Neue Zahnpasta stoppt Parodontitis-Bakterien – warum das gerade für Menschen mit Diabetes wichtig ist

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Neue Zahnpasta stoppt Parodontitis-Bakterien – warum das gerade für Menschen mit Diabetes wichtig ist | Foto: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com
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Neue Zahnpasta stoppt Parodontitis-Bakterien – warum das gerade für Menschen mit Diabetes wichtig ist

Parodontitis zählt zu den am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen – und sie betrifft gerade bei Menschen mit Diabetes weit mehr als nur die Mundgesundheit. Fraunhofer-Forschende haben nun eine Substanz entdeckt, die gezielt nur jene Bakterien ausbremst, die Parodontitis verursachen und das natürliche Gleichgewicht im Mund zu bewahren. Diese ist bereits in einer neuen Zahnpasta erhältlich.

Parodontitis beginnt häufig unauffällig, etwa mit Zahnfleischbluten oder Entzündungen am Zahnfleischrand. Das orale Mikrobiom umfasst über 700 Bakterienarten – einige davon können schwere Schäden anrichten. Werden die krankmachenden Keime nicht rechtzeitig gestoppt, entzündet sich der gesamte Zahnhalteapparat. Das führt nicht nur zu Zahnfleischrückgang und gelockerten Zähnen, sondern kann den gesamten Körper belasten, denn Bakterien gelangen über den Blutkreislauf in andere Organe. Die Folgen können Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar Alzheimer begünstigen.

Gerade Menschen mit bestehendem Diabetes sind besonders gefährdet. Hohe oder schwankende Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Abwehr im Mund und fördern zusätzlich das Wachstum schädlicher Bakterien. Studien zeigen: Menschen mit Diabetes haben ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Und eine unbehandelte Parodontitis erschwert ihrerseits die Blutzuckerkontrolle deutlich. Beide Erkrankungen verstärken sich also gegenseitig.

Bisherige Lösungen greifen auch nützliche Bakterien an

Herkömmliche Mundspüllösungen oder antiseptische Zahnpflege töten sowohl pathogene als auch nützliche Bakterien ab. Das Problem: Beim Wiederaufbau der Mundflora haben krankmachende Keime wie Porphyromonas gingivalis oft einen Startvorteil. Genau hier setzt der neue Wirkstoff an.

Prof. Dr. Stephan Schilling erklärt die Besonderheit der entdeckten Substanz Guanidino­ethyl­benzyl­amino Imidazopyridine Acetat so: „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen. So hilft der Stoff im Einklang mit den gesunden Bakterien, das mikrobielle Gleichgewicht im Mund sanft aufzubauen und stabil zu halten.“

Der Weg zum marktfähigen Produkt war lang. In Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) wurde die Mikrobiom-Zahnpasta des Spin-offs PerioTrap entwickelt, inklusive Putzkörpern und Fluorid zum Schutz vor Karies. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, sagt Dr. Mirko Buchholz von PerioTrap.

Neues hochwertiges Zahnpflegeprodukt in medizinischer Qualität

Weil der neue Wirkstoff zwar Bakterien blockieren, aber nicht in den Körper gelangen darf, waren umfangreiche Sicherheits- und Materialtests nötig. Das Team am Fraunhofer IMWS überprüfte jede neue Rezeptur gründlich. Dr. Andreas Kiesow fasst es so zusammen: „Einfach ausgedrückt: Wir sagen am Ende, ob die Zahnpasta funktioniert.“ Die Entwicklung folgte zudem strikt den Richtlinien der Guten Laborpraxis (GLP). „Wir haben nicht einfach eine gute Zahnpasta mit einer neuen Substanz entwickelt, sondern ein hochwertiges Zahnpflegeprodukt in medizinischer Qualität“, betont Prof. Dr. Schilling.

Auch für den Einsatz in Zahnarztpraxen arbeiten Fraunhofer und PerioTrap weiter: Ein Gel zur Anwendung nach der professionellen Zahnreinigung soll pathogene Keime blockieren und die Mundflora stabilisieren. Zudem sind Mundwasser sowie Produkte für den internationalen Markt und sogar für Haustiere geplant – denn auch Hunde und Katzen leiden häufig unter Parodontitis.

Erfolgreiche Parodontitis-Behandlung verbessert die Stoffwechsellage

Für Menschen mit Diabetes könnten diese neuen Ansätze ein entscheidendes Puzzleteil sein, um den „Teufelskreis“ aus schlechter Blutzuckereinstellung und chronischer Entzündung zu durchbrechen. Denn eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung senkt nachweislich den HbA1c-Wert und verbessert die allgemeine Stoffwechsellage. Umgekehrt kann eine gute Blutzuckerkontrolle das Parodontitisrisiko wieder auf Normalniveau senken.

Für alle gilt: Warnsignale wie Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder Zahnlockerung sollten ernst genommen werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen, professionelle Zahnreinigungen und konsequente häusliche Mundhygiene bleiben die Basis, aber moderne Mikrobiom-Produkte könnten künftig einen wichtigen zusätzlichen Baustein für eine stabile Mundgesundheit liefern.


von Gregor Hess

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mit Materialien der Fraunhofer-Gesellschaft

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