Unbeschwerte Weihnachten

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© Kirchheim/Bernhard Kölsch
Unbeschwerte Weihnachten

Braten mit Klößen und Rotkohl, Kartoffelsalat zu Würstchen: In vielen Haushalten steht an den Festtagen stets das gleiche Gericht auf dem Tisch. Hand aufs Herz: Wie wäre es mit einer Prise Abwechslung? Es muss ja nicht direkt das komplette Menü verändert werden; doch kleine Änderungen können dazu beitragen, dass Sie sich auch an den Feiertagen gut fühlen – was sicher den Blutzuckerwerten und der Linie guttut.

Jingle Bells, Marzipan, Lametta, Lichterketten und Tannenbäume – Weihnachten steht vor der Tür. Damit verbunden Weihnachtsmärkte, Betriebsfeiern und natürlich der Höhepunkt zum Monatsende: Können es die Kleinen kaum erwarten bis der Weihnachtsmann an ihre Tür klopft, freuen sich die Großen meistens auf ein paar freie Tage im Kreise ihrer Lieben.

Was natürlich nicht fehlen darf, ist ein leckeres Festmahl. Laut einer Umfrage der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse im Auftrag des Tiefkühlproduzenten Eismann, verbinden 70 Prozent der Deutschen die Advents- und Weihnachtszeit mit “viel Essen”, aber auch damit, dass häufiger selbst gekocht wird.

Bewusst genießen macht glücklicher

Ein leckeres Essen ist eine Freude für die Sinne. Wer allerdings über seinen Sättigungspunkt hinaus weiter isst, weil es so gut schmeckt, fühlt sich danach meist schlapp und müde. Bewusstes Genießen ist für Körper und Seele dabei viel besser. Praktisch geht es am besten so: Freuen Sie sich auf das Mahl, das Sie erwartet. Genießen Sie kurz vor dem Start den Anblick der Speisen, und schnuppern Sie auch mal Suppe, Sauce, Gemüse. Wenn Sie Insulin spritzen, werden Sie natürlich vorab die Insulinmenge mit den Kohlenhydraten auf Ihrem Teller abstimmen.

Je langsamer Sie essen, desto besser. Ideal ist es, jeden Bissen mindestens 5- bis 10-mal zu kauen, bevor er geschluckt wird. Einerseits erleichtert es dem Verdauungsapparat das Zerkleinern der Speise, andererseits isst man automatisch weniger und nimmt die einzelnen geschmacklichen Komponenten intensiver wahr. Auch das Sättigungsgefühl lässt sich so besser spüren: Nach 20 Minuten meldet das Gehirn, dass der Magen gut gefüllt ist.

Dazu gehört auch, Besteck öfter mal abzulegen und eine kleine Pause zu genießen. Wer hastig schlingt und sich wenig oder gar nicht aufs Essen konzentriert, verpasst dabei den Sättigungspunkt; viele haben dieses Gefühl mit den Jahren verlernt. Die gute Nachricht: Mit etwas Training kommt es zurück. Also lassen Sie sich mehr Zeit, Ihr Essen zu genießen. Wer langsamer und damit verbunden auch weniger isst, fühlt sich anschließend wohler und ist zufriedener.

Wie Sie Kalorien und Kohlenhydrate im Auge behalten

Weihnachten ist für viele der Gewichts- und Kalorienfeind Nummer Eins. Doch im Grunde sind es nicht die fünf Feiertage am Jahresende, die zu einem Plus auf der Waage oder einem erhöhten Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) führen, sondern die restlichen 360 Tage im Jahr. Es wird jetzt zwar oft mehr gegessen als üblich; doch wenn sich ausgiebiges Schlemmen auf wenige Tage beschränken würde, gäbe es die negativen Befürchtungen für Gewicht und Blutzucker nicht.

Dass bewusstes Genießen glücklich und zufrieden machen kann, bestätigten Teilnehmer der Diskussionsrunde zum Thema Essen bei Typ-1-Diabetes während des ersten Diabetes Barcamps Ende Oktober in Frankfurt. Einige berichteten von ihrem Umgang mit dem Thema Schlemmen: “Wenn ich im Alltag kalorien- und kohlenhydratbewusst esse, kann ich mir auch ab und zu etwas Besonderes, zum Beispiel ein großes Eis, Kuchen oder ein Brot mit Nuss-Nougat-Creme gönnen. Ich plane das dann ganz bewusst ein.

Die Vorfreude darauf ist für mich so groß und ich kann das heute viel intensiver genießen als früher, wo ich noch keinen Diabetes hatte”, sagte eine Teilnehmerin. “Im Grunde geht es beim Essen auch darum, ein gutes Körpergefühl zu bekommen. Wenn ich gesunde Dinge esse, tut mir das gut und trägt zum Wohlbefinden bei”, war die Devise eines anderen Teilnehmers. Praktisch heißt es also: Genießen ja, bewusst und in Maßen. Wie wäre es, das in der Weihnachtszeit direkt mal auszuprobieren?

Gemüse, Eintopf und frisches Obst

Zum Nachmittagskaffee gibt es jetzt Plätzchen, soweit das Auge reicht. Am besten nehmen Sie sich beispielsweise zwei aus der Dose und stellen diese direkt wieder weg. Steht die Keksdose einmal auf dem Tisch, greift man auch zu. Kommt doch ein Weihnachtsteller auf die Tafel, füllen Sie diesen überwiegend mit Nüssen, Mandarinen, Physalis und Apfelsinen: Die Früchte enthalten zwar Fruchtzucker und damit Kohlenhydrate, dafür aber auch Ballaststoffe. Außerdem sind Sie mit dem Schälen beschäftigt – so wandern automatisch weniger Kekse, Dominosteine und Stollen in den Mund.

3 Haselnüsse für … Ihre Gesundheit

3 bis 4 Nüsse können Sie als gesunden Snack genießen; hier bieten sich Erd-, Wal- oder Haselnüsse mit Schale zum vorherigen Knacken an. Sie liefern natürliche Ballaststoffe und lebenswichtige Fette. Dank ihres hohen Fettgehaltes machen sie zusätzlich leichter satt. Damit Sie die Fettkalorien bei Nüssen im Blick behalten, sollte es bei der geringen Menge täglich bleiben. Wie wäre es jetzt öfter mal mit einem Eintopf?

Wenn es schnell gehen soll, bietet sich Tiefkühlgemüse ohne Gewürze und Fettzusätze an; dazu Kartoffeln oder Hülsenfrüchte und alle Zutaten in Brühe kochen. Selbst gekochte Eintöpfe lassen sich im Hinblick auf Fett und Kohlenhydrate sehr gut kalkulieren. Für den Rauchgeschmack bieten sich zum beispiel fettarme Katenschinkenwürfel an, die in wenig Sonnenblumen- oder Rapsöl angebraten werden und in die Suppe kommen.

Wer seinen Fokus auf große Gemüseportionen legt und öfter selbst gekochte Suppen und Gerichte kocht, kann an Tagen mit Weihnachtseinladungen genießen ohne schlechtes Gewissen.

Viel Spass mit dem WEIHNACHTS-MENÜ 2017 und ein gesundes Jahr 2018!


von Kirsten Metternich von Wolff

Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungs­medizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (12) Seite 72-75

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  • kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 21 Stunden

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 5 Tagen

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?