Süße Weihnachtszeit: Plätzchen-Genuss und Zöliakie

3 Minuten

Süße Weihnachtszeit: Plätzchen-Genuss und Zöliakie | Foto: Twopictures - stock.adobe.com
Foto: Twopictures - stock.adobe.com
Süße Weihnachtszeit: Plätzchen-Genuss und Zöliakie

Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen eine der schönsten Phasen des Jahres: Lichterglanz, der Duft von Zimt in der Luft und natürlich die süßen Klassiker wie Plätzchen, Stollen und Lebkuchen. Doch für Menschen mit Typ-1-Diabetes und Zöliakie kann diese Zeit auch mit Unsicherheit und Verzicht verbunden sein.

Was auf den ersten Blick nach harmloser Weihnachtsfreude aussieht, ist bei genauerem Hinsehen oft eine Herausforderung: kohlenhydratreiches, glutenhaltiges Süßgebäck, das einerseits die Blutzuckerwerte beeinflusst und andererseits für Menschen mit Zöliakie tabu ist.

Trotzdem gilt: Weihnachten und Plätzchen-Genuss schließen sich nicht aus, auch nicht mit zwei chronischen Erkrankungen. Mit ein wenig Planung, den geeigneten Zutaten und einem bewussten Umgang mit Ernährung lässt sich die Adventszeit in vollen Zügen genießen.

Zwei Autoimmun-Erkrankungen – doppelte Verantwortung

Sowohl Typ-1-Diabetes als auch Zöliakie sind Autoimmun-Erkrankungen, die sich in ihren Anforderungen deutlich voneinander unterscheiden. Im Alltag müssen sie jedoch oft gemeinsam bewältigt werden.

Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Betroffene müssen ihre Blutzuckerwerte regelmäßig messen und Insulin spritzen, entsprechend der aufgenommenen Menge an Kohlenhydraten. Gerade süße Speisen mit hohem Zucker-Gehalt führen schnell zu einem starken Anstieg der Blutzuckerwerte. Entsprechend wichtig ist das genaue Einschätzen der enthaltenen Kohlenhydrate.

Zöliakie ist eine chronische Entzündung des Dünndarms, ausgelöst durch das Kleber-Eiweiß Gluten, das u.a. in Weizen, Dinkel oder Roggen vorkommt. Selbst kleinste Mengen reichen aus, um eine Immun-Reaktion auszulösen, die langfristig den Darm schädigen kann. Die einzig wirksame Therapie besteht in einer lebenslangen strikt glutenfreien Ernährung.

Studien zeigen, dass etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Zöliakie entwickeln. Aus diesem Grund gehört eine regelmäßige Kontroll-Untersuchung auf Zöliakie inzwischen zum medizinischen Standard bei der Betreuung von Menschen mit Typ-1-Diabetes.

Weihnachtsbäckerei mit Zöliakie und Diabetes

Wer sowohl auf die Blutzuckerwerte als auch auf Gluten achten muss, kann traditionelle Rezepte mit vielen leckeren Alternativen zubereiten. Das beginnt bei der Mehl-Auswahl.

Klassisches Weizen- oder Dinkelmehl wird durch glutenfreie Mehle ersetzt, z.B.:

  • Mandelmehl,
  • Reismehl,
  • Buchweizenmehl,
  • Mais- oder Kastanienmehl,
  • glutenfreie Mehlmischungen.

Diese Mehle verhalten sich beim Backen anders als Varianten mit Gluten. Sie benötigen für eine stabile Teig-Struktur häufig Bindemittel wie Ei, Flohsamenschalen, Xanthan, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl oder Chia- und Leinsamen.

Glutenfreier Hafer


Auch zertifiziert glutenfreier Hafer kann bei Menschen mit Zöliakie problematisch sein. Verantwortlich hierfür ist das im Hafer enthaltene Avenin, ein glutenähnlicher Eiweißstoff. Dieser kann in seltenen Fällen Immun-Reaktionen auslösen. Der schrittweise Einsatz von Hafer bei Zöliakie sollte daher nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Dabei sollten regelmäßig die Blutwerte kontrolliert werden, um zu prüfen, ob der Körper den Hafer verträgt.

Kohlenhydrate im Blick

Auch wenn bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kein genereller Zucker-Verzicht nötig ist, muss jede Portion Süßgebäck in das Berechnen der Insulin-Dosen einbezogen werden. Besonders bei Kindern ist es hilfreich, die Plätzchen so zu gestalten, dass die Kohlenhydrat-Menge pro Stück gut eingeschätzt werden kann. Standardisierte Ausstechformen oder das Abwiegen der gesamten Teig-Menge vor dem Backen können dabei helfen.

Praktische Tipps für die Adventszeit

  • Passende Rezepte auswählen: Es lohnt sich, auf Rezepte zurückzugreifen, die von vornherein glutenfrei sind, z.B. Kokos-Makronen oder Zimt-Nuss-Plätzchen. Es existieren bereits viele Rezepte für traditionelles Gebäck auch in der glutenfreien Variante.
  • Zutaten genau prüfen: Bei verarbeiteten Zutaten wie Backpulver, Kuvertüre, Marzipan oder Dekor sollte die Zutaten-Liste geprüft werden.
  • Klare Trennung in der Küche: Wenn in einem Haushalt gleichzeitig glutenhaltig und glutenfrei gebacken wird, kann es zur Kreuzkontamination kommen, also der Übertragung von Gluten auf glutenfreie Lebensmittel. Daher gilt: eigene Arbeitsflächen, Backformen, Rührgeräte und Aufbewahrungsdosen für glutenfreies Gebäck verwenden.
  • Kleine Mengen backen, gezielt genießen: Kleinere Portionen helfen nicht nur beim Dosieren des Insulins, sondern auch beim bewussten Genießen. Eine kleine Nascherei zur richtigen Zeit, zum Beispiel im Rahmen einer Mahlzeit, lässt sich oft gut in den Tagesplan integrieren.
  • Plätzchen einfrieren: Wer große Mengen auf einmal backt, kann einen Teil einfrieren. So bleibt das Gebäck frisch und die Verführung ist weniger groß.

Glutenfrei Backen

Weihnachten stellt Menschen mit Typ-1-Diabetes und Zöliakie vor besondere Herausforderungen, doch mit unserem Rezept für glutenfreie Vanillekipferl wird die Adventszeit nicht zur Belastung, sondern zum Genuss.

Rezept für glutenfreie Vanillekipferl

Fazit

Weihnachten stellt Menschen mit Typ-1-Diabetes und Zöliakie vor besondere Herausforderungen, doch mit etwas Vorbereitung wird die Plätzchen-Zeit nicht zur Belastung, sondern zur Chance: für neue Rezepte, mehr Achtsamkeit und ganz viel Genuss.

Frohe Weihnachten – mit Herz, Achtsamkeit und ganz viel Genuss im Rahmen des Möglichen!


von Sarah Obst

Avatar von sarah-obst

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 74 (12) Seite 44-45

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Community-Rezept: Vietnamesische Sommerrollen mit Gambas von Chrissi
Frische Kräuter, zartes Gemüse und würzige Gambas: Dieses Community-Rezept für vietnamesische Sommerrollen zeigt, wie leicht und aromatisch eine ausgewogene Mahlzeit sein kann. In rund 30 Minuten entsteht ein exotisches Gericht – ideal für warme Tage und unkomplizierte Genussmomente.
Community-Rezept: Vietnamesische Sommerrollen mit Gambas von Chrissi | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch / Frank Rossbach

3 Minuten

Weitere Autoimmunerkrankung: Zöliakie oft Begleiter des Typ-1-Diabetes
Eine Zöliakie, also eine Unverträglichkeit von Gluten, tritt häufig zusammen mit einem Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen auf. Wichtig sind deshalb ein regelmäßiges Screening und eine glutenfreie Ernährung.
Weitere Autoimmunerkrankung - Zöliakie oft Begleiter des Typ-1-Diabetes | Foto: Miljan Živković – stock.adobe.com

4 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%