Laubers Kolumne: Laublärmer

3 Minuten

© shockfactor.de – AdobeStock
Laubers Kolumne: Laublärmer

Laut und schädlich. Trotzdem nicht verboten: Der Laubbläser symbolisiert unser Unvermögen, mit der Natur ins Reine zu kommen, beschreibt Hans Lauber in seiner Kolumne.

Nun lärmen sie wieder. Die Laubbläser und Laubsauger intonieren ihren garstigen Herbstblues – und das allumfassend, sei es in öffentlichen oder in privaten Anlagen.

Was die Laublärmer anrichten:


Lärmterror: Mit teilweise über 100 Dezibel sind die Geräte so laut wie ein Presslufthammer. Solche Lärmpegel schaden der Gesundheit – sowohl die der Anwohner, wie auch die der Benutzer, die teilweise ohne Schutz arbeiten und ziemlich sicher starke Hörschäden erleiden werden.

Auch Diabetes begünstigen kann permanenter Lärm, denn er lässt im Körper Entzündungsparameter ansteigen, was die Insulinwirkung beeinträchtigt.


Abgasbelastung: Immer noch werden viele Geräte mit Verbrennungsmotoren angetrieben. Das ist nicht nur infernalisch laut, sondern es entstehen auch die Gesundheit schädigende Abgase wie Kohlenmonoxid und Stickoxide. Außerdem stinkt es bestialisch, wie ich es selbst erlebt habe, als ich das „Stihl“-Foto in einer süddeutschen Kleinstadt aufgenommen habe.



Stiehlt die Stille: „Stihl“-Laubbläser


Insektenvernichtung: Zu Recht beklagt wird der dramatische Rückgang der Insekten, sodass den Vögeln Nahrung fehlt – was wiederum zu einer Verminderung der Vogelpopulationen führt. Laubsauger häckseln viele Kleinlebewesen, während Laubbläser die nützlichen Tiere mit Luftgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern vernichten.


Feinstaubvermehrer: Die Luft in unseren Städten ist schlecht. Die Laubbläser machen sie noch schlechter: Denn sie wirbeln auf Gehwegen wie auf Wiesen Kot, Unrat, abgesetzten Dieselruß, Feinstaub vom Reifenabtrieb wieder auf. Der BUND Bayern zitiert eine Studie, die besagt, dass Laubbläser im Vergleich zum Besen bis zu zehnmal so viel Feinstaub aufwirbeln. Da diese Giftwolke vor allem in Bodennähe schwebt, sind besonders Babies und Kinder betroffen.


Humusverhinderer: Ein Symbol für unseren gestörten Umgang mit der Natur sind die Laublärmer. Denn sie signalisieren, dass wir die Blätter nicht als wertvollen Rohstoff sehen, sondern als lästigen Müll. Wird das Laub dagegen sorgfältig mit Besen und Rechen zusammengekehrt, aufgehäufelt, auf Beete und unter Gehölze verteilt, kann es vielen Kleinlebewesen wie Marienkäfern und Schmetterlingslarven im Winter Unterschlupf bieten.

Außerdem entsteht so wertvoller Humus, der gerade unseren gestressten Stadtbäumen willkommene Nahrung bietet. Nicht zu vergessen: Nasses und welkes Laub verströmt auch einen intensiven Duft, lässt uns die Natur sinnlich erfahren.


Nicht neu ist, was ich hier beschreibe. Seit Jahren werden die Lärmorgien, werden die fatalen ökologischen Folgen angeprangert – und es passiert: Nichts. Am einfachsten wäre es, die Dinger weitgehend zu verbieten. Ein erster Schritt könnte das Verbot der besonders lauten und stinkenden Geräte sein, die mit Kraftstoffen betrieben werden.

„Nein, nicht noch ein Verbot“, höre ich es da schon wieder rufen. Nur: Während der Pandemie wurden plötzlich alle Verbote akzeptiert – selbst für die Infektionsgefahren unsinnige, wie das Joggen im Freien, das Spielen von Kindern.

Ein wichtiges Zeichen wäre so ein Verbot. Ein Zeichen, dass wir es ernst meinen mit einem pfleglicheren Umgang mit der Natur. Denn immer klarer wird, dass vor allem unsere Landwirtschaft so nicht weiter machen kann, weil sie die Böden vernichtet, die Artenvielfalt dramatisch einschränkt.

Da werden massive Kämpfe mit den Landwirten, der Lebensmittelindustrie ausbrechen. Gut, wenn wir dann schon einmal mit einem Verbot der Laublärmer bewiesen haben, dass neue Wege möglich sind.

Also, weg mit den „Lärmern“, her mit Besen und Rechen.


von Hans Lauber

Avatar von hans-lauber

Mehr von Hans Lauber lesen:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Laubers Kolumne: Tiefer Einschnitt
Ein Schlaganfall hat mich im November 2022 für über zwei Monate aus dem Verkehr gezogen. Jetzt kehre ich langsam zurück.

< 1 minute

Laubers Kolumne: Weißmehl – Tückischer Dickmacher
Eine Kölner Traditionsbäckerei schließt – auch weil der Besitzer seine Weißmehl-Produkte für gesundheitsschädlich hält

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Tag, 8 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%