Insulin für die Ukraine – Schulklasse hilft

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Insulin für die Ukraine – Schulklasse hilft

Hannes hat seit 9 Jahren Diabetes. Er weiß, wie wichtig Insulin für ihn selbst ist – und hat deshalb an seiner Schule eine Spendenaktion gestartet. Die Spenden kommen der Insulinpatenschaft für das Krankenhaus in Lwiw zugute. Was genau hat es mit dieser Insulinpatenschaft auf sich?

Bereits Anfang März teilte der Deutsche Bundestag mit, dass es wohl zur Zerstörung des größten Insulinlagers in der Ukraine gekommen sei. In der Folge entstand über die Mutter eines inzwischen erwachsenen ehemaligen Patienten ein Kontakt vom Kinderkrankenhaus AUF DER BULT mit der Klinik in Lwiw (Lemberg).

Vom dortigen Gesundheitsministerium erhielt die BULT eine Anfrage über die erforderlichen Insulinmengen für den nächsten Monat für die Region. Es entstand der Gedanke einer Insulinpatenschaft mit der Ukraine, für die mit Hilfe von Diabetes-Eltern-Journal/Diabetes-Journal, der Plattform diabetologie-online (ein Fachportal für alle, die Menschen mit Diabetes behandeln) sowie der Organisation diabetesDE und vielen anderen Unterstützern Spenden gesammelt werden.

Hannes sammelt in seiner Schule

Der 11-jährige Hannes hat seit 9 Jahren Diabetes und erfuhr über den Newsletter der BULT von der Aktion. Wie wichtig Insulin für ihn ist, hat er mittlerweile verstanden. Er hatte spontan die Idee, mit allen seinen Mitschülern für die Insulin-Patenschaft zu sammeln. Er sprach mit seiner Klassenlehrerin. Und nicht nur seine Klasse, sondern die gesamte Schulgemeinde wollte helfen!

Hannes hat daraufhin mit Hilfe seiner Eltern einen Spendenaufruf gestartet und an seiner Grundschule in Krofdorf-Gleiberg mit Unterstützung seiner Mutter, seiner Klassenlehrerin und der Schulleitung Spenden gesammelt. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend! Da auch Hannes und seine Klasse sehr transparent mit seiner Diabeteserkrankung umgehen, wussten alle 150 Schülerinnen und Schüler seiner Schule, was Diabetes bedeutet und wollten helfen.

Am letzten Tag vor den Osterferien konnte Hannes auf der Schulversammlung verkünden, dass seine Schule den stolzen Betrag von 700 Euro zusammenbekommen hat und an der Aktion “Insulinpatenschaft” für das Krankenhaus in Lwiw teilnehmen wird (Bild oben).

Bei seinem nächsten Besuch in der Diabetes-Ambulanz übergab Hannes einen kleinen Gruß der Grundschule Krofdorf-Gleiberg an PD Dr. Biester vom Diabetes-Team auf der BULT. Wie alle anderen Spenden wurde das Geld auf das Konto von Insulin zum Leben” überwiesen, damit das überlebenswichtige Hormon gekauft werden konnte.

Da Insulin gekühlt werden muss, kann es nicht ohne weiteres gespendet werden. Die Organisation “Insulin zum Leben” setzt sich seit Jahren mit dem Thema Insulin-Not auseinander. Heidrun Schmidt-Schmiedebach, Leiterin des Hilfsprojektes, fokussiert sich dabei auf Insulin, das nicht mehr benötigt wird.

Mit dem Kühllastwagen nach Lwiw

Allerdings muss sie natürlich auch ihre bisherigen Kooperationspartner weltweit versorgen. Daher ist nicht ausreichend Insulin vorhanden, zumal der Bedarf an Insulinsorten in der Ukraine auch von dem abweicht, was üblicherweise in Deutschland gespendet wird. Die BULT musste daher das Insulin in Zusammenarbeit mit der Marien-Apotheke in Hannover, die das Kinder- und Jugendkrankenhaus auch sonst mit Medikamenten versorgt, kaufen.

Ein Kühllastwagen aus Lwiw holte das Insulin direkt in Hannover ab. Durch den direkten Kontakt mit der Klinik in Lwiw und der offiziellen, exklusiven Anfrage des Gesundheitsministeriums sind wir uns sicher, dass das Insulin nicht auf dem Schwarzmarkt landet. Die Spenden werden dort über örtliche Partner verteilt.

Bilder vom Transport etc. finden Sie auf der Facebook-Seite von Insulin zum Leben und auf diabetes-online.de (Kurzlink direkt zum Artikel: bit.ly/3yT80ej).

Versorgung weiterhin schwierig

Auch wenn sich die Situation durch die schnelle Hilfe von verschiedenen Seiten zunächst etwas gebessert hat, bleibt der Mangel an Insulin und anderem Diabetes-Bedarf weiter bestehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Ansprache an die ukrainische Bevölkerung Anfang Mai, dass “russische Truppen fast 400 Gesundheitseinrichtungen zerstört oder beschädigt haben”. Er sagte, dies beziehe sich “nur auf die medizinische Infrastruktur”, und zu den betroffenen Einrichtungen gehörten “Krankenhäuser, Entbindungskliniken, Ambulanzen”. “In den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine – im Osten und im Süden – ist die Lage in Bezug auf den Zugang zu medizinischen Leistungen und Medikamenten einfach katastrophal”, sagte Selenskyj und fügte hinzu, dass “selbst die einfachsten Medikamente fehlen”.

Insbesondere erwähnte der ukrainische Präsident auch den “schwierigen oder unmöglichen” Zugang zu Insulin. Der größte Teil des ukrainischen Insulinbedarfs wird importiert oder im Inland von zwei pharmazeutischen Unternehmen in Kiew, Indar und Farmak, hergestellt. Gemeinsam mit der “Diabetes Disaster Response Coalition” findet im Sommer während der Jahrestagung der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft ein Treffen statt, wie die weitere Unterstützung weltweit in Zukunft gestaltet werden kann. Dort wird auch das Hilfsprojekt aus Deutschland vorgestellt.

1,3 Millionen Einheiten Insulin

Bereits Ende März konnten 11 Kisten mit 400.000 Einheiten Insulin für an Diabetes erkrankte Menschen in der Ukraine auf den Weg gebracht werden. Zusätzlich wurde auch Schildrüsenhormon mitgeschickt, weil viele Menschen mit Typ-1-Diabetes auch diese Tabletten benötigen und sie ebenfalls knapp geworden waren.

Ende Mai ist der nächste Transport gestartet, so dass insgesamt bislang 1,3 Millionen Einheiten gespendet werden konnten. Bedenkt man, dass Hannes derzeit ungefähr 25 IE Insulin am Tag benötigt und rechnet man diese Menge auf die bereits gespendeten Insulineinheiten hoch, so erlaubt das eine Einschätzung der in die Ukraine entsandten Insulinmenge. Umgerechnet reicht dies aus, um die Behandlung von mehr als 1700 Kindern mit Diabetes wie Hannes einen Monat lang sicherzustellen.

Auch über diesen Zeitraum hinaus wird die BULT – wie seit über 160 Jahren – immer Kindern in Notlagen helfen. Zur Erinnerung: Am 31. Oktober 1863 versammelten sich ehrenhafte Bürger der Städte Hannover und Linden, um etwas gegen die unhaltbare Situation von kranken und armen Kindern zu unternehmen und gründeten die gemeinnützige Stiftung Hannoversche Kinderheilanstalt, zur der das Kinderkrankenhaus gehört. Dieser Tradition fühlen wir uns AUF DER BULT verpflichtet. Unser besonderer Dank gilt den vielen Spendern wie Hannes und seiner Schule, die diese Hilfe möglich machen.

Sie möchten spenden?
Spenden bitte an: BDKJ “Insulin zum Leben”, Stichwort “Ukraine – Insulin”, Volksbank Hameln-Stadthagen eG, IBAN: DE20 2546 2160 0670 3208 01, BIC: GENO DE F1 HMP

Autor:

Prof. Dr. med. Thomas Danne
Kinderdiabetologe
Zentrum für Kinder- und Jugend­medizin „Auf der Bult“
Janusz-Korczak-Allee 12
30173 Hannover
E-Mail: danne@hka.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (2) Seite 6-7

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    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

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      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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