Nachgefragt | Medizin: Warum kein Glycowohl für meine Tochter?

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Nachgefragt | Medizin: Warum kein Glycowohl für meine Tochter?

Sie haben medizinische und/oder psychosoziale Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Die Experten des Diabetes-Eltern-Journals geben Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort!

Die Frage

Unsere 9-jährige Tochter hat seit einem Jahr Diabetes und wird mit Insulin über Pens behandelt. Unsere Ärztin hat uns auch schon von einer Insulinpumpe erzählt. Oft lese ich nun in letzter Zeit von dem Mittel Glycowohl, das den Blutzucker senken kann und explizit auch bei Typ-1-Diabetes geeignet sein soll.

Wir gehen doch extra in eine diabetologische Schwerpunktpraxis – warum wird uns dort nichts davon erzählt? Warum bekommt meine Tochter das Mittel nicht? Sollten wir die Praxis wechseln? Ich traue mich nicht, nachzufragen – das könnte die Ärztin falsch verstehen.

Yasemin S.

Die Antwort von PD Dr. Torben Biester

Als erstes möchte ich sagen, dass in der Diabetesbehandlung das Vertrauensverhältnis zwischen Familien und Behandlern immens wichtig ist. Keine der beiden Seiten sollte Bedenken haben, nachzufragen und Probleme anzusprechen. Die Behandlung bei der Kinderdiabetologin wird wahrscheinlich bis zum 18. Geburtstag Ihrer Tochter dauern, da muss man offen miteinander reden können.

Der Frage nach Glycowohl bin ich in meiner Sprechstunde auch schon begegnet: Ein Vater hat die Anzeige aus der Zeitung mitgebracht und mich offen aufgefordert: „Sagen Sie doch mal was dazu.“ Der 14-jährige Sohn hat die Augen verdreht und gesagt: „Papa das ist Quatsch“, und da muss ich einfach zustimmen.

Denn bei diesem alkoholischen Pflanzenextrakt, der dann vielfach verdünnt wird, handelt es sich um ein homöopathisches Präparat, das für die Zulassung keinerlei Wirksamkeitsprüfungen benötigt, wie es bei echten Medikamenten der Fall ist. Nur die Ungefährlichkeit des Präparats muss belegt werden.

Es gibt in Deutschland kein einziges homöopathisches Präparat mit einem belegten Nutzen, daher gibt es auch keine echte Medikamentenzulassung für diese Präparate. Als „zusätzliche Behandlung“ darf es bezeichnet werden. Die Organisation arznei-telegramm hat das auf ihrer Website gut dargestellt.

In den Anzeigen in Zeitungen, Zeitschriften und auch im Internet wird leider so getan, als gebe es wissenschaftliche Ergebnisse, die die Wirkung von Glycowohl belegen. Das ist nicht so. Bei Typ-1-Diabetes ist Insulin weiterhin das Medikament, das Betroffene jeden Alters in individueller Menge brauchen. Für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes gibt es viele geprüfte, wirksame und verträgliche Medikamente, für Kinder noch nicht sehr viele.

Was mir noch wichtig ist: Auf gar keinen Fall sollten Sie bitte aufgrund dubioser Reklame das ansonsten intakte Verhältnis zum Diabetesteam in Frage stellen.


von PD Dr. med. Torben Biester

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (4) Seite 19

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    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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