- Soziales und Recht
Rechteck – Antworten auf ihre Rechtsfragen: Kann man Schmerzmittel im Fluggepäck und im Ausland mitführen?
2 Minuten

Ist es möglich, Schmerzmittel und Opiate im Fluggepäck für den Urlaub im Ausland mitführen? Für Menschen mit Diabetes und Neuropathie eine wichtige Frage. Rechtsexperte Oliver Ebert erklärt, welche Bescheinigungen nötig sind und worauf bei Reisen in und außerhalb des Schengen-Raums zu achten ist.
Die Frage
Ich habe seit über 30 Jahren Diabetes mit starker Neuropathie, seit einigen Monaten habe ich allerdings zeitweise so starke Schmerzen, dass ich es nur mit massiven Schmerzmitteln und Opiaten aushalte. Dennoch lassen wir uns das Leben nicht vermiesen – im Sommerurlaub planen wir nun erstmals wieder eine längere Reise.Nun stellt sich für mich natürlich die Frage, ob ich meine Medikamente problemlos im Flieger bzw. ins Ausland mitnehmen kann, denn ich möchte dort keinen Ärger riskieren.
Claudia S.
Die Antwort von Oliver Ebert
Tatsächlich ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten, denn es müssen die jeweiligen Gesetze des Ziellands sowie etwaiger Transitländer beachtet werden.
Die Mitnahme von Insulin und “normalen” Medikamenten im Handgepäck ist in der Regel unproblematisch, sofern Sie eine entsprechende Bescheinigung des Arztes mitführen. Dort sollte möglichst genau aufgeführt sein, welche Medikamente und Hilfsmittel Sie aus ärztlicher Sicht permanent bei sich führen sollten. Wichtig dabei ist, dass die Bescheinigung nicht nur pauschal ausgestellt wird (z. B. „Patient benötigt Insulin und Diabetes-Hilfsmittel“). Um Missverständnisse bzw. Unklarheiten zu vermeiden, sollte möglichst detailliert aufgelistet sein, was konkret benötigt wird.
Bei Medikamenten empfiehlt es sich, dass nicht nur der Name des Präparats aufgeführt ist, sondern auch die wesentlichen Inhaltsstoffe (z. B. „Metformin“) sowie die empfohlene Dosierung genannt werden. Dies kann auch deswegen wichtig sein, falls Sie im Urlaubsland ein Ersatzmedikament benötigen, welches möglicherweise einen anderen Namen hat bzw. von einem anderen Hersteller stammt.
Problematischer ist das Mitführen der Schmerzmittel bzw. Opiate: Bei Reisen in Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens (zurzeit Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn) darf man ärztlich verschriebene Betäubungsmittel nur dann mitnehmen, wenn eine vom behandelnden Arzt ausgefüllte Bescheinigung auf amtlichem Vordruck mitgeführt wird. Die Bescheinigung muss vor Reiseantritt von der zuständigen Behörde beglaubigt sein und ist maximal 30 Tage gültig. Für jedes verschriebene Betäubungsmittel ist eine gesonderte Bescheinigung erforderlich.
Mehr zum Thema Diabetes und Recht
Für Reisen in Länder außerhalb des „Schengen-Raums“ gibt es jedoch keine einheitlichen Regelungen zur Mitnahme von Betäubungsmitteln. Man sollte daher unbedingt im Vorfeld rechtzeitig abklären, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen die Medikamente in das betreffende Land eingeführt werden dürfen. Manche Länder haben hier sehr strikte Bestimmungen. Mitunter sind spezielle Genehmigungen nötig oder die Einfuhr ist nur bis zu bestimmten Mengen oder gar nicht zulässig. Der Besitz selbst geringer Mengen von Betäubungsmitteln kann in vielen Ländern zu drakonischen Strafen führen. Ausnahmen aus medizinischen Gründen werden nicht überall anerkannt bzw. sind an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Bitte beachten Sie dabei, dass nicht nur das Ziel- bzw. Urlaubsland, sondern auch alle Transitländer, die Sie bei der Reise betreten wollen, abgeklärt werden müssen.
Die Kosten für eine ärztliche Reisebescheinigung werden nicht von der Krankenkasse getragen und müssen daher von den Patientinnen und Patienten selbst bezahlt werden. Auch die amtliche Beglaubigung ist kostenpflichtig (meist etwa 15 bis 20 Euro pro Bescheinigung).
von Oliver Ebert
Oliver Ebert ist Fachanwalt für IT-Recht, Datenschutzbeauftragter und -auditor und Hochschullehrbeauftragter für Datenschutz- und Internetrecht. Zudem ist er Geschäftsführer der mediaspects GmbH sowie Fachjournalist für Medizin, Datenschutz & Patientenrechte. Seit vielen Jahren befasst er sich mit dem Thema Diabetes und unterstützt Patienten, Angehörige und Ärzte in juristischen Belangen. Er war langjähriger Vorsitzender des DDG-Ausschusses Soziales und ist Co-Koordinator/Mitautor der europaweit ersten S2e-Leitlinie: „Diabetes & Straßenverkehr“
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (7) Seite 47
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht

2 Minuten
- Soziales und Recht

2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
mr postete ein Update vor 12 Stunden, 28 Minuten
Hallo,
Ich bin neu hier.
Seit gut zwei Jahren Typ 1 Diabetikerin.
Ich würde mich gerne austauschenmulti postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.
olivers postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliver- gunnar83 antwortete vor 3 Tagen, 18 Stunden
Hey Oliver, kannst mich gerne mal anschreiben. Viele Grüße
Gunnar - olivers antwortete vor 3 Tagen, 14 Stunden
@gunnar83: hallo, aktuell im Frankfurter Raum. Wir können aber gerne mal ein Treffen organisieren, zwecks Austausch.
Viele Grüße
Oliver - brandt antwortete vor 1 Tag, 13 Stunden
Hallo Oliver, auch ich bin Typ 3c und würde mich gern mit dir ein wenig per Mail mit dir austauschen, wenn du magst. Bin vor 15 Jahren mit Kausch-Whipple auf “Verdacht” operiert worden – war aber kein Krebs, sondern “nur” eine Pankreatitis (AIP), also eine Fehldiagnose (hätte keiner OP bedurft, also kein Diabetes als Folge).



