- Ernährung
Interview: Typgerecht essen bei Typ-2-Diabetes
3 Minuten
Insbesondere Menschen mit Typ-2-Diabetes sind immer wieder auf der Suche nach der für sie passenden und auf Dauer praktikablen Ernährungstherapie. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es nicht die einzig allein gültige Empfehlung gibt, sondern dass diese nach Möglichkeit individualisiert sein sollte. Dr. Astrid Tombek (Diabetes Zentrum Mergentheim) hat dazu die Berliner Ernährungsmedizinerin Professor Dr. Diana Rubin befragt.
Im Interview: Professor Dr. Diana Rubin

Professor Dr. Diana Rubin ist Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin der Vivantes Kliniken Berlin. Sie behandelt Menschen mit ernährungsabhängigen Erkrankungen wie Diabetes, Mangelernährung und chronischen Magen-Darm-Erkrankungen. Außerdem ist Professor Rubin wissenschaftlich tätig im Bereich Nutrigenetik (Forschung über Zusammenhänge zwischen Ernährung und Genen) und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.
Diabetes-Anker (DA): Frau Professor Rubin, verstoffwechseln Menschen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett unterschiedlich?
Professor Dr. Diana Rubin: Wir wissen, dass die Verwertbarkeit von Nährstoffen individuell sehr unterschiedlich sein kann. Jedoch kann man dieses Phänomen bisher wissenschaftlich nicht so eingrenzen, dass man Personen verschiedenen Ernährungstypen zuordnen kann. Hinweise aus der Praxis gibt es zudem im Bereich der Sättigung. Hinzu kommt, dass kulinarische Vorlieben der Menschen individuell sind.
DA: Welche Rolle spielen die Gene bei der Verwertung der Nährstoffe?
Prof. Rubin: Die genetische Ausstattung spielt eine erhebliche Rolle. Dazu gab es in der Vergangenheit verschiedene Zwillingsstudien. Auch die sogenannte Epigenetik – also die erworbene Genetik, beispielsweise die Vererbung des Kindes durch Essgewohnheiten der Mutter in der Schwangerschaft, spielt eine Rolle. Das Fachgebiet Ernährung und Gene heißt Nutrigenetik. Jedoch sind die Wissenschaftler noch nicht so weit, dass sie unterschiedliche genetische Ernährungstypen benennen können. Deshalb gibt es derzeit noch keine individualisierten Ernährungsempfehlungen, wie es sich Betroffene und Laien vorstellen.
Buchttipps und interessante Internetseiten
- Ernährungsempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft unter: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
- „Epigenetik – Wie unsere Erfahrungen vererbt werden“, Bernhard Kegel, DuMont Buchverlag, 9,95 €, ISBN: 978-3-8321-6318-1
- Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung – Mit den 12 wichtigsten Regeln der gesunden Ernährung. Bas Kast, Verlag C. Bertelsmann, 20,00 €, ISBN: 978-3-570-10-319-7
DA: Welche Rolle spielen die Gene bei der Entwicklung von Übergewicht?
Prof. Rubin: Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Übergewicht und Diabetes Typ 2 vererbt werden. Dazu wurden verschiedene Genmutationen identifiziert. Allerdings ist die Vererbung komplexer als nur die Mutation eines Genes. Wir wissen von Hunderten möglichen Risikokombinationen. Des Weiteren spielt das erlernte Verhalten ebenso eine große Rolle.
DA: Wie stehen Sie zu den Angeboten von bestimmten Unternehmen, bei denen man sein Erbgut sequenzieren lassen kann?
Prof. Rubin: Da es aktuell keine wissenschaftlich begründeten maßgeschneiderten Ernährungsempfehlungen gibt, sind diese Angebote kritisch zu sehen.
DA: Welche Ernährung ist günstig bei Diabetes? Was meint dann individualisierte Ernährungsempfehlung?
Prof. Rubin: Da Ernährung ein wichtiger Therapiebaustein bei Typ-2-Diabetes ist und lebenslang durchgeführt werden muss, sollte die Empfehlung zu einem persönlich passen. Es ist wichtig, nur so viele Kalorien zu essen, wie man benötigt, und möglichst viele Ballaststoffe zu essen. Um dies dauerhaft durchführen zu können und dabei satt zu werden, muss das Essen schmecken. D. h. einer kann nicht auf Kohlenhydrate verzichten, dem anderen fällt dies leicht. Die Ernährungsberatung im Rahmen der Diabetesschulung kann helfen, das gut herauszuarbeiten.
DA: Frau Professor Rubin, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Schwerpunkt „Typ-2-Diabetes – Was ist das Gelbe vom Ei?“
- Interview: Typgerecht essen bei Typ-2-Diabetes
- Typ-2-Diabetes: Was sollte auf den Teller?
- Nein zu Eiern, Fleisch, Milch und Co – geht das?
- Ernährungstipps: Wahrheit oder Mythos?
Interview: Dr. oec. troph. Astrid Tombek
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (4) Seite 18-19
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
4 Minuten
- Ernährung
2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
