl vorgestellt: Beurer medical GL 34, Wellion CALLA Dialog, Gluco Talk, Monometer Voice (letzteres ist aktuell nicht mehr im Handel erhältlich).
Herr R. entschied sich für das Blutzuckermessgerät Monometer Voice. Aufgrund der jahrelangen Erfahrung in der kapillaren Blutzuckermessung fiel es ihm nicht schwer, die BZ-Messung selbstständig durchzuführen.

Vor allem der heikle Punkt bei der Selbstmessung – den Blutstropfen auf den Teststreifen aufzutragen –, klappte nach bereits wenigen Übungen hervorragend und ohne Lupe. Mit Hilfe der Sprachausgabe konnte er seine kapillaren Blutzuckerwerte nun einfach ermitteln.

Um seine Selbstständigkeit in der Therapieführung weiter zu gewährleisten, stellte man ihm auch Fertigpens vor. Somit war er nicht mehr abhängig von der Hilfe seiner Ehefrau beim Befüllen der Pens. Weiterer Vorteil für ihn: Die Dosiseinstellung ist bei diesen Fertigpens deutlich lauter wahrzunehmen. Somit konnte er ohne Lupe alleine durch das Mitzählen der „Klickgeräusche“ pro Einheit seine Insulindosis selbst einstellen.

Die Insulininjektion konnte er selbstständig durchführen. Auch die Berechnung der Korrektur- und Bolusinsulinmenge war für Herrn R. keine Schwierigkeit, sofern er erkannte, wie viele Kohlenhydrate er verzehrte.

Im Jahr 2018 kam Herr R. ein weiteres Mal in die Diabetes-Klinik Bad Mergentheim zur Korrektur­einstellung aufgrund seiner aktuell instabilen Stoffwechsellage. Der einweisende Diabetologe erteilte zudem den Behandlungsauftrag zu klären, ob Herr R. in der Lage wäre, ein Insulinpumpe sicher zu bedienen.

Herr R. erhielt eine Pumpeninformation sowie eine Vorstellung der aktuellen Pumpenmodelle. Auch unter der möglichen Insulinpumpentherapie („CSII-Therapie“) sollte die selbstständige Therapiedurchführung weitestgehend erhalten bleiben, also wollte er eine Insulinpumpe mit vorgefüllten Insulinampullen. Herr R. entschied sich für das Pumpenmodell Accu Check Insight. Dieses Modell ließ sich durch seine markanten und gut ertastbaren Knöpfe sehr gut bedienen.

Während des Aufenthalts übte Herr R. täglich an einer Demopumpe (die nicht mit Insulin befüllt war) deren Bedienung sowie den Ampullenwechsel, das Schlauchfüllen sowie das Kathetersetzen anhand eines Spritzkissens. Aufgrund dieses Probetragens konnte erkannt werden, dass Herr R. durchaus nahezu selbstständig in der Lage war, das tägliche Handling einer CSII-Therapie zu meistern. Nur bei der Änderung der Basalinsulindosis benötigt der Patient Unterstützung durch seine Ehefrau oder seine Diabetesberaterin.

Daraufhin wurde die Pumpentherapie vom ambulant behandelnden Diabetologen beantragt und von Seiten der Krankenkasse sehr zügig genehmigt. Bereits zwei Monate später kam Herr R. zur Pumpenneueinstellung in die Diabetes-Klinik Bad Mergentheim.

Hier wurde er zusammen mit seiner Frau in einem 14-tägigen Aufenthalt nochmals intensiv in Pumpentechnik und -handhabung geschult und durchlief zudem ein CSII-spezifisches Schulungsprogramm. Herr R. konnte mit stabiler Stoffwechsellage entlassen werden und war selbst in der Lage, Mahlzeiten- und Korrekturinsulin abzugeben sowie das Katheter- und Ampullensystem zu wechseln.

Schwerpunkt „Auf die Augen aufpassen“

von Corinna Lorenz und Simone Pschiebl

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (3) Seite 24-27

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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