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Steffis Notizbuch – Psyche, Sucht und Diabetes
5 Minuten

[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Marken- und Produktnennung.]
Ich sitze heulend auf dem Wohnzimmerteppich. Endlich spüre ich etwas. Verletzlichkeit, Schmerz, Verzweiflung. Will ganz fest gehalten werden, damit es mich nicht zerreißt, damit ich spüre, dass es mich gibt, dass ich hier bin, dass ich lebe. Ich bin süchtig. Süchtig nach dem Gefühl der Lebendigkeit. Süchtig nach der Süße des Lebens. (Weil ich mit 1 Jahr die Diagnose Typ-1-Diabetes bekommen habe?)
Christian Schubert ist Arzt, Psychotherapeut und Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie an der Medizinischen Klinik der Uni Innsbruck. In seinem Buch „Was uns krank macht – was uns heilt“ schreibt er, dass der Hauptauslöser für chronische Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Herz- und Autoimmunkrankheiten meist Stress sei. Besonders Dauerstress. Geradezu schicksalhaft wirke auch traumatischer Stress in der Kindheit.
Es wird gerade so viel geforscht, was technische Entwicklungen in der Gesundheitsbranche angeht. Dazu kommen die Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz.

Doch wo bleibt die emotionale Intelligenz?
Wieso hat das Wissen um Diabetes und psychische Erkrankungen in der Breite, bei Diabetologen, Diabetesberatern und in Praxen noch keinen Einzug gehalten?
Emotionale Weiterentwicklung als Notwendigkeit gegen psychische Erkrankungen und Suchtverhalten
Und was ist mit dem drastischen Anstieg psychischer Erkrankungen?* Ich glaube, dass der Mensch mit Hilfe seines Verstandes gerade immer mehr entwickelt und (er)schafft. Doch die emotionale Weiterentwicklung bleibt dabei oftmals auf der Strecke. Was das aus meiner Sicht konkret für den Einzelnen bedeutet? Findet keine emotionale Entwicklung statt, spüre ich mich und meine Emotionen nicht und kenne auch meine Bedürfnisse nicht mehr. Ich funktioniere nur noch. Über kurz oder lang bahnen sich die Emotionen und Bedürfnisse dann mit Gewalt ihren Weg an die Oberfläche, da sie zu lange unterdrückt und verdrängt worden sind. Und dann melden sie sich lautstark zurück. Als Burnout, Depression, Ess- und Angststörungen, Intoleranzen, Nikotin-/Koffein-/Alkohol-/Drogen-/Sport-/Beziehungs-/Sex-/Medien/Konsum- oder Arbeitssucht.

Das eigentliche Problem erkennen
Ich frage mich: Warum essen wir immer wieder zu viel? Suchen Halt und verlieren uns in Beziehungen? Öffnen Instagram, wenn wir eigentlich jemanden brauchen, der uns sagt, dass wir bedingungslos geliebt werden und in Sicherheit sind, komme, was wolle? Ich denke: Wir sehen das eigentliche Problem nicht. Wollen es vielleicht nicht sehen. Kein Essen und kein Partner der Welt können das Loch füllen, das wir verzweifelt versuchen zu stopfen. Oft sind es alte Gefühle und Bedürfnisse, die wir auf Situationen unseres jetzigen Lebens projizieren: das Bedürfnis nach Sicherheit, nach bedingungsloser Liebe, nach Gehaltenwerden. Das Gefühl, nicht genug zu sein, nicht dazuzugehören, die Angst zu versagen. Die Liste ist endlos. Machen wir uns bewusst, dass es sich nicht um die Realität handelt, sondern lediglich um unsere Gedanken und subjektive Gefühle, können wir meiner Meinung nach aus dem Teufelskreis ausbrechen.
Der Weg zurück zum Spüren der eigenen Emotionen und Bedürfnisse ist mitunter lang und steinig. Manchmal ist es nach meiner Erfahrung jedoch gerade dieser Weg, der hilft, von Suchtverhalten zu genesen. Und: Man muss den Weg nicht alleine gehen, sondern darf Hilfe von außen in Anspruch nehmen (Liste am Ende des Artikels).

Typ-1-Diabetes und Ess-Brech-Sucht (Bulimie)
Die letzten Tage waren stressig. Es war viel los. Geburtstag, Sommerfest, Verabredungen, Termine. Statt runterzukommen und mir Ruhe zu gönnen, schalte ich hoch und gebe noch mehr Gas. Ich will mich lebendig fühlen, das Leben spüren. Ich kann die Geschwindigkeit nicht halten, schlingere und fliege mit einem Knall aus der Spur. Es kommt zum Rückfall. Rückfall heißt bei mir: (Fr)Essanfall. Um die Lebendigkeit noch einmal voll auszukosten, bevor sich der Perfektionismus zurückmeldet und ich den Druck loswerden will. Also kotze ich. Alles heimlich. Damit die Nachbarn nichts mitbekommen. Schließe alle Türen und Fenster, schalte die laute Lüftung im Bad ein. Drehe den Wasserhahn auf und erbrochenes Eis, Schokolade und Käsestückchen werden aus dem Abfluss und meinem Gedächtnis gespült. Als ob nichts passiert ist. Nur ein schaler Nachgeschmack bleibt.
Die Maske fallen lassen
Die Dunkelziffer von Typ-1-Diabetikern mit einer Ess- oder anderen psychischen Störung ist vermutlich utopisch hoch. Ich habe selbst 10 Jahre gebraucht, mir einzugestehen und laut aussprechen zu können, dass ich esssüchtig bin. Indem ich diese Worte schreibe, öffne ich mich und mache mich verletzlich und angreifbar.
Lasse die Maske der Perfektion fallen und zeige mich mit allem, was ist. Weil ich daran glaube, dass Nähe und Verbundenheit nur entstehen können, wenn wir uns ohne Maske zeigen. Weil ich glaube, dass wir uns Nähe und bedingungslose Liebe wünschen und Angst davor haben, es uns einzugestehen und auszusprechen. Weil ich daran glaube, dass wir alte Gefühle und Geschichten, die uns nicht mehr dienen, hinter uns lassen und mutig sein müssen. Mutig genug, um uns selbst so anzunehmen und bedingungslos zu lieben, wie wir jetzt gerade sind. Mutig genug, um uns unsere Gefühle und Bedürfnisse einzugestehen und sie mitzuteilen. Mutig genug, um unser Gegenüber unvoreingenommen anzusehen und zu begreifen, dass diese Person im Inneren genauso ist wie wir: mit Bedürfnissen und Ängsten. Mit Scham und Geheimnissen, die gehütet werden.
Wenn wir diese Maske ablegen, entsteht Echtheit, entsteht Gutes, entsteht Liebe.

Anhang: Hilfe von außen – persönliche Empfehlungen
Bücher:
- „Selbstliebe. Weg der inneren Heilung“, von Michael Tischinger
- „Suchtfrei. Die Illusion durchschauen“, von Jan Guertz
- „Addicted to love. The Path to self-acceptance and happiness in realtionships“, von Jan Guertz
- „Die Frau, die im Mondlicht aß. Essstörungen überwinden durch die Weisheit uralter Märchen und Mythen“, von Dr. Anita Johnston
- „Komm, ich erzähl die eine Geschichte“, von Jorge Bucay
Apps:
- Meditationen von Lou Redmond oder David Gandelman auf der App Insight Timer
Austausch mit Gleichgesinnten:
- Austausch in anonymen Treffen vor Ort, z.B. Emotions Anonymous, Narcotics Anonymous, Overeaters Anonymous
Therapeutische Begleitung:
- Therapeuten vor Ort kontaktieren
- Adula Klinik: Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie mit ganzheitlichem Ansatz und therapeutischer Gemeinschaft
*psyGA, „Daten und Fakten“, https://www.psyga.info/psychische-gesundheit/daten-fakten/, 11.8.2019

Mehr zu Steffis Geschichte erfahrt ihr zum Beispiel in ihrem Artikel Neues Jahr, neues Glück & Zeit für Vergebung.

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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße