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Hypoglykämien verhindern: Tipps gegen Unterzuckerungen bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes
4 Minuten
Unterzuckerungen (Hypoglykämien) ganz zu verhindern, ist bei Typ-1-Diabetes kaum möglich. Bei Typ-2-Diabetes sieht es anders aus: Eine Änderung des Lebensstils birgt kein Unterzuckerungsrisiko. Sind Medikamente nötig, sollten möglichst solche ausgewählt werden, die keine Unterzuckerung hervorrufen können. Ein Überblick über die verschiedenen Medikamente und Tipps sowohl für Menschen mit Typ-1- als auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes können helfen, zu tiefe Blutzuckerwerte zu verhindern.
Diese „Regel“ klingt so simpel und ist doch so schwierig umzusetzen: Hypoglykämien (Unterzuckerungen) sind nicht immer harmlos und sollten daher tunlichst verhindert werden. Doch die Frage ist: Wie? Menschen mit Typ-1-Diabetes haben als einzige Therapieoption die Insulintherapie – entweder als intensivierte Insulintherapie mit mehrfachen Injektionen pro Tag oder aber in Form der Insulinpumpentherapie.
Insulin ist also bei Typ-1-Diabetes immer die Basis der Selbstbehandlung. Ist im Vergleich zum Bedarf zu viel Insulin im Körper vorhanden, entstehen Hypoglykämien. Da neben dem Insulin viele andere Faktoren den Blutzucker beeinflussen, sind bei Typ-1-Diabetes Hypoglykämien nicht immer zu verhindern.
Typ-2-Diabetes: Therapieoptionen ohne Hypo-Risiko
Anders sieht es beim Typ-2-Diabetes aus. Hier gibt es ein breites Spektrum an Therapien. Von Lebensstilveränderungen über Medikamente in Tablettenform bis hin zu Medikamenten, die injiziert werden müssen, oder eben auch Insulin reicht die Palette. Daher ist es bereits bei der Planung der Behandlung wichtig, eine Therapie auszuwählen, die keine Unterzuckerungen hervorrufen kann.
Dies ist natürlich in erster Linie bei der Optimierung des Lebensstils unter Verzicht auf Medikamente der Fall. Menschen mit Typ-2-Diabetes laufen ohne Medikamente auch keine Gefahr, eine Hypoglykämie zu erleiden. Es sollten also alle Möglichkeiten genutzt werden, um zu Beginn eines Typ-2-Diabetes mit einer Veränderung des Lebensstils das angestrebte Therapieziel zu erreichen. Dies funktioniert allerdings meist nur, wenn der Typ-2-Diabetes frühzeitig entdeckt wird und es noch zu keiner schwerwiegenden Entgleisung des Blutzuckers gekommen ist.
Metformin – sicher und effektiv
Werden Medikamente benötigt, ist Metformin die Basis einer jegliche Tablettentherapie bei Typ-2-Diabetes, sofern es gut vertragen wird. Metformin hemmt in der Leber die Zuckerneubildung und führt nur in sehr seltenen Fällen zu Unterzuckerungen. Damit ist es das Medikament erster Wahl. Reicht die Medikation mit Metformin allein nicht aus, kann man das Medikament sehr gut mit anderen Tabletten kombinieren. Hier bieten sich die DPP-Hemmer an, oder aber auch die SGLT-2-Hemmer.
Die DPP-4-Hemmer verstärken ein körpereigenes Hormon, das den Blutzucker reguliert. Die SGLT-2-Hemmer führen zur Zuckerausscheidung über den Urin und senken so auf sichere Weise den Blutzucker. SGLT-2-Hemmer können neben Metformin auch mit DPP-4-Hemmern kombiniert werden. Diese drei Substanzen gelten allein oder in Kombination als günstig in Bezug auf das Verhindern von Hypoglykämien, da sie eine solche eben sehr selten auslösen.
GLP-1-Rezeptoragonisten – sicher und mit besonderen Eigenschaften
Die GLP-1-Rezeptoragonisten müssen täglich oder wöchentlich in die Bauchhaut gespritzt werden. Sie sind aber eine völlig andere Substanz als Insulin und haben verschiedene blutzuckersenkende Eigenschaften. Außerdem dämpfen sie den Appetit und sind ideale Medikamente bei Übergewicht. Auch sie haben den Vorteil, dass sie keine Unterzuckerungen hervorrufen. Sofern möglich, sind sie im Verlauf des Typ-2-Diabetes eine gute Alternative, um erst später mit einer Insulintherapie zu beginnen.
Ungebräuchlich, weil nicht ungefährlich
Substanzen wie Sulfonylharnstoffe oder die kurzwirksamen Insulinstimulatoren (Glinide) sind heute zunehmend in den Hintergrund getreten, da sie in manchen Fällen auch heftige Unterzuckerungen auslösen können. Diese Medikamente sollten daher mittlerweile nur noch in begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden, da es wie eben bereits erwähnt bessere und sicherere Alternativen gibt.
Wenn Insulin, dann richtig
Auch Menschen mit Typ-2-Diabetes beginnen im Verlauf der Erkrankung meist irgendwann einmal mit einer Insulintherapie. Hier hilft das Motto „so viel Insulin wie nötig, aber so wenig wie möglich“. Wenig risikoreich ist die abendliche Gabe eines Verzögerungsinsulins, um den Blutzuckerspiegel in der Nacht zu stabilisieren. Dabei ist das Risiko für Unterzuckerungen eher gering.
Sollte später auch Insulin zu den Mahlzeiten notwendig sein, gilt auch hier, mit der Insulingabe vorsichtig zu sein. Ist der Blutzucker gut eingestellt, sollten Betroffene selbstständig versuchen, die Insulingaben vor den Mahlzeiten in kleinen Schritten zu reduzieren, um mit einer möglichst geringen Insulinmenge auszukommen.
Einige weitere Tipps
- Hypoglykämien (Unterzuckerungen, Hypos) lassen sich verhindern, wenn man den Zielwert für den Blutzucker nicht zu tief wählt. Ein HbA1c-Wert (Blutzuckerlangzeitwert) zwischen 6,5 % und 7,5 % ohne regelmäßige Unterzuckerungen reicht aus, um vor Folgeschäden geschützt zu sein. Werden zu ehrgeizige Blutzuckerziele angestrebt, gewöhnt sich der Betroffene an niedrige Werte und spürt drohende Unterzuckerungen nicht mehr (siehe dazu Artikel über Hypoglykämie-Wahrnehrnehmungsstörungen).
- Tiefe Werte sollte man ernst nehmen und sofort handeln: Bahnt sich ein Unterzucker an, sollte man unverzüglich etwas dagegen tun. Abzuwarten, weil man gerade mit etwas Wichtigem beschäftigt ist, kann gefährlich werden.
- Nach der Hypoglykämie ist vor der Hypoglykämie. Sollte es doch einmal zu einer Hypoglykämie gekommen sein, sollte der Blutzucker für die nächsten 24 Stunden eher etwas höher gehalten werden, da eine Unterzuckerung Wegbereiter für weitere Unterzuckerungen ist.
- Kommt es gehäuft zu unerwünschten Blutzuckerabfällen, wäre gemeinsam mit dem Arzt/der Ärztin zu überprüfen, ob die Therapie noch stimmig ist oder ob man sie korrigieren sollte.
Ganz anders sieht es aus beim Typ-1-Diabetes. Hier lautet das Motto: „Insulin präzise dosieren“. Dabei ist es wichtig, dass das Verzögerungsinsulin ausschließlich zur Basisversorgung dient. Es ist richtig dosiert, wenn in Ruhe und ohne Kohlenhydrataufnahme der Blutzucker über einen längeren Zeitraum stabil bleibt.
Dies wird mit Basalratentests überprüft. Dabei lässt man gezielt Hauptmahlzeiten weg und prüft, ob der Blutzucker bis zur nächsten Hauptmahlzeit stabil bleibt. Steigt der Wert an, so ist das Verzögerungsinsulin unterdosiert. Fällt der Blutzucker unerwünscht ab, so liegt eine Überdosierung vor und die Dosis muss korrigiert werden. In diesem Fall reduziert man das Verzögerungsinsulin und hebt bei Bedarf das Mahlzeiteninsulin an.
Schwerpunkt „Was tun bei Unterzuckerung?“
- Hypoglykämien verhindern: Tipps gegen Unterzuckerungen bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes
- Verhalten bei Unterzuckerungen: Was können Angehörige bei Hypoglykämien tun?
- Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen: Wege aus der Gefahr
- „Hypo“-Helfer: Traubenzucker und Alternativen bei Unterzuckerungen
- Meine Erfahrungen mit „Hypos“
von Prof. Dr. med. Thomas Haak
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (11) Seite 22-24
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
