- Eltern und Kind
Nachgefragt | Medizin: Warum müssen die Pupillen „weitgetropft“ werden?
2 Minuten
Sie haben medizinische, psychosoziale und/oder rechtliche Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Die Experten des Diabetes-Eltern-Journals geben Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort!
Die Frage
Unser Sohn Halil ist 15 Jahre alt und hat seit seinem achten Lebensjahr Diabetes. In der Diabetesambulanz wird uns immer wieder gesagt, dass wir einmal im Jahr zum Augenarzt gehen sollen. Der Arzt soll sich die Augen nach dem Weittropfen anschauen. Ist das wirklich nötig? Unser Augenarzt sagt immer, er könne das auch ohne Weittropfen, und Halil kann danach immer nicht zum Sport. Außerdem ist es immer schwierig, rechtzeitig einen Termin zu bekommen, die Praxis ist immer voll.
Yasemin S.
Die Antwort von PD Dr. Torben Biester
Wir wissen aus Langzeitstudien, dass ein lange bestehender Diabetes zu Veränderungen an der Netzhaut im Augenhintergrund (Retinopathie) führen kann. Je höher der HbA1c-Wert ist, desto größer ist das Risiko, dass sich solche Folgeerkrankungen entwickeln. Daher ist neben der Einstellung des Diabetes die regelmäßige Kontrolle der Augen eine Empfehlung aller Experten.
Um auch die äußersten Bereiche der Netzhaut anschauen zu können, ist es nötig, Augentropfen zu verwenden, die die Pupille erweitern („Weittropfen“) – denn bei einer engen, auf Licht reagierenden Pupille können die äußeren Bereiche nicht gesehen werden.
Natürlich ist ein augenärztlicher Kollege versiert in der Betrachtung des Augenhintergrundes auch unter schwierigen Bedingungen (z. B. bei aufgeregten Kleinkindern). Die Empfehlung in den Leitlinien zur Behandlung des Diabetes gibt aber eindeutig die weit getropfte Pupille an, um für bestmögliche Bedingungen bei der Untersuchung zu sorgen.
Inzwischen gibt es zudem eine neue Methode, die Fundusphotographie, bei der eine Aufnahme des gesamten Augenhintergrundes auch ohne Weitstellung der Pupille erfolgt. Wissenschaftlich wird diese Methode sogar gegenüber dem direkten Anschauen durch den Augenarzt als besser angesehen. Die Fundusphotographie ist derzeit noch keine Regelleistung der Krankenkassen, kann aber beim Augenarzt direkt bezahlt werden.
Der genaue Termin der Untersuchung ist gar nicht so wichtig, wichtig ist es, regelmäßig daran zu denken. Damit das nicht vergessen wird, empfehlen viele Kollegen die jährliche Kontrolle, um frühe Veränderungen sehen zu können und um immer daran zu denken.
Insgesamt nimmt die Anzahl der frühen Augenerkrankungen eher ab, was sicher mit der stetigen Verbesserung der Therapiemöglichkeiten zu erklären ist. Trotzdem sollte die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen und das Angebot wahrgenommen werden, vorzusorgen.
von PD Dr. med. Torben Biester
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (1) Seite 20
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community
3 Minuten
- Begleit-Erkrankungen
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Tagen, 7 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 9 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 3 Tagen, 7 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
