Reisen mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes

4 Minuten

© NARUEDOL - AdobeStock
Reisen mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes

Die Urlaubszeit steht vor der Tür! Damit der langersehnte Sommerurlaub auch für Familien mit Kindern oder Jugendlichen mit Diabetes erholsam wird, sollten einige Dinge fürs Reisen beachtet und rechtzeitig vorbereitet werden.

Unabhängig davon, ob die Kinder oder Jugendlichen Insulin spritzen, eine Insulinpumpe und einen Sensor oder ein AID-System tragen, sind gewisse Vorkehrungen zu treffen. Denn: Eine gute Planung ist schon die halbe Erholung!Folgende Fragen können bei der Vorbereitung behilflich sein:

Wo geht es hin? Inland? Ausland?

Eine Reise innerhalb Deutschlands bedeutet, dass man sich keine Gedanken um die Krankenversicherung und das Gesundheitssystem machen muss. Geht es ins Ausland, sollte eine Auslandsreiseversicherung abgeschlossen sein, und es sollte vorher auch geklärt werden, inwiefern diese den Diabetes und akute Komplikationen, die damit zusammenhängen, abdeckt.

Eine ausreichende Menge an Insulin, Spritzen, Glukosesensoren, Blutzuckermesstreifen und Pumpenzubehör muss immer mitgenommen werden, da diese nicht an jedem Urlaubsort sofort zur Verfügung stehen. Im Ausland sind eventuell das gewohnte Insulin und insbesondere die technische Ausstattung (Sensoren, Katheter, etc.) nicht verfügbar.

Wie findet die Anreise statt?

Auto? Zug? Flugzeug? Schiff?

Bei der Anreise mit dem Flugzeug sollte unbedingt eine Bescheinigung (Zollbescheinigung) mitgenommen werden, damit das Diabetesequipment (Spritzen, Insulin, Messstreifen, Pumpe, Sensoren, Blutzuckermessgerät, etc.) mit an Board genommen werden kann. Diese Bescheinigung wird von der Diabetesambulanz ausgestellt. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen darf die Pumpe offiziell nicht in den Körperscanner. Die Pumpe kann in diesem Fall abgelegt und am Körperscanner vorbei auf die andere Seite des Scanners gegeben werden.

Das Diabetesequipment gehört beim Fliegen unbedingt ins Handgepäck:

  • Insulin gefriert bei den niedrigen Temperaturen im Frachtraum und wird dadurch unbrauchbar.
  • Sollte Gepäck verloren gehen, vertauscht werden oder zu spät ankommen, fehlt sonst das Diabeteszubehör.

Wie sind die Temperaturen?

Heiß, gemäßigt oder kalt ?

Geht es in ein Urlaubsland mit hohen Temperaturen oder ist es eher kalt? In Ländern mit trockener Hitze ist der Insulinbedarf meist niedriger als gewohnt, bei feuchter Hitze hingegen kann er erhöht sein. Bei der Lagerung des Insulins muss Folgendes beachtet werden: Temperaturen über 40 °C und unter 2 °C sowie direkte Sonneneinstrahlung können das Insulin unwirksam machen. Außerdem sollten die Ampullen bruchsicher transportiert werden.

Einige Möglichkeiten für den Transport seien hier erwähnt: Leere, vorgekühlte und gepolsterte Thermoskannen, Styroporboxen, feuchte Handtücher oder Kühltaschen für Arzneimittel eignen sich gut. Im Winterurlaub sollte das Insulin möglichst nah am Körper gelagert werden, damit es nicht zu kalt wird: also die Bauchtasche unter der Skijacke oder die Pumpe in der Innentasche der Jacke tragen, nicht in der Außentasche oder in einem Rucksack!

Wie aktiv wird der Urlaub?

Strandurlaub? Wandern? Radfahren? Surfen? Schwimmen?

Die meisten Kinder und Jugendlichen sind im Urlaub aktiver als zu Hause. Dies führt zu einem niedrigeren Insulinbedarf. Vor der Abreise kann daher in einem Gespräch mit dem Diabetesteam besprochen werden, wie das Insulin in solch einem Fall zu reduzieren ist. Bei den AID-Systemen kann beispielsweise der Sportmodus genutzt werden, um Hypoglykämien zu vermeiden. Nicht alle Pumpen sind wasserdicht, daher sollten diese beim Ausüben von Wassersport (Kanufahren, Surfen, Kiten) in wasserdichten Taschen verpackt werden.

Zum Schwimmen können die Geräte abgekoppelt werden.

Welche Dokumente sind für die Einreise wichtig?

Wie oben bereits erwähnt, sollte bei Flügen unbedingt an die Zollbescheinigung gedacht werden. Ansonsten gehören der Impfausweis, die Versichertenkarte und der Diabetesausweis ins (Hand-)Gepäck. Der Impfstatus sollte vorher einmal überprüft werden: Evtl. sind bestimmte Impfungen aufzufrischen (z.B.: Tetanus) oder zusätzliche Impfungen vorzunehmen (z.B.: Hepatitis A, Gelbfieber o.ä.).

Wie ist die medizinische
Versorgung vor Ort?

Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus?

Es ist vorteilhaft, sich vor der Abreise darüber Gedanken zu machen, wie die medizinische Versorgung am Urlaubsort ist: Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus und die nächste Apotheke?

Wichtige Telefonnummern, die unbedingt VOR Antritt des Urlaubs im Handy hinterlegt werden sollten:

  • bei Sensoren bzw. Insulinpumpen: Hotline des jeweiligen Geräteherstellers
  • Notfallnummer des jeweiligen Landes
  • Telefonnummer des eigenen Diabetesteams

Was muss ich unterwegs dabei haben?

Insulin, Traubenzucker, Messgerät, sowohl lang- als auch kurzwirksame Kohlenhydrate und ausreichend Getränke (insbesondere Wasser) sollten immer griffbereit sein. Ketonmessgeräte und –messstreifen gehören bei jeder Reise dazu und dürfen nicht vergessen werden. Die Notfallspritze oder das Glukagon-Nasenspray gehören ebenfalls ins Gepäck.

Wenn der Glukosesensor ausfällt, muss die Möglichkeit der kapillären Blutzuckermessung gegeben sein. Es ist also sehr wichtig, ein Glukosemessgerät und ausreichend viele Glukosemessstreifen zusätzlich mit einzupacken.

Was ist bei Verwendung der technischen Geräte (Sensoren und Insulinpumpen) noch wichtig?

Die technischen Geräte sind alle auf eine Energieversorgung angewiesen. Es müssen also ausreichend Ersatzbatterien und /oder Ladekabel für diese Geräte mitgenommen werden. Gerade außerhalb von Deutschland werden eventuell Adapter für die Steckdosen benötigt.

Was müssen Kinder/Jugendlich mit einer Insulinpumpe oder einem AID-System beachten?

Ein AID-System bedeutet, dass normalerweise die Pumpe und der Sensor alles regeln. Was aber passiert, wenn die Technik versagt? Und das ausgerechnet, wenn man gerade auf einer einsamen Insel am Strand in der Sonne liegt oder mitten in den Alpen wandert? Solche Situationen gibt es zum Glück selten, sie sind aber möglich!

Dringend sollte der aktuelle Insulinplan mit den aktuellen Pumpeneinstellungen, entweder in Papierform oder als elektronisches Dokument z.B. auf dem Handy dabei sein. Die Pumpenfirmen garantieren zwar innerhalb Europas eine Lieferzeit von ca. 8-24 Stunden für eine Ersatzpumpe, diese wird jedoch im Neuzustand geliefert; die Einstellungen müssen dann alle neu vorgenommen werden.

Außerdem sollte ein Spritzplan vorliegen, damit die Zeit bis zur Lieferung der Ersatzpumpe überbrückt werden kann. Der Spritzplan allein hilft allerdings auch nicht weiter: Wichtig sind auch die entsprechenden Utensilien wie Spritzen, Pens und Insulin. Für den Urlaub außerhalb Europas empfehlen wir, vor dem Urlaub beim Hersteller nach einer Ersatzpumpe zu fragen. Im Flugzeug muss eventuell (herstellerabhängig) der Flugmodus eingeschaltet werden.

Zur weiteren Lektüre: Weitere Informationen zum Thema Reisen und Diabetes gibt es z.B. hier: “Wenn Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes reisen” – Ein Wegweiser für Eltern und Betreuer und “Unterwegs mit Diabetes”. Beide Broschüren sind unter diabetesstiftung.de zu finden

Fazit

  • Reisen mit Diabetes wollen gut vorbereitet werden
  • Hohe oder niedrige Temperaturen verändern den Insulinbedarf
  • Im Urlaub ist der Insulinbedarf meist niedriger aufgrund höherer Aktivität
  • Auf einen Ausfall der Technik bei Verwendung von Sensoren, Pumpen und AID-Systemen sollte man vorbereitet sein
  • Ein Spritzplan sowie die Einstellungen der Pumpe sollten vorliegen
  • Ausreichend Verbrauchsmaterialien sollten mitgenommen werden
  • Notfallnummern im Handy abspeichern|
  • Diabeteszubehör gehört ins Handgepäck, denn dort kann es nicht verloren gehen.

von Dr. med. Nicolin Datz

Dr. Nicolin Datz ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderendokrinologie und Diabetologie und Ernährungsmedizin. Sie ist tätig in der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie am endokrinologikum Hannover.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2023; 11 (2) Seite 24-26

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: 25 Jahre „Diabetes-Kids“ – im Gespräch mit Michael Bertsch
Aus persönlicher Not wurde eine große Community: Als Michael Bertschs Tochter mit anderthalb Jahren Typ-1-Diabetes bekam, fehlten brauchbare Infos für Familien. Heute, 25 Jahre später, erreicht „Diabetes-Kids" jährlich hunderte Betroffene – mit Events, Beratung und Vernetzung. In dieser Podcast-Folge gibt er einen Einblick.
Diabetes-Anker-Podcast: 25 Jahre „Diabetes-Kids“ – im Gespräch mit Michael Bertsch | Foto: MedTriX / privat

2 Minuten

Probleme in der Schule durch Diabetes-Technologie – was piept denn da?
Wenn CGM-Sensoren oder Insulinpumpen im Unterricht Alarm schlagen, fühlen sich Kinder mit Diabetes oft bloßgestellt. Missverständnisse mit Lehrkräften oder Mitschülern sind die Folge. Aufklärungsgespräche schaffen Sicherheit und verhindern Konflikte.
Probleme in der Schule durch Diabetes-Technologie – was piept denn da? | Foto: contrastwerkstatt – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände