- Ernährung
Besiedlung durch Bakterien: Was dem Darm guttut
5 Minuten
Was beim bloßen Betrachten des Körpers verborgen bleibt, sind sämtliche Teilchen im Inneren, wie mikroskopisch kleine Verbündete. Sie begleiten und unterstützen den Organismus bei zahlreichen Aufgaben. Sie verteidigen und schützen ihn vor schädlichen Einflüssen von innen und außen. Doch wer sind die kleinen Verbündeten?
Es sind Milliarden von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Viren, die den menschlichen Körper besiedeln. Ein großer Teil davon lebt im Dickdarm. Experten sprechen vom Darm-Mikrobiom, auch als Darmflora bekannt. Die Mikroorganismen unterstützen die Verdauung, entfernen Abfall-Produkte und können anscheinend noch weitaus mehr. Diese Bakterien-Gemeinschaft ist sehr aktiv am Stoffwechsel beteiligt und bildet zahlreiche nützliche Botenstoffe – wenn sich die Darmflora im Gleichgewicht befindet.
Diese Botenstoffe wirken sowohl im Darm als auch auf den gesamten Organismus. Dadurch beeinflusst der Darm die Gesundheit sowie das Auftreten und Fortschreiten von Erkrankungen. Aus diesem Grund gewinnt der Darm mitsamt seiner Besiedlung in Bezug auf die menschliche Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Weil die gesunden Bakterien die Darmwand dicht besetzen, ist kein Platz für krankmachende Erreger.
Die Zusammensetzung des menschlichen Mikrobioms ist sehr variabel. Gesteuert wird sie durch die Ernährung, die Funktion des Immunsystems sowie die Einnahme von Medikamenten und auch zum Beispiel durch übermäßigen Gebrauch von Antibiotika, Alkohol oder anderen Stoffen. Ist das Mikrobiom nicht im Gleichgewicht, können sich Krankheits-Erreger ausbreiten. Neben den krankmachenden Keimen können dann auch Bakterien, die die Gesundheit fördern, zerstört werden. Auch bei Adipositas, Metabolischem Syndrom, Diabetes oder chronisch entzündlichen Darm-Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn kann das Mikrobiom im Ungleichgewicht sein – was anscheinend Ursache und Folge gleichermaßen ist. Eindeutig geklärt ist dies bislang nicht.
Ernährung und Darm-Gesundheit
Für die Zusammensetzung der Darm-Bakterien ist die Ernährung mitentscheidend. Je nach Zusammensetzung wird das Mikrobiom sehr stark beeinflusst. Um besser zu verstehen, welch wichtige Rolle eine passende Ernährung dabei spielt, ist es wichtig, einen genaueren Blick auf die Welt der Bakterien in der Darmflora zu werfen.
Bereits bei der Geburt wird der Grundstein für ein robustes Mikrobiom gelegt. Das Neugeborene kommt auf dem Weg durch den Geburtskanal in Kontakt mit dem natürlichen Mikrobiom der Mutter, wodurch das Immunsystem des Kinds angeregt wird. Dieser bakterielle Erstkontakt führt dazu, dass sich eine typische Flora im Darm ansiedelt. Kindern, die mit Kaiserschnitt auf die Welt kommen, fehlt diese Erstbesiedlung, weshalb sie ein höheres Risiko für Zivilisations-Krankheiten haben.
Doch wie lässt sich die Darmflora gesund erhalten oder positiv stärken? Gibt es einen geeigneten Weg, sie über die Ernährung günstig zu beeinflussen? In den letzten Jahren ist das Mikrobiom immer weiter in den Fokus der Forschung gerückt. Auch wenn es noch viel zu erforschen gibt und noch viele Fragen offen sind, scheinen der individuelle Lebensstil und persönliche Ess-Gewohnheiten Einfluss auf das Darm-Mikrobiom zu haben. Doch was genau tut dem Darm gut?
Gut kauen, viel trinken
Für den Darm scheint es eine große Hilfe zu sein, wenn die Nahrung gut gekaut wird. Das ist wichtig, um die Nährstoffe ideal aufnehmen zu können. Damit der Darm ordentlich funktionieren kann, ist es außerdem wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu trinken. Nur so können Prozesse wie Verdauung und Reinigung optimal funktionieren. Mindestens eineinhalb Liter sollten es täglich sein, am besten als Wasser, ungesüßter Tee oder ungezuckerte, stark verdünnte Gemüse- und Fruchtsäfte.
Prinzipiell stellen alle Inhaltsstoffe der Nahrung Futter für dessen Bakterien dar. Die Haupt-Energiequelle sind aber Ballaststoffe, die Präbiotika. Lange Zeit galten sie als unnütz, als Ballast, weil der Darm aus ihnen praktisch keine Energie ziehen kann und sie einfach wieder ausscheidet. Inzwischen wissen es Ärzte und Ernährungswissenschaftler besser: Ballaststoffe sind lebenswichtig und gesund.
Wie wirken Ballaststoffe?
Ballaststoffe sind weitgehend unverdauliche Nahrungs-Bestandteile, die vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen. Vorrangig enthalten sind sie in Hülsenfrüchten, Vollkorn-Produkten, Leinsamen, Kleie, frischem Gemüse und Obst. Ihnen wird eine vorbeugende Wirkung gegenüber Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und der koronaren Herzkrankheit (KHK) zugeschrieben. Trotzdem werden nach wie vor zu wenige Ballaststoffe gegessen.
Es gibt zwei Arten von Ballaststoffen: wasserlösliche und wasserunlösliche. Wasserlösliche Ballaststoffe sind vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln wie Äpfeln, Kartoffeln und Hafer zu finden. Sie ziehen Wasser an und quellen dadurch auf, weshalb sie auch als Quellstoffe bezeichnet werden. Zudem können diese Stoffe im Dickdarm von den dort ansässigen Bakterien teilweise zu Gasen und Fettsäuren umgewandelt werden und dienen so den förderlichen Darm-Bakterien als Nahrung. Die Verbreitung unerwünschter Mikroorganismen kann dadurch gehemmt werden.
Durch das Aufquellen sowie eine verlängerte Verweildauer des Speisebreis im Magen sorgen sie für eine längere Sättigung, damit verbunden auch für ein Verringern der Nahrungsmittel-Zufuhr, was wiederum zur verminderten Energie-Aufnahme führt. Eine schnellere Sättigung und eine damit verbundene Energie-Reduktion können eine große Hilfe beim Kampf gegen überschüssige Pfunde sein. Bestimmte Ballaststoffe wirken ausgleichend auf den Cholesterin-Spiegel sowie auf die Insulin-Resistenz.
Hafertage zur Steigerung der Insulin-Empfindlichkeit
Aus diesem Grund werden Menschen mit Typ-2-Diabetes, die meist Insulin-resistent sind, nicht selten Hafertage verordnet. Ziel dieser Hafertage ist es, die Insulin-Empfindlichkeit zu erhöhen und somit die Wirksamkeit von körpereigenem oder zugeführtem Insulin zu verbessern. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Glukosewerte um 25 bis 40 Prozent gesenkt und die Insulin-Dosis teilweise um mehr als 40 Prozent reduziert werden können. Zuzuschreiben ist dieser positive Effekt den Beta-Glucanen im Hafer.
Daneben gibt es die nicht wasserlöslichen Ballaststoffe, wie Zellulose und Lignin. Sie kommen in erster Linie in Vollkorn-Produkten, Pilzen und Hülsenfrüchten vor. Im Darm werden sie kaum von den Bakterien abgebaut, sondern verbleiben gewissermaßen am Stück und vergrößern auf diese Weise das Magen- und später das Stuhl-Volumen. Im Gegensatz zu den löslichen Ballaststoffen binden unlösliche Ballaststoffe kein Wasser, wodurch sie sehr fest sind. Dadurch können sie einen erheblichen Druck auf die Innenwand des Magens ausüben, was für die Verdauung sehr förderlich ist. Dank ihnen wird die Bewegung des Darms angeregt und der Transport des Stuhlgangs auf natürliche Weise beschleunigt.
Kohlenhydrate unterscheiden sich
Haben Sie schon einmal etwas über das Thema resistente Stärke gehört? Es heißt oft, dass sie positive Auswirkungen zum Beispiel auf Ihren Blutzucker-Verlauf haben kann. Aber was genau ist damit gemeint und welchen Bezug hat diese Stärke zum Darm? Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate. So gibt es sehr schnell resorbierbare, am bekanntesten wohl Traubenzucker, der rasch in die Blutbahn gelangt und dadurch zu einem direkten Anstieg des Blutzuckers führt.
Andere wiederum führen eher zu einem gemächlichen Anstieg, typischerweise nach dem Genuss von Vollkorn-Produkten oder Hülsenfrüchten. Dass diese stärkehaltigen Nahrungsmittel langsamer ins Blut gelangen, hängt u. a. mit der Anzahl der Zuckerbausteine zusammen, aus denen die verzehrten Kohlenhydrate bestehen. Je länger die Zuckerkette ist, desto langsamer steigt der Blutzucker an.
Resistente Stärke wird nicht verdaut
Doch was hat es nun mit der resistenten Stärke auf sich? Wer bisher Nudeln, Kartoffeln und Co. vom Vortag entsorgt hat, sollte nun genau aufpassen. Denn gekochte, stärkehaltige Nahrungsmittel entfalten ihren wahren Nutzen erst, nachdem sie einmal abgekühlt waren. Werden sie also nicht sofort nach dem Kochen gegessen, sondern abgekühlt und beispielsweise erst am nächsten Tag verzehrt, haben sie eine geringere Auswirkung auf den Blutzucker.
Dies liegt daran, dass ein Teil der Kohlenhydrate nach und nach zu resistenter Stärke in Form von Ballaststoffen umgewandelt wird. Körpereigene Enzyme sind nicht in der Lage, diese Ballaststoffe abzubauen. Sie können also unverdaut den Darm passieren. Aus diesem Grund steigt der Blutzucker nach der Mahlzeit weniger stark an. Natürlich dürfen die Mahlzeiten am nächsten Tag auch warm verzehrt werden. Die resistente Stärke wird durch das Wiedererwärmen nicht wieder zu verdaulicher Stärke.
Im Dickdarm angelangt, wird die resistente Stärke von Bakterien abgebaut und es entstehen kurzkettige Fettsäuren. Diese sind die wichtigste Energie-Quelle für Zellen der Dickdarm-Schleimhaut. Ebenso beeinflussen die Fettsäuren auch die Zellteilung und -differenzierung und verhindern dadurch ein unkontrolliertes Vermehren von Tumorzellen. Aus diesem Grund wird vermutet, dass resistente Stärke zum Schutz vor Dickdarm-Krebs beitragen kann. Endgültig bewiesen ist diese Hypothese allerdings noch nicht.
Eine westlich geprägte Ernährung, arm an Ballaststoffen, ist mit einer Abnahme der nützlichen Darm-Bakterien und einer Zunahme der in die Schleimhaut eindringenden, krankmachenden Bakterien verbunden. Deshalb ist es zu begrüßen, wenn die Aufnahme von Stärke und Ballaststoffen zunimmt. Durch den vermehrten Verzehr von Getreide-Produkten, Kartoffeln, frischem Gemüse und Obst erhöht sich auch die Aufnahme anderer wünschenswerter Substanzen. Im Gegenzug kommen weniger tierische Lebensmittel auf den Tisch. Ein kritischer Blick auf Ihren Teller lohnt sich also immer.
Schwerpunkt „Ernährung für eine gute Gesundheit“
- Essen und Gesundheit: Was stimmt, was nicht?
- Viele Mythen zu Süß-Alternativen
- Besiedlung durch Bakterien: Was dem Darm guttut
- Interview: Viele Ballaststoffe essen
- Warum die Leber bei Diabetes so wichtig ist
von Simone Pschiebl
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (6) Seite 24-27
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Tagen, 8 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 2 Tagen, 8 Stunden
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 2 Tagen, 6 Stunden
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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calvin240 antwortete vor 1 Tag, 2 Stunden
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 3 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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