Meine Erfahrungen mit Unterzuckerungen

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Meine Erfahrungen mit Unterzuckerungen

Die Psychologin Lena Schuster hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Mit der Zeit hat sie gelernt, die Hypo-Symptome früh wahrzunehmen und richtig zu deuten. Was ist ihr sonst noch wichtig, wenn es um Unterzuckerungen geht? Das erzählt sie hier.

Mal schnell mit dem Fahrrad zum Bäcker geradelt und Brötchen geholt, eine kleine Joggingrunde eingelegt oder sich ein bisschen mit der Insulinmenge für die letzte Mahlzeit verschätzt: Immer wieder merke ich, dass es sehr viele verschiedene Gründe gibt, plötzlich zu unterzuckern. Es kann auch sein, dass eine Kombination aus verschiedenen ungünstigen Faktoren die „Hypo“ verursacht hat.

Dann frage ich mich immer: Hätte ich das nicht verhindern können? Wäre es möglich gewesen, durch ein anderes Verhalten die Unterzuckerung zu umgehen? Zum Beispiel hätte ich vor dem Fahrradfahren den Blutzuckerwert messen und vor der Joggingrunde mehr als nur ein Stück Brot essen können. Es gibt mit Sicherheit Dinge, die man in Zukunft besser handhaben kann, und damit lässt sich womöglich die ein oder andere Unterzuckerung verhindern.

Achtsam mit Signalen für Unterzuckerungen

Doch wie man es dreht und wendet, man kann als Diabetiker die Unterzuckerungen nicht gänzlich aus dem Leben verbannen. Da fehlen unserem Körper einfach die Möglichkeiten, Unterzuckerungen vorzubeugen. Das versuche ich mir stets vor Augen zu halten, wenn mich mal wieder eine Unterzuckerung nervt. Aus diesem Grund frage ich mich nicht mehr, warum diese Unterzuckerung jetzt aufgetreten ist.

Stattdessen konzentriere ich mich eher darauf, meine Symptome früh wahrzunehmen, um schnell der Unterzuckerung entgegenzuwirken. Die Signale des Körpers sind ein Schutzmechanismus und bewahren uns vor schweren Hypo­glyk­ämien. Es ist wichtig, achtsam mit diesen Signalen umzugehen.

Mittlerweile habe ich seit sechs Jahren Diabetes und einige Unterzuckerungen durchlebt. Inzwischen kann ich die Symptome einer leichten von denen einer stärkeren Unterzuckerung unterscheiden. Bei einer leichten Hypoglyk­ämie fangen meine Arme, Hände und Beine an, ein bisschen zu kribbeln, hingegen bemerke ich bei einer stärkeren Unterzuckerung, dass meine Hände zu zittern beginnen und sich meine optische Wahrnehmung verändert: Es fällt mir schwer, scharf zu sehen. Das ist meine grobe Einteilung der Symptome, die mir oft hilft, frühzeitig zu reagieren, um nicht noch weiter zu unterzuckern.

Selten interpretiere ich meine Wahrnehmung falsch und bin überzuckert. Doch im Allgemeinen erlebe ich es als sehr hilfreich, meine Symptome so konkret zu kennen. Wichtig ist, dass bei anderen Diabetikern die Symptome anders ausgeprägt sein mögen. Vielleicht haben andere Diabetiker nie kribbelnde Beine bei einer Unterzuckerung. Welche körperlichen Signale (z. B. Herzklopfen oder Schweißausbrüche) auf eine Unterzuckerung hindeuten, muss jeder für sich selbst herausfinden. Das mag eine Zeitlang dauern, und es ist auch möglich, dass sich die Symptome im Laufe der Jahre verändern.

Familie und Freunde wissen Bescheid – das gibt mir Sicherheit und nimmt die Angst

Nachdem ich irgendwann meine Symptome einordnen konnte, habe ich mir die Frage gestellt, wie mein Umfeld darauf reagieren sollte. Mir war und ist es wichtig, besonders im privaten Bereich meine Freunde zu informieren, was im Notfall zu tun ist. Ich hatte zwar nie eine sehr starke Unterzuckerung, dennoch gibt es mir Sicherheit, dass andere im Notfall das Richtige tun.

Und ich habe auch gemerkt, dass es meine Freunde und meine Familie beruhigt, für diese Situation gewappnet zu sein. Es ist demnach für uns alle ein angenehmes, beruhigendes Gefühl und nimmt uns die Angst vor Unterzuckerungen. Denn ängstlich der nächsten „­Hypo“ entgegenzusehen, ist der falsche Weg.

Bei mir gibt es verschiedene Phasen

Natürlich gibt es Phasen mit wenigen Unterzuckerungen, und ich vergesse fast, dass es sie gibt. Das ist ein sehr schönes Gefühl, allerdings gibt es dann wiederum Tage, da bin ich ständig unterzuckert und bin gefühlt nur am Essen, um wieder normale Blutzuckerwerte zu haben. Bei mir gibt es häufig diese wechselnden Phasen.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es wichtig ist, wachsam zu sein und auf die Signale des Körpers zu achten. Das mag in manchen Situationen leichter fallen als in solchen, in denen man durch verschiedene Dinge abgelenkt ist. Zeigen sich dann die Symptome, versuche ich, schnell und überlegt zu reagieren. Ich bin der Überzeugung, dass ich damit einen guten Weg gefunden habe, den Unterzuckerungen entgegenzuwirken.


von Lena Schuster

Avatar von lena-schuster

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (11) Seite 36-37

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  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 2 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 6 Tagen, 23 Stunden

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

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