Laubers Kolumne: Be Biedermeier!

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Laubers Kolumne: Be Biedermeier | Foto: Mikolaj Niemczewski – stock.adobe.com
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Laubers Kolumne: Be Biedermeier!

Die Innerlichkeit ist zurück: Was ich vor sieben Jahren gewünscht habe, propagiert jetzt der SPIEGEL in seiner Titelgeschichte: Die Gemütlichkeit des Biedermeier.

„Zucker zähmen“ heißt mein 2013 erschienenes Buch, wo erstmals die fünf besten Therapien bei Typ-2-Diabetes zusammengefasst worden sind. Von der Änderung des Lebensstils, über Heilpflanzen und Mikronährstoffe bis hin zu Medikamenten. „Ein ganzheitlicher Therapieansatz“, nennt der renommierte Düsseldorfer Diabetologe Prof. Dr. med. Stephan Martin das Buch, das ich mit Ärzten und Wissenschaftlern verfasst habe.

„Be Biedermeier“ heißt das Schlusskapitel. Darin beschreibe ich die Jahre von 1815 bis 1845 – eine Zeit, die zu den glücklichsten der deutschen Geschichte gehört. Eine Zeit, wo die Hausmusik ihren großen Auftritt hatte, wo die schützende Gemütlichkeit geschätzt wurde, wo das Weihnachtsfest in seiner bis heute bestehenden Form geboren wurde.

Es war eine Zeit, wo der fiktive schwäbische Dorfschullehrer Gottlieb Biedermeier nach geordneten Ritualen lebte: Er hatte seinen festen Stundenplan für die Schule; er hatte seine festen Zeiten, wo er in der Kirche Orgel spielte; er hatte seinen Garten, wo er alles Lebenswichtige im klugen Rhythmus der Jahreszeiten anbaute – und er nahm seine Mahlzeiten zu festen Zeiten ein.

Als Spießbürger wurde der mit sich im Reinen lebende Gottlieb Biedermeier von besserwisserischen Literaten verspottet. Doch in Wirklichkeit praktizierte er genau das, was die moderne Medizin propagiert, um der explosionsartigen Ausbreitung des Lifestyle-Diabetes und der zunehmenden nervlichen Überforderung der Menschen zu begegnen: Ein Leben nach festen Ritualen, ein Leben, das sich dem immer Schneller, dem immer Weiter entzieht; ein Leben, das sich nach geordneten Strukturen sehnt.

Die Sehnsucht nach geordneten Strukturen ist auch derzeit wieder übermächtig. Überall brechen Gewissheiten zusammen. Täglich ändern sich Wahrheiten oder Nichtwahrheiten über unberechenbare Viren. Politische Konstellationen sind fragiler denn je. Immer intensiver wird Geld, das niemand hat, eifrig gedruckt – und immer mehr Leute fragen, wo das endet. Vielleicht in einem neuen Biedermeier.

„Erleben wir ein neues Biedermeier?“, fragt denn auch der SPIEGEL in seiner Titelgeschichte vom 7. September 2020 – und berichtet von einem überbordenden Interesse an Kleingärten, berichtet von Menschen, welche die Vorzüge des Landlebens entdecken; berichtet von den beherzten Versuchen, endlich mehr Grün in die immer überhitzteren Städte zu bringen; berichtet von Architekten, die an pandemieresistenten Gebäuden arbeiten, wo künftige Hygienemaßstäbe quasi eingearbeitet sind.

Wird nun alles gut? Automatisch sicher nicht. Schon fangen Berliner Gerichte an, die mutigen Pop-Up-Fahrradwege wieder zu verbieten. Es wird nicht das letzte Mal sein, wo die mächtige deutsche Autolobby zurück schlägt, wo versucht wird, Kopenhagener Zustände zu verhindern. Zustände, wo das Auto zwar nicht verteufelt wird; wo es aber auch nicht mehr die Hauptrolle spielt, sondern wo Fahrrad und Fußgänger zum Maß der Verkehrspolitik werden. Natürlich dauert das.

Langfristig wird sich aber der Drang zur grünen Gelassenheit durchsetzen, wird Gottlieb Biedermeier einen späten Triumph erfahren. Einen Triumph, den er mit der ihm eigenen Bescheidenheit feiern wird: Erst im eigenen Garten die Tomaten gießen und anschließend in der Kirche auf der Orgel den Choral anstimmen: „Großer Gott wir loben dich“.


von Hans Lauber

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  • tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 5 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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