- Eltern und Kind
CGM-Daten digital darstellen und auswerten
4 Minuten
Jedes CGM-System hat seine eigene Software; die verschiedenen Programme bieten unterschiedliche Arten der graphischen Darstellung der Sensorwerte an. Mit dem eigenen Programm sollte man sich auskennen und damit umgehen können – Dr. Torben Biester gibt dazu Tipps und Hinweise.
Wenn man sich mit ausgelesenen Daten aus einem Sensor beschäftigt, stellt sich zunächst die Frage, was man eigentlich möchte. Diese grundsätzliche Überlegung ist wichtig, um zu entscheiden, welche Art der Darstellung man sich anschaut.
Gesammelte Daten anschauen
Geht es darum, grundsätzliche Probleme der Insulintherapie zu überprüfen (mögliche Ziele: herausfinden, ob die nächtliche Basalrate oder die Mahlzeitenfaktoren noch passen), ist eine kumulative Ansicht die richtige, die die gesammelten Daten eines Zeitraumes (idealerweise 14 Tage) zeigt.
Um noch einmal einzelne Tage durchzugehen und zu schauen, warum der Glukoseverlauf zu hoch oder zu niedrig war, kann der jeweilige Tag einzeln angesehen werden und mit zusätzlichen Informationen wie „Sport“ oder „große Mahlzeit“ einzeln betrachtet werden.
Das AGP sinnvoll nutzen
Das AGP (Ambulantes Glukose-Profil) ist eine schöne Art, einen längeren Zeitraum auf einmal darzustellen. Als durchgehende dunkelblaue Linie wird der Medianwert gezeigt. Der Medianwert ist nicht der rechnerische Mittelwert, sondern der Wert, bei dem 50 Prozent aller anderen Werte darüber oder darunter liegen, also die tatsächliche Mitte.
Ebenso verhält es sich mit den hellen und dunklen Bereichen: Innerhalb des dunklen Bereiches liegen 50 Prozent aller Werte, jeweils die Hälfte davon ober- und unterhalb dieser Medianlinie.
Innerhalb der Grenzen der hellblauen Zone (inklusive der dunklen Zone) liegen 80 Prozent aller Werte, so dass die 10 Prozent darüber und darunter in dieser Übersicht erst einmal nicht dargestellt sind (Abb. 2), je nach Programm ist dieses aber trotzdem möglich (Abb. 1).


Ambulantes Glukose-Profil interpretieren
Um diese Bilder nun zu interpretieren, muss man sich klar machen, dass man in der Diabetestherapie zwar mit der Insulindosierung immer auf einen Zielwert von 100 mg/dl (5,6 mmol/l) oder ein individuell anderes Ziel hinarbeitet, dieses Ziel aber nur selten tatsächlich erreicht. Ein Kollege aus England hat das sehr schön bildlich mit Golfspielen verglichen: Natürlich schlägt der Spieler immer in Richtung der Fahne, aber ein hole-in-one, also ein Einlochen mit dem ersten Schlag in das meist mehrere hundert Meter entfernte, kreisrunde Loch, ist sehr selten – die meisten Golfspieler sind froh, wenn der Ball nach dem Abschlag auf dem Rasen landet und nicht irgendwo im Sand.
Genauso können CGM-Nutzer bei den Glukosekurven denken: Wenn sich die Kurve weitgehend im Zielbereich befindet, können sie zufrieden sein – je näher der Wert am Ziel dran ist, desto größer ist die Freude. Ab und zu verfehlt man aber auch das Grün und findet sich völlig daneben im Bunker oder Rough, d. h. im Sand oder ganz daneben, wieder, und es ist sehr mühsam, wieder zurückzufinden.
Gut: zu 60 Prozent im Zielbereich
In Zahlen ausgedrückt (die auch von den Programmen ausgerechnet werden) sollte man sich über 60 Prozent des Tages im Zielbereich befinden, der international mit 70 - 180 mg/dl (3,9 – 10 mmol/l) als realistisch angesehen wird. Ehrgeizigere Ziele sind natürlich erlaubt, sollten aber nicht zu Frustration führen. Mehr als 5 Prozent im Bereich unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) sollten nicht sein – beim Golf wäre das so, als ob der Ball in einem Wasserhindernis (See) gelandet wäre.
Über die Ursachen nachdenken
Um die Kurven wieder in die richtige Richtung zu lenken, sind Gedanken über die Ursachen der Richtungen der Kurven wichtig. Als Faustregel kann gelten: Der Mittelwert und der dunkle Bereich sind die direkte Folge der Insulintherapie, die hellblauen Bereichen (die deutlich seltener sind) sind eher die Folge von Verhalten an den entsprechenden Tagen und können nicht direkt durch Insulinveränderungen angegangen werden. Die beiden Beispielbilder verdeutlichen das: In der ersten Abbildung gibt es sehr wenige Schwankungen, daher sind die blauen Bänder sehr schmal.
Außerdem liegen die Werte fast die ganze Zeit im Zielbereich, nur am Abend scheint es ein Problem zu geben, denn da steigt die gesamte Kurve mitsamt des Schwankungsbandes an. Die Ursache nur mit den Informationen aus der Abbildung zu erkennen, ist nicht möglich, hier sind weitere Angaben zum Leben (Insulin, Nahrung, Sport etc.) notwendig.
Im zweiten Bild befinden sich die Werte in der Nacht überwiegend im Ziel, mit einem deutlichen Anstieg am Morgen und weiterem hohen Verlauf über den ganzen Tag. Die Ursache ist eindeutig: zu wenig Insulin. Ob der Plan nicht stimmt oder das Insulin einfach nicht oder zu wenig davon gegeben wird, ist auch nicht ersichtlich; hier sind Aufzeichnungen über Insulingaben und Essen (aus der Pumpe oder einem „klassischen“ Tagebuch) nötig, um die Ursache herauszufinden.
Golf hilft …
Auch wenn ich selbst noch nie auf einem Golfplatz gewesen bin, hat mir diese Vorstellung sehr geholfen, die Kurven zu betrachten – ich hoffe, sie hilft auch Ihnen und Ihren Kindern.
Software zu den Glukosesensorgeräten
Hier können Sie die Software herunterladen:
- Dexcom: clarity.dexcom.eu
- Medtronic (Guardian): carelink.minimed.eu
- Abbott (FreeStyle Libre): freestyle.de/freestyle-libre/software/ (kann im Shop heruntergeladen werden)
von PD Dr. med. Torben Biester
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 10 (4) Seite 8-9
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Tagen, 17 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 18 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Tagen, 16 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
