Sorgen vor Nährstoffmangel: Mein Kind isst kein Fleisch mehr …

3 Minuten

Sorgen vor Nährstoffmangel: Mein Kind isst kein Fleisch mehr … | Foto: Krankenimages.com – stock.adobe.com
Foto: Krankenimages.com – stock.adobe.com
Sorgen vor Nährstoffmangel: Mein Kind isst kein Fleisch mehr …

Immer mehr Menschen entscheiden sich, weniger oder keine Lebensmittel tierischer Herkunft mehr zu verzehren. 2020 gaben bereits 5 Prozent der befragten Jugendlichen an, sich vegetarisch zu ernähren. Dieser Trend betrifft auch Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Da für diese jungen Menschen dieselben Ernährungsregeln gelten wie für Stoffwechselgesunde, wird auch im Umgang mit pflanzenbasierter, vegetarischer oder veganer Kost kein Unterschied gemacht.

Es gibt verschiedene Varianten der vegetarischen Ernährung. Alle Menschen, die sich vegetarisch ernähren, verzichten auf Fleisch und Fisch jeglicher Herkunft und daraus hergestellte Lebensmittel. Bei veganer Ernährung meiden sie alle tierischen Produkte, also auch Milch, Ei, Honig usw.

Warum entscheiden sich Menschen dafür?

Die Gründe sind vielschichtig. Am häufigsten wird das Vermeiden von Tierleid angegeben, „um der Umwelt weniger zu schaden“ am zweithäufigsten. Auch die Gesundheit spielt bei über der Hälfte der Befragten eine Rolle. Eher selten wird eine Abneigung gegen den Geschmack tierischer Produkte genannt.

Auch bei Heranwachsenden dürften Gewissenskonflikte und Mitleid mit Tieren eine wichtige Rolle spielen. Einerseits sehen Kinder in Büchern und anderen Medien niedliche Tiere, die sprechen und Gefühle haben. Andererseits wird das Fleisch solcher Tiere als Essen serviert.

So kann es auch kommen, dass Fleisch verweigert, Wurst aber weiterhin gegessen wird, da diese sich besser vom lebenden Tier abgrenzen lässt. Weitere Gründe für eine „bessere Ernährung“, vor allem für Jugendliche, sind u. a. Umweltschutz, Zugehörigkeit zu einer Gruppe, soziale Medien und Abgrenzung von der Eltern-Generation.

Müssen sich Eltern nun Sorgen machen?

Ist vegetarische Ernährung aber wirklich gesünder als Mischkost? Studien zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigen, dass viele Heranwachsende zu wenig Gemüse, fettarme Milchprodukte und Vollkornprodukte verzehren. Dagegen werden deutlich zu viel Zucker, zu viele hoch verarbeitete Lebensmittel sowie fettreiche Fleisch- und Wurstsorten konsumiert.

Wenn bei einer solch ungünstigen Ernährung tierische Produkte durch vegane Ersatz-Produkte ausgetauscht werden, führt das zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen. Fleisch-Ersatzprodukte sind oft hoch verarbeitete Meisterwerke der Lebensmittelindustrie. Ziel ist ein dem Original möglichst ähnliches Erzeugnis – ob nennenswerte Mengen an Eiweiß oder Mineralstoffen enthalten sind, hat für den Hersteller keine Relevanz. Der Nährwert solcher Produkte ist also oft gering.

Ebenso kritisch sollten auch Milch-Ersatzprodukte betrachtet werden. Veganer Käse-Ersatz aus Wasser, Verdickungsmittel und Kokosfett ist nur optisch ein Ersatz für Käse aus Milch. Pflanzendrinks beispielsweise sollten immer eine eiweißhaltige Zutat und Kalzium-Zusatz haben. Gute vegetarische Lebensmittel, die tierische Produkte ersetzen sollen, haben eine kurze Zutatenliste und liefern größere Mengen an hochwertigem Eiweiß.

Die wichtigste vegane Eiweißquelle sind Hülsenfrüchte. Dazu zählen Linsen, Bohnen und Erbsen und deren Produkte wie Tofu, Hummus usw. Hier ist zu beachten, dass diese Produkte schnell und langsam wirksame Kohlenhydrate enthalten können, die entsprechend bei der Insulingabe berücksichtig werden sollten.

Tab. 1: Kritische Nährstoffe ohne Fleisch und Fisch
Nährstoff
enthalten in
Eisen Eigelb, Haferflocken, Gemüse, Hülsenfrüchte
Zink Eier, Milchprodukte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse
Wichtige Fettsäuren Nüsse, Leinöl, Rapsöl, Mikroalgenöl
Vitamin B12 Milchprodukte, Ei
Vitamin D Ei, Pilze, Sonnenbestrahlung
Jod Milchprodukte, Jodsalz
Selen Milch, Eier; Paranüsse

Was ist außer Eiweiß noch kritisch?

Durch das Meiden ganzer Lebensmittelgruppen kann es zum Mangel an wichtigen Nährstoffen kommen. Werden neben pflanzlichen Lebensmitteln ausreichend Milchprodukte und Eier verzehrt, ist der Nährstoffbedarf gut zu decken. Eine ausreichende Zufuhr von Jod und Vitamin B12 ist allerdings schwierig, sodass die entsprechenden Werte kontrolliert und bei Bedarf Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollten.

Bei einer veganen Ernährung ist das Risiko eines Nährstoffmangels deutlich höher. Hier ist unbedingt eine Kontrolle der kritischen Nährstoffe notwendig, um die Gesundheit zu schützen. Immer muss eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin B12 erfolgen.

Die Qualität der Eiweißzufuhr kann durch Kombination verschiedener Eiweißquellen erhöht werden, z. B. Getreide mit Hülsenfrüchten. Vollkornbrot mit Hummus, Müsli mit Nüssen oder Erbsen im Nudeltopf sind gute Beispiele.

Tab. 2: Kritische Nährstoffe ohne tierische Lebensmittel
Nährstoff
enthalten in
Vitamin B12 zwingend Nahrungsergänzungsmittel notwendig
Vitamin B2 Samen, Nüsse, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse, Vollkorngetreide
Vitamin D Pilze, Sonnenbestrahlung
wichtige Fettsäuren Nüsse, Leinöl, Rapsöl, Mikroalgenöl
Eisen Haferflocken, Gemüse, Hülsenfrüchte
Kalzium grünes Gemüse, Samen, Nüsse, calciumreiches Wasser, angereicherte Milchersatzprodukte
Zink Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse
Jod Jodsalz
Selen Paranüsse
Eiweiß Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Getreide

Und das soll gesund sein?

Eine gut geplante Auswahl an pflanzlichen Lebensmitteln kann uns mit beinahe allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgen, solange mindestens Vitamin B12 zusätzlich eingenommen wird. Allerdings ist eine vegane Ernährung, vor allem bei Heranwachsenden, mit einem höheren Risiko für Mängel verbunden. Daher wird davon eher abgeraten. Eine ausgewogene Ernährung ohne Fleisch und Fisch, aber mit Milchprodukten und Eiern kann hingegen auf Dauer empfohlen werden.

Viele Studien weltweit zeigen gesundheitliche Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder bestimmte Krebsarten zu bekommen, ist geringer. Dafür muss nicht komplett auf Fleisch oder Fisch verzichtet werden. Weniger Fleisch, hin und wieder Fisch, täglich Milchprodukte und immer viel Gemüse und Hülsenfrüchte, Obst, Getreideprodukte, hochwertige Öle und täglich Nüsse sorgen für eine sichere Versorgung der ganzen Familie.

Mehr zu vegetarischer und veganer Ernährung auf der Website des Kompetenzzentrums für Ernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (KErn)


von Dipl. oec. troph. Sibylle Kapellen

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (7) Seite 42-43

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Neues Kochbuch mit rund 100 Rezepten: Blutzuckerfreundlich kochen und genießen – ohne Verzicht und Spezialzutaten
Ernährungs-Expertin Kirsten Metternich von Wolff zeigt in ihrem neuen Kochbuch „Blutzuckerfreundlich genießen – Rezepte für ein gesundes Leben“, wie eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gelingt. Mit rund 100 Rezepten, aber ohne Verzicht oder Spezialzutaten, sondern mit gängigen Produkten aus dem Supermarkt
Neues Kochbuch mit rund 100 Rezepten: Blutzuckerfreundlich kochen und genießen – ohne Verzicht und Spezialzutaten | Foto: MedTriX / tarapatta – stock.adobe.com

4 Minuten

Wissenschaftlicher Blick auf Ernährungstrends: Intervallfasten, Low Carb oder Vegan bei Diabetes
Welche Ernährungsform ist bei Diabetes mellitus am besten geeignet? Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) hat untersucht, was wissenschaftlich wirklich belegt ist – und wie sich beliebte Ernährungstrends auf Blutzucker, Gewicht und Stoffwechsel auswirken. Im Fokus standen dabei Intervallfasten, Low Carb und vegane Ernährung. Ziel der Analyse: Chancen und Risiken dieser Ansätze verständlich einzuordnen.
Wissenschaftlicher Blick auf Ernährungstrends: Intervallfasten, Low Carb oder Vegan bei Diabetes | Foto: Alexander Raths – stock.adobe.com

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände