- Eltern und Kind
Das CGM-System zeigt: Erst Insulin, dann Essen
3 Minuten
Gehört der Spritz-Ess-Abstand der Vergangenheit an? Nein, durch die Analyse von Sensorprofilen wird die Insulingabe einige Minuten vor dem Essen gerade wiederentdeckt – und zwar als Maßnahme, die hilft, Glukoseanstiege nach dem Essen zu vermeiden.
Je mehr Sensorprofile jeder Einzelne im Laufe der Zeit betrachtet, desto einfacher wird es, Muster zu erkennen und ungünstige Gewohnheiten zu entdecken. Die Daten helfen so, schwierige Situationen immer besser zu erklären und zu beherrschen.
Der richtige Zeitpunkt für den Mahlzeitenbolus
Besonders aufgefallen ist uns dabei in letzter Zeit, wie wichtig der richtige Zeitpunkt für die Gabe des Mahlzeitenbolus ist. Dies hat in unserer Klinik dazu geführt, den früher empfohlenen Spritz-Ess-Abstand heute wieder deutlich mehr einzubeziehen. Insbesondere bei kleinen Kindern, bei denen das Abschätzen der Mahlzeitenmenge schwierig ist, haben wir früher zum Nachbolen geraten.
Dabei sollte eine ggf. notwendige Korrektur vor der Mahlzeit abgegeben werden, das Mahlzeiteninsulin erst, wenn sicher war, was und wie viel das Kind wirklich gegessen hat. Dieses Vorgehen führt aber zu deutlichen Glukoseanstiegen nach dem Essen, die ja eigentlich vermieden werden sollen. Gleiches gilt für Unterzuckerungen vor dem Essen, die zu einer verzögerten Bolusabgabe und damit ebenfalls zu hohen Werten führen.
Die Sensordaten verändern das Handeln
Mit dem Wissen aus den Sensordaten, die sowohl bei der Analyse im Nachhinein als auch im Alltag viele neue Informationen liefern, kann hier ganz anders gehandelt werden.
Nach der Injektion muss das Insulin zunächst aus dem Unterhautfettgewebe in ausreichender Menge ins Blut aufgenommen werden, damit es den Blutzuckerspiegel wirksam senken kann. Das kann oft bis zu einer halben Stunde dauern.
Die Kohlenhydrate aus der Mahlzeit führen dagegen oft schon nach ca. 10 Minuten zu sichtbaren Veränderungen auf dem Display des Sensors. Entsprechend sind sehr hohe Werte nach dem Essen nicht zu vermeiden, wenn das Insulin erst kurz vor der Mahlzeit oder sogar erst danach gegeben wird.
Änderung des Boluszeitpunktes: eindrucksvoller Effekt
Abbildung 1 zeigt dazu zwei Beispiele: In der oberen Kurve wurde das Insulin 10 Minuten vor der Mahlzeit abgegeben, in der unteren Kurve erst gegen Ende des Essens. Die Folge ist ein deutlich höherer Anstieg des Glukosespiegels, außerdem dauert es deutlich länger, bis der Ausgangswert wieder erreicht wird.

Abbildung 2 zeigt in einem Spaghetti-Diagramm ganz deutlich, welchen Effekt eine Änderung des Boluszeitpunktes auf ca. 10 min vor jeder Mahlzeit hat. Der Insulinplan und die Katheterstelle blieben dabei unverändert. Der Effekt ist eindrucksvoll.

Besser: das Insulin vor der Mahlzeit geben
Daher sollte bei jeder Mahlzeit so viel Insulin wie möglich vorab gegeben werden. Auch bei Kleinkindern gibt es meistens eine „sichere“ Mahlzeitenmenge, z. B. 10 Gramm Kohlenhydrate (1 KE). Dafür sollte das Insulin schon vor der Mahlzeit gegeben werden. Im weiteren Verlauf kann, je nach „Stand“ der Mahlzeit, in weiteren Schritten Insulin gegeben werden. Dafür sind Insulinpumpen ideal, weil das Kind nicht erneut gestochen werden muss.
Besteht vor dem Essen eine „echte“ Unterzuckerung, die das Kind in seiner Handlung beeinträchtigt, sollte ihm schnell eine kleine Menge Traubenzucker (z. B. ¼-1/2 KE) gegeben werden. Anschließend kann das Mahlzeiteninsulin gegeben und gegessen werden.
Wichtig: immer vorher messen
Die einfache Verfügbarkeit von Werten durch Scannen oder durch einen Blick aufs Gerät führt auch immer wieder dazu, dass nach dem Essen gemessene Werte für Korrekturberechnungen verwendet werden. Ein nach dem Essen bestimmter Wert ist ja durch die Mahlzeit vorher erhöht. Eine zusätzliche Korrekturberechnung mit diesem Wert führt zu falsch hohen Insulinmengen und kann zu Unterzuckerungen führen.
Natürlich wird es im Alltag immer wieder Situationen geben, in denen der Idealfall mit einem Bolus ca. 10 Minuten vor dem Essen (schnelles Analoginsulin, bei Normalinsulin ca. 30 Minuten) nicht möglich ist. Aber ein Ziel sollte es dennoch bleiben. Die angesprochenen Regeln gelten sowohl für die Pumpen- wie auch für die Pentherapie.
Bei teilautomatischer Pumpe: Insulin vor der Mahlzeit abgeben
Übrigens: Mit der viel besprochenen und schon in anderen Ländern erhältlichen teilautomatischen Insulinpumpe MUSS Insulin immer vor der Mahlzeit abgegeben werden. Da diese Pumpe auf erhöhte Werte sofort mit einer Erhöhung der Insulindosis reagiert, ist für den Mahlzeitenanstieg bereits Insulin abgegeben, wenn der vollständige Mahlzeitenbolus nach dem Essen erfolgt. Unterzuckerungen wären die Folge.
Software zu den Glukosesensorgeräten
Auf diesen Seiten können Sie die Software für die jeweiligen Geräte herunterladen:
- Dexcom: clarity.dexcom.eu
- Medtronic (Guardian): carelink.minimed.eu
- Abbott (FreeStyle Libre): www2.libreview.com
von PD Dr. med. Torben Biester
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (2) Seite 8-9
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 22 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 22 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
