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Reisen mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes
4 Minuten

Die Urlaubszeit steht vor der Tür! Damit der langersehnte Sommerurlaub auch für Familien mit Kindern oder Jugendlichen mit Diabetes erholsam wird, sollten einige Dinge fürs Reisen beachtet und rechtzeitig vorbereitet werden.
Unabhängig davon, ob die Kinder oder Jugendlichen Insulin spritzen, eine Insulinpumpe und einen Sensor oder ein AID-System tragen, sind gewisse Vorkehrungen zu treffen. Denn: Eine gute Planung ist schon die halbe Erholung!Folgende Fragen können bei der Vorbereitung behilflich sein:
Wo geht es hin? Inland? Ausland?
Eine Reise innerhalb Deutschlands bedeutet, dass man sich keine Gedanken um die Krankenversicherung und das Gesundheitssystem machen muss. Geht es ins Ausland, sollte eine Auslandsreiseversicherung abgeschlossen sein, und es sollte vorher auch geklärt werden, inwiefern diese den Diabetes und akute Komplikationen, die damit zusammenhängen, abdeckt.
Eine ausreichende Menge an Insulin, Spritzen, Glukosesensoren, Blutzuckermesstreifen und Pumpenzubehör muss immer mitgenommen werden, da diese nicht an jedem Urlaubsort sofort zur Verfügung stehen. Im Ausland sind eventuell das gewohnte Insulin und insbesondere die technische Ausstattung (Sensoren, Katheter, etc.) nicht verfügbar.
Wie findet die Anreise statt?
Auto? Zug? Flugzeug? Schiff?
Bei der Anreise mit dem Flugzeug sollte unbedingt eine Bescheinigung (Zollbescheinigung) mitgenommen werden, damit das Diabetesequipment (Spritzen, Insulin, Messstreifen, Pumpe, Sensoren, Blutzuckermessgerät, etc.) mit an Board genommen werden kann. Diese Bescheinigung wird von der Diabetesambulanz ausgestellt. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen darf die Pumpe offiziell nicht in den Körperscanner. Die Pumpe kann in diesem Fall abgelegt und am Körperscanner vorbei auf die andere Seite des Scanners gegeben werden.
Das Diabetesequipment gehört beim Fliegen unbedingt ins Handgepäck:
- Insulin gefriert bei den niedrigen Temperaturen im Frachtraum und wird dadurch unbrauchbar.
- Sollte Gepäck verloren gehen, vertauscht werden oder zu spät ankommen, fehlt sonst das Diabeteszubehör.
Wie sind die Temperaturen?
Heiß, gemäßigt oder kalt ?
Geht es in ein Urlaubsland mit hohen Temperaturen oder ist es eher kalt? In Ländern mit trockener Hitze ist der Insulinbedarf meist niedriger als gewohnt, bei feuchter Hitze hingegen kann er erhöht sein. Bei der Lagerung des Insulins muss Folgendes beachtet werden: Temperaturen über 40 °C und unter 2 °C sowie direkte Sonneneinstrahlung können das Insulin unwirksam machen. Außerdem sollten die Ampullen bruchsicher transportiert werden.
Einige Möglichkeiten für den Transport seien hier erwähnt: Leere, vorgekühlte und gepolsterte Thermoskannen, Styroporboxen, feuchte Handtücher oder Kühltaschen für Arzneimittel eignen sich gut. Im Winterurlaub sollte das Insulin möglichst nah am Körper gelagert werden, damit es nicht zu kalt wird: also die Bauchtasche unter der Skijacke oder die Pumpe in der Innentasche der Jacke tragen, nicht in der Außentasche oder in einem Rucksack!
Wie aktiv wird der Urlaub?
Strandurlaub? Wandern? Radfahren? Surfen? Schwimmen?
Die meisten Kinder und Jugendlichen sind im Urlaub aktiver als zu Hause. Dies führt zu einem niedrigeren Insulinbedarf. Vor der Abreise kann daher in einem Gespräch mit dem Diabetesteam besprochen werden, wie das Insulin in solch einem Fall zu reduzieren ist. Bei den AID-Systemen kann beispielsweise der Sportmodus genutzt werden, um Hypoglykämien zu vermeiden. Nicht alle Pumpen sind wasserdicht, daher sollten diese beim Ausüben von Wassersport (Kanufahren, Surfen, Kiten) in wasserdichten Taschen verpackt werden.
Zum Schwimmen können die Geräte abgekoppelt werden.
Welche Dokumente sind für die Einreise wichtig?
Wie oben bereits erwähnt, sollte bei Flügen unbedingt an die Zollbescheinigung gedacht werden. Ansonsten gehören der Impfausweis, die Versichertenkarte und der Diabetesausweis ins (Hand-)Gepäck. Der Impfstatus sollte vorher einmal überprüft werden: Evtl. sind bestimmte Impfungen aufzufrischen (z.B.: Tetanus) oder zusätzliche Impfungen vorzunehmen (z.B.: Hepatitis A, Gelbfieber o.ä.).
Wie ist die medizinische
Versorgung vor Ort?
Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus?
Es ist vorteilhaft, sich vor der Abreise darüber Gedanken zu machen, wie die medizinische Versorgung am Urlaubsort ist: Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus und die nächste Apotheke?
Wichtige Telefonnummern, die unbedingt VOR Antritt des Urlaubs im Handy hinterlegt werden sollten:
- bei Sensoren bzw. Insulinpumpen: Hotline des jeweiligen Geräteherstellers
- Notfallnummer des jeweiligen Landes
- Telefonnummer des eigenen Diabetesteams
Was muss ich unterwegs dabei haben?
Insulin, Traubenzucker, Messgerät, sowohl lang- als auch kurzwirksame Kohlenhydrate und ausreichend Getränke (insbesondere Wasser) sollten immer griffbereit sein. Ketonmessgeräte und –messstreifen gehören bei jeder Reise dazu und dürfen nicht vergessen werden. Die Notfallspritze oder das Glukagon-Nasenspray gehören ebenfalls ins Gepäck.
Wenn der Glukosesensor ausfällt, muss die Möglichkeit der kapillären Blutzuckermessung gegeben sein. Es ist also sehr wichtig, ein Glukosemessgerät und ausreichend viele Glukosemessstreifen zusätzlich mit einzupacken.
Was ist bei Verwendung der technischen Geräte (Sensoren und Insulinpumpen) noch wichtig?
Die technischen Geräte sind alle auf eine Energieversorgung angewiesen. Es müssen also ausreichend Ersatzbatterien und /oder Ladekabel für diese Geräte mitgenommen werden. Gerade außerhalb von Deutschland werden eventuell Adapter für die Steckdosen benötigt.
Was müssen Kinder/Jugendlich mit einer Insulinpumpe oder einem AID-System beachten?
Ein AID-System bedeutet, dass normalerweise die Pumpe und der Sensor alles regeln. Was aber passiert, wenn die Technik versagt? Und das ausgerechnet, wenn man gerade auf einer einsamen Insel am Strand in der Sonne liegt oder mitten in den Alpen wandert? Solche Situationen gibt es zum Glück selten, sie sind aber möglich!
Dringend sollte der aktuelle Insulinplan mit den aktuellen Pumpeneinstellungen, entweder in Papierform oder als elektronisches Dokument z.B. auf dem Handy dabei sein. Die Pumpenfirmen garantieren zwar innerhalb Europas eine Lieferzeit von ca. 8-24 Stunden für eine Ersatzpumpe, diese wird jedoch im Neuzustand geliefert; die Einstellungen müssen dann alle neu vorgenommen werden.
Außerdem sollte ein Spritzplan vorliegen, damit die Zeit bis zur Lieferung der Ersatzpumpe überbrückt werden kann. Der Spritzplan allein hilft allerdings auch nicht weiter: Wichtig sind auch die entsprechenden Utensilien wie Spritzen, Pens und Insulin. Für den Urlaub außerhalb Europas empfehlen wir, vor dem Urlaub beim Hersteller nach einer Ersatzpumpe zu fragen. Im Flugzeug muss eventuell (herstellerabhängig) der Flugmodus eingeschaltet werden.
Zur weiteren Lektüre: Weitere Informationen zum Thema Reisen und Diabetes gibt es z.B. hier: “Wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes reisen” – Ein Wegweiser für Eltern und Betreuer und “Unterwegs mit Diabetes”. Beide Broschüren sind unter diabetesstiftung.de zu finden
Fazit
- Reisen mit Diabetes wollen gut vorbereitet werden
- Hohe oder niedrige Temperaturen verändern den Insulinbedarf
- Im Urlaub ist der Insulinbedarf meist niedriger aufgrund höherer Aktivität
- Auf einen Ausfall der Technik bei Verwendung von Sensoren, Pumpen und AID-Systemen sollte man vorbereitet sein
- Ein Spritzplan sowie die Einstellungen der Pumpe sollten vorliegen
- Ausreichend Verbrauchsmaterialien sollten mitgenommen werden
- Notfallnummern im Handy abspeichern|
- Diabeteszubehör gehört ins Handgepäck, denn dort kann es nicht verloren gehen.
Dr. Nicolin Datz ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderendokrinologie und Diabetologie und Ernährungsmedizin. Sie ist tätig in der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie am endokrinologikum Hannover.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2023; 11 (2) Seite 24-26
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
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