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Sehbehinderungen bei Diabetes: Hilfen, Helfer, Absprachen
3 Minuten

Glukosemessung, Insulindosis wählen, Kohlenhydrate abschätzen etc.: Allein schon der Diabetes sorgt für Probleme, wenn man nicht mehr oder nicht mehr gut sehen kann. Im folgenden Artikel sagt unsere Autorin, in welche Kategorien man Sehbehinderungen eingruppiert und über welches Diabetes-Wissen Einrichtungen für Sehbehinderte idealerweise verfügen sollten.
Mehrfache tägliche Glukose- oder Blutzuckerkontrollen, die Anpassung der Insulinmenge je nach gemessenen Ausgangswert und Aktivität, Abschätzen der aufgenommenen Kohlenhydrate…: allein der Diabetes erfordert im Alltag Tätigkeiten, für die es sehr förderlich ist, sehen zu können. Die meisten Menschen setzen dies als absolute Selbstverständlichkeit voraus, was sonst? Was aber, wenn Betroffene nicht mehr richtig oder gar nicht mehr sehen können?
1,2 Mio. Menschen in Deutschland sind sehbehindert oder blind
Blinde und Sehbehinderte werden in Deutschland laut DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.) nicht gezählt. Die Zahl der blinden bzw. sehbehinderten Menschen in Deutschland lässt sich mutmaßen auf rund 1,2 Millionen – die Zahl ergibt sich aufgrund Daten anderer Länder wie Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien oder den Niederlanden sowie nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), deren veröffentlichte Daten aus dem Jahr 2004 stammen.
Ab wann gilt man als blind bzw. sehbehindert?
Hierfür liegt eine Definition vor, welche sich in drei verschiede Kategorien gruppieren lässt:
- Sehbehindert bedeutet, dass das bessere Auge trotz einer Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 Prozent im Vergleich zu Menschen mit normaler Sehkraft erfassen kann.
- Bei einer hochgradigen Sehbehinderung ist die Einschränkung auf < 5 Prozent Sehkraft herabgesetzt. Als blind gelten Menschen mit einem Sehvermögen unter 2 Prozent.
- Eine Seheinschränkung oder Blindheit kann erworben sein (durch Diabetes, hohes Lebensalter, Unfall) oder erbliche Ursachen haben. Das bedeutet, dass nicht bei jedem Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung und Diabetes der Diabetes auch die tatsächliche Ursache dafür darstellt. Völlig unabhängig von der Ursache ist die Komplexität des täglichen Lebens mit Diabetes ohne Augenlicht: Es beginnt bei der Blutzuckerselbstkontrolle, geht über das Abschätzen der Kohlenhydrate in Lebensmitteln, bis hin zur Insulininjektion. Für all diese Routinearbeiten ist Augenlicht gefragt.
2000 Neuerblindungen jährlich sind Folgen des Diabetes
Laut der Gutenberg-Gesundheitsstudie (Gutenberg Health Study – GHS) haben 1,53 Prozent der Gesamtbevölkerung eine „diabetische Retinopathie“, sprich diabetesbedingte Netzhauterkrankung. Die nationale Versorgungsleitlinie zur Prävention und Therapie der Netzhautkomplikationen bei Diabetes (2. Auflage, 2015, Version 2) zeigt eine Erkrankungsrate der diabetischen Retinopathie beim Typ-2-Diabetes zwischen 9 – 16 Prozent, beim Typ-1-Diabetes von 24 bis 27 Prozent.
Wichtig: hörbare Hilfsmittel!
Für stark sehbehinderte oder blinde Menschen mit Diabetes gibt es glücklicherweise technische Hilfsmittel, die unterstützend wirken sollen: Lebensmittelwaagen, die sprechen können; Insulinpens, welche je eingestellte Einheit hörbar „klicken“; oder auch Insulinpumpen mit „Easybolus/Quickbolus“, bei denen pro Knopfdruck eine definierte Schrittgröße zum Programmieren der Insulindosis hinterlegt ist sowie mit vorgefüllten Insulinpatronen, die den Insulinwechsel vereinfachen.
Auch kontinuierliche Glukosemesssysteme, welche den Wert per Sprachausgabe über das Handy ansagen, sind eine immense Erleichterung. Die Alarmierung bei sehr niedrigen oder erhöhten Glukosewerten ist ideal und erleichtert die Therapie beträchtlich. Dies gilt sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Angehörigen oder Betreuer.
Menschen mit Sehbehinderung fördern
Es gibt spezielle Einrichtungen, die sich auf die Förderung sehbehinderter und blinder Menschen spezialisiert haben. Dazu zählen Blindeninstitutsstiftungen sowie spezielle Berufsförderungswerke z. B. in Halle, Düren, Frankfurt am Main, Mainz und in Würzburg (Adressen finden Sie hier). Hier ist der Diabetes mellitus die Herausforderung.
Im November durfte ich bei einem Besuch in einer Blindeninstitutsstiftung erleben, was die Betreuer/Lehrer besonders bewegt und mit welchen Konfrontationen sie sich immer wieder auseinandersetzen müssen. Für die Lehrer und Betreuer ist es von besonderer Bedeutung, alle ihre Schüler fair zu behandeln. Ganz gleich welche weiteren Erkrankungen noch zusätzlich bestehen.
Risikofaktoren für Augenprobleme
- die Diabetesdauer
- ein schlecht eingestellter Diabetes
- arterielle Hypertonie
- Nephropathie
- hormonelle Umstellung (Schwangerschaft, Pubertät)
- Rauchen (bei Typ-1-Diabetes) sowie männliches Geschlecht
Weiterhin möchten sie unterstützend mitwirken, um beim Abschätzen/Wiegen der Kohlenhydrateinheiten oder in Notsituationen bei Seite zu stehen. Dafür bedarf es entsprechenden Hintergrundwissens, sodass eine Diabetesschulung für die Betreuer ratsam ist. Der Einfluss der Glukosewerte auf die Leistungsfähigkeit war eines der Hautthemen. Nur so können Wissen sowie spezielle Verhaltensweisen der Schüler, die glukoseabhängig sein können, loyal beurteilt werden.
Im Zeitalter technischer Medizinprodukte sollten Informationen darüber auch an die jeweiligen Betreuer weitergegeben werden. Denn wenn Glukosewerte fehlinterpretiert werden, so kann es durchaus vorkommen, dass es zu einer therapeutischen Fehlentscheidung kommt – und z. B. bei einer Unterzuckerung so lange gegessen wird, bis der Wert auf dem Empfängergerät des Glukosesensors normnah ist oder voreilige Korrekturen des Glukosewertes durchgeführt werden.
Pädagogischer Tag mit „Diabetes“
Da sich der Diabetes sehr individuell gestaltet und auch jeder Mensch mit einer Sehbehinderung unterschiedlich stark eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen ist, sind allgemeine Empfehlungen schwierig. Individuelle Absprachen mit dem Diabetesteam, der Familie und natürlich mit dem Betroffenen selbst sind das A und O, um Konflikten aus dem Weg zu gehen und beste Erfolge zu erzielen.Hierfür muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass Betreuer Fragen stellen können – ebenso ist deren Bereitschaft gefragt.
Im Blindeninstitutsstift in Würzburg wurde der Materie „Diabetes“ bei einem pädagogischen Tag Raum gegeben (Workshop). In Anbetracht, dass der Diabetes nur einer von durchaus sehr vielen Begleiterkrankungen der Bewohner/Schüler ist, konnten sich die Lehrer/Betreuer ihren eignen Schwerpunkt setzen. Der Workshop war auf drei Stunden angesetzt. Die Teilnehmer zeigten großes Interesse und Engagement. Genau das spielgelt auch den großen Bedarf wider.
Schwerpunkt: „Auf die Augen aufpassen“
- Sehbehinderungen bei Diabetes: Hilfen, Helfer, Absprachen
- Hilfsmittel,Tipps, Apps bei Sehbehinderung
- Diabetes und Sehkraft: 3 Beispiele aus der Praxis
von Juliane Ehrmann
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (3) Seite 18-19
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kety22 postete ein Update vor 6 Tagen, 7 Stunden
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 2 Tagen, 4 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 5 Tagen
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In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



