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Gute Reise! Wie Sie den Blutzucker auch im Urlaub im Griff behalten
4 Minuten
Stand Sommer 2020 können wir wieder reisen, über die deutschen Landesgrenzen hinaus. Wer nun noch folgende Urlaubs-Tipps und Hinweise berücksichtigt, der steht vor einem erholsamen und unbeschwerten Urlaub. Dr. Gerhard-W. Schmeisl erklärt, worauf zu achten ist.
Stand Juli reisen wir wieder über die bundesdeutschen Grenzen hinaus. Für Menschen mit Diabetes gibt es über das Corona-Virus hinaus einiges zu beachten, was im Einzelfall sogar gefährlich werden könnte. Nicht mehr zu beachten braucht man bei Flugreisen in der Regel die Temperaturen im Frachtraum, da sie heute meist im positiven Bereich liegen. Aber: Wenn das gesamte Insulin für 3 Wochen im Koffer und dieser bei der Ankunft in der Ferne nicht mehr aufzufinden ist, dann spielt dies schon eine Rolle!
Das Fallbeispiel
Johanna M. ist zum ersten Mal so weit weg von zu Hause – die Reise nach Südspanien war ihr von ihrer Tochter zum 70. Geburtstag geschenkt worden. Seit einigen Tagen klagt sie über Brennen beim Wasserlassen – und therapiert dies mit „Blasen- und Nierentee“, da sie den Hausarzt nicht belästigen will.
Jetzt aber, als sie literweise Wasser lassen muss und gleichzeitig ca. 5 Liter Tee am Tag trinkt, ist sie mit ihrer Tochter am Urlaubsort doch in die Klinik gefahren. Dort testet man bei einer Untersuchung auch den Blutzucker (sie hat seit 10 Jahren Typ-2-Diabetes) und stellt einen Wert von 600 mg/dl (33,3 mmol/l) fest, ein „hyperosmolares Koma“ droht. Sie hatte ihren Blutzucker selten getestet – auch gar nicht an einen so hohen Wert gedacht. Jetzt muss sie leider einige Tage in der Klinik bleiben – schöner Urlaub …!
Große Hitze kann zum Problem werden
Wer Diabetes hat, der campt, surft und treckt, geht Bergwandern, Fallschirmfliegen oder Tauchen wie jeder andere auch. Aber sie alle müssen auch dazu geschult sein, bei −30 °C ihren Blutzucker zu testen, eine Hypoglykämie auch im Gebirge oder in der Wüste bei +40 °C zu erkennen und richtig zu behandeln.
Vor allem lang anhaltende Hitze kann Menschen und Insulinpens, Messgeräten, Teststreifen, Insulin so zusetzen, dass sie mehr damit beschäftigt sind, als Ihren Urlaub zu genießen. Deshalb bedenken Sie bei der Urlaubsplanung grob einige wichtige Dinge, die Ihren Urlaub auch in extremen Situationen zu einem positiven Erlebnis machen, wenn sie beherrscht werden.
Vor jedem geplanten Urlaub sollte man sich fragen:
- Kann der Urlaub meine Stoffwechseleinstellung verbessern oder eventuell verschlechtern? Und bin ich darauf ausreichend vorbereitet? (Schulung? Auffrischung?)
- Ist mein Diabetes selbst eine potenzielle Gefahr für mich während der geplanten sportlichen Aktivität oder der gesamten Reise?
Maßnahmen bei extremer Hitze
- Setzen Sie sich möglichst nie länger direkter Sonneneinstrahlung aus. Schützen Sie sich und Ihre Haut durch Bedeckungen und Schatten (Hut, Sonnenschirm etc.).
- Auch im Wasser sollten bei entsprechend starker Strahlung Sonnenschutzmaßnahmen getroffen werden (UV-Badekleidung, T-Shirt, Kappe).
- Hitze/Sonnenbäder verstärken in der Regel die Insulinwirkung (Gefäßerweiterung → schnelleres Anfluten des Insulins mit Unterzuckerungs-Gefahr!).
- Durch die Erweiterung der Blutgefäße der Haut kann es vor allem unter Flüssigkeitsmangel zu Blutdruckabfall und Kollaps kommen. Deshalb: regelmäßig trinken – vor allem bei starkem Schwitzen!
- Tragen Sie luftdurchlässige Kleidung, die Schwitzen erlaubt, außerdem offene Schuhe etc.
- Berücksichtigen Sie bei Klimaanlagen/Ventilatoren die Gefahr einer Erkältung durch direkte, zu starke Einwirkung.
- Nehmen Sie ein kühlendes Bad, wenn möglich.
- Testen Sie regelmäßig, alle 2 bis 3 Stunden, den Blutzucker, ggf. auch den Blutdruck.
- Insulin und ggf. auch die Teststreifen sollten in einem Thermo-Täschchen vor Hitze geschützt werden.
Effekte und Risiken korrekt einschätzen
So kann es bei nicht stabiler Stoffwechseleinstellung und unbekannten Nahrungsmitteln, deren Kohlenhydratgehalt oder Blutzuckerwirksamkeit man nicht abschätzen kann, zu extremen Blutzuckerentgleisungen kommen. Soll z. B. ein Kletterer (mit Diabetes) seinen Mit-Kletterer am Berg sichern, so muss sich jeder darauf verlassen können, dass dieser seinen Diabetes sicher im Griff hat!
Nach aktuellen sportmedizinischen Empfehlungen und Einschätzungen verbessern Ausdauer- sowie mäßiger Schnell-Kraft-Sport die Insulinempfindlichkeit des Betroffenen. Gut also, wer sich auch im Urlaub solchermaßen betätigt: Sport als Teil der Diabetes-Therapie!
Grundsätzlich ist jeder Mensch mit Diabetes so aktiv wie andere auch, was bei relativ stabilen Werten natürlich einfacher ist. Außerdem sollten keine Risiken wie Folge- und Begleiterkrankungen vorliegen, die sich durch die Aktivitäten verschlechtern können. Bestehen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Netzhautschäden oder Durchblutungsstörungen des Herzens, müssen diese natürlich beachtet werden!
Vorschlag für den Inhalt einer Diabetiker-Reiseapotheke
Dokumente
- Blut-/Gewebezucker-Aufzeichnungen
- Gesundheits-Pass Diabetes
- Diabetikerausweis in mehreren Sprachen
- ärztliche Bescheinigung (auch in Englisch) über Medikamente und Hilfsmittel, ggf. über Insulinpumpe, Katheter, Pens, Insulin etc.
- Utensilien zur Selbstkontrolle
- Stechhilfe mit ausreichend Lanzetten
- Testgerät (inkl. Ersatzbatterien)
- Teststreifen in ausreichender Menge
- ggf. Sensoren zum kontinuierlichen Glukosemonitoring (CGM)
Medikamente
- Insulin(e), Medikamentenpens und/oder Tabletten
- Insulinpens, -pumpe, passende Kanülen bzw. Katheter, Ampullen in ausreichender Menge
- für Wunden: Desinfektionsspray, Pflaster, steriles Verbandmaterial; für Verstauchungen etc.: elastische Binde, 10 cm breit
- gegen Durchfälle und Reisediarrhö: für den Blutsalzersatz z. B. Elotrans (Elektrolyte), Kohlekompretten, Imodium, evtl. Antibiotikum (Breitbandantibiotikum) – vom Hausarzt besorgen / evtl. Rezept gegen Fieber und Schmerzen: z. B. Paracetamol, Ibuprofen
- bei bekannter Herzerkrankung: regelmäßig einzunehmende Medikamente und Notfallmedikamente (z. B. Nitro-Spray etc.)
- Medikamente, die regelmäßig genommen werden müssen, in ausreichender Menge
Unterzuckerungs-Notfall-Set
- Glukagon-Notfall-Set (insulinspritzende Diabetiker): GlucaGen Hypokit (Spritze) oder Baqsimi (Glukagon-Nasenpulver)
- Traubenzucker
- langanhaltende Kohlenhydrate (Kekse, Riegel etc.)
weitere Ausrüstung
Mineralwasser, Thermosflasche, Thermo-Tasche für Insulin, Pen, Mundschutz, Handdesinfektionsmittel etc.
Wenn doch einmal eine Reise abgebrochen, man gar aus medizinischem Grund heimtransportiert werden muss, ist es besser, je besser der Erkrankungsverlauf dokumentiert ist! Angaben zu HbA1c, Augenhintergrund und Blutdruck im „Gesundheits-Pass Diabetes“ wären für diesen Fall grundlegend, ebenso dokumentierte Blutzucker-/Gewebezuckerwerte in modernen Messgeräten.
Hilfreich sind auch ärztliche Unterlagen wie Krankenhaus-Entlassbriefe, am besten sogar übersetzt ins Englische. Und neben den Namen Ihrer Medikamente sollten Sie sich auch deren Inhaltsstoffe notieren.
Die Medikamente sollten mindestens in doppelter Menge als benötigt mitgenommen und am besten auf mehrere Gepäckstücke verteilt werden. Ausweise/Bescheinigungen über den Diabetes (Insulintherapie, Insulinpumpentherapie etc.) sollten in mehreren Sprachen vorhanden sein:
Gute Blutzuckereinstellung trotz eines Infektes
Sollte ich blutzuckersenkende Tabletten weiternehmen oder absetzen? Die Insulindosis steigern oder verringern? Jeder Infekt, jede Erkältung mit Fieber oder auch eine Durchfallerkrankung sind Stress für den Körper. Unser Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Fieber treibt die Zuckerwerte im Blut hoch – bei Durchfall und Erbrechen kann es zu einem Blutzuckerabfall kommen. Bei einem schweren Infekt muss das Insulin angepasst werden, in der Regel erhöht, bei Erbrechen und Durchfall möglicherweise reduziert.
Typ-2-Diabetiker mit Tablettentherapie brauchen bei einem Infekt oft auch Insulin – manchmal nur vorübergehend. Aber bei Erbrechen und Durchfall kann es nötig sein, Tabletten abzusetzen oder die Menge zu reduzieren, denn wenn keine Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Obst etc.) aufgenommen werden, droht eine Unterzuckerung (Hypoglykämie).
Um möglichst Magen-Darm-Infekte zu verhindern, gelten für die Lebensmittelhygiene besondere Vorsichtsmaßnahmen:
- Wenn Sie ganz sichergehen wollen, essen Sie kein ungekochtes, rohes oder ungeschältes Gemüse oder Obst („cook it, boil it, peel it or forget it“)! Auch durch Gefrieren werden die meisten Erreger nicht abgetötet!
- Sie sollten auf Getränke mit Eiswürfeln verzichten, da das Eis in der Regel aus Leitungswasser zubereitet wurde, das vorher meist nicht abgekocht wurde.
- Wasser sollte nur aus originalverschlossenen Flaschen oder Dosen getrunken werden.
- Zu Ihrer Sicherheit sollten Sie auch Hände- und Toilettendesinfektionsmittel mitführen.
Bei Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall können entsprechende Elektrolytlösungen oder auch Medikamente wie Imodium oder Kohlekompretten nützlich sein. Eine medikamentöse Prophylaxe kann manchmal bei Kurzreisen (z. B. beruflich) sinnvoll sein. Ein risikoreicher Verlauf ist möglich besonders bei immungeschwächten Menschen (z. B. HIV), aber auch bei Menschen mit schweren Begleiterkrankungen (wie chronisch-entzündlicher Darmerkrankung), bei Senioren und Kindern.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (8) Seite 34-36
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 2 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 4 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 2 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
