ATTD-Kongress 2024: Technik, Fortschritt, Forschung

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ATTD-Kongress 2024: Technik, Fortschritt, Forschung

Die Therapie des Diabetes mit modernen Technologien entwickelt sich immer weiter. Gerade in den letzten Jahren waren die Fortschritte immens. Expertinnen und Experten stellten auf dem ATTD-Kongress 2024 viele Interessante Ergebnisse aus Technik und Forschung vor, wie PD Dr. Torben Biester berichtet.

Im März 2024 fand der Kongress ATTD (Advanced Technologies and Treatments for Diabetes) statt. Auch in diesem Jahr wurden von Industrie und Forschenden viele neue Daten, Informationen und Geräte gezeigt.

Neues CGM-System für 14 Tage

Am ersten Tag war das Unternehmen Roche Diabetes Care mit einem voll besetzten Auditorium vertreten. Das Unternehmen zeigte einen neuen Sensor zum kontinuierlichen Glukosemessen (CGM). Das CGM-System Accu-Chek SmartGuide wird zunächst für Erwachsene ab 18 Jahren indiziert sein. Der Sensor hat eine Laufzeit von 14 Tagen, eine einstündige Aufwärmphase und benötigt einmalig eine Kalibrierung am ersten Tag.

Während der Sitzung stellte Prof. Dr. Julia Mader (Graz, Österreich) die Ergebnisse einer Studie mit dem System mit 48 Erwachsenen vor, die eine MARD (Mean Absolute Relative Difference; entspricht der Messgenauigkeit) von 9,2 Prozent ergab. Liegt die MARD unter 10 Prozent, hat ein CGM-System die Eignung, in einem System zur automatisierten Insulindosierung (AID) eingesetzt zu werden. Das CGM-System von Roche setzt künstliche Intelligenz ein, um eine individuelle Glukosevorhersage für jeden Patienten zu ermöglichen. Neben der Glukosekurve der Vergangenheit berechnet es auch Insulinmengen, Kohlenhydrate und Tageszeit mit ein.

Neue Algorithmen in AID-Systemen

Auf einem Symposium des Unternehmens Insulet gab es die ersten Daten von Omnipod-5-Nutzern in Europa. Und einen Einblick in den Algorithmus der Pumpensysteme der nächsten Generation des Unternehmens. Prof. Dr. Martin de Bock (Otago, Neuseeland) präsentierte Machbarkeitsergebnisse mit dem AID-Algorithmus next-gen – mit geschlossenem Regelkreis, d.h. ohne notwendigen Bolus für Mahlzeiten.

Die Studie umfasste Menschen mit Typ-1-Diabetes, die eine intensivierte Insulintherapie (ICT) durchführten. Im sechswöchigen ambulanten Teil der Studie gaben die Probanden drei Wochen lang für Mahlzeiten manuell einen Bolus ein, drei Wochen gaben sie keinen Mahlzeitenbolus. Unter den Jugendlichen erhöhte sich während der “Kein-Bolus”-Phase die durchschnittliche Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR) um 20 Prozent. Dies entsprach 4,8 Stunden am Tag, im Vergleich mit Bolusgabe.

Weniger Unterzuckerungen

Außerdem wurden Daten der 4320 Nutzenden mitgeteilt, die sich in der Insulinpumpe Omnipod 5 für einen Glukosezielwert von 110 mg/dl (6,1 mmol/l) entschieden hatten. Die durchschnittliche TIR lag bei 68 Prozent. Bei den 18- bis 25-Jährigen war sie mit 63 Prozent am niedrigsten. Bei den Erwachsenen ab 65 Jahren mit 77 Prozent am höchsten.

Die Zeit in der Unterzuckerung (Hypoglykämie) war in allen Altersgruppen gering. Sie reichte von 2,5 Prozent in der Gruppe der unter 6-Jährigen bis zu 0,8 Prozent in der Gruppe der älteren Erwachsenen. Das Studien-Team erfasste die Daten von wirklich allen Nutzenden, nicht nur von denjenigen, die aktiv ihre Daten in die Cloud luden.

Auch Ketone kontinuierlich messen

Prof. Dr. Jennifer Sherr (New Haven, USA) stellte eine Studie vor mit einem Sensor, der kontinuierlich Ketone misst. In dieser Studie wurde bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes die Insulinzufuhr unterbrochen. Derselbe Sensor maß kontinuierlich die Glukose- und Ketonwerte. Ein kritischer Anstieg der Ketonwerte auf über 1 mmol/l trat bei Dreiviertel der Teilnehmer bereits bei Glukosewerten unter 240 mg/dl (13,3 mmol/l) auf. Dies wird oft als Alarmgrenze empfohlen, um den Ketonwert im Blut zu messen.

Somit könnte mit so einem Sensor schon bei niedrigeren Werten gehandelt werden, um eine gefährliche Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose) zu verhindern.

Zelltransplantation als Segen und Risiko

In einem Symposium, im dem es um die Transplantation von Beta-Zellen ging, wurden allen Teilnehmenden nochmals die Komplexität und die nebenwirkungsreiche Begleittherapie einer solchen Behandlung vor Augen geführt. Trotzdem kann dieses segensreich sein für Menschen, die viele schwere Unterzuckerungen und Folgeerkrankungen haben.

Auch einen spannenden Einblick in andere Gesundheitssysteme konnte man bekommen. Prof. Dr. Peter Senior aus der Region Alberta in Canada berichtete, dass man dort bei den genannten Kriterien eine Inselzelltransplantation bekommen könne, aber man generell keine Glukosesensoren verschreiben dürfe.

Prof. Dr. Boris Kovatchev (Charlottesville, USA), einer der Pioniere im Gebiet der AID-Systeme, stellte eine Studie vor, in der sechs Teilnehmende eine Insulinpumpe mit künstlicher Intelligenz in einem Full-Closed-Loop-Modus, also ohne Mahlzeiteneingabe, für eine Woche zu Hause verwendet hatten. Sie erreichten eine durchschnittliche TIR von 70 Prozent, mit viel weniger Aufwand.

Kinder im Vorfeld betreuen

Durch immer mehr Studien steigt das Wissen über Kinder, bei denen diabetesspezifische Antikörper nachgewiesen sind, die aber noch keine Therapie mit Insulin brauchen. Deshalb entwickelte eine 70-köpfige Gruppe unter der Leitung von Kongressleiter Prof. Dr. Moshe Phillip aus Israel Leitsätze, wie diese Kinder untersucht und die Familien geschult werden können.

Ein ganzes Symposium beschäftigte sich mit der Ungleichbehandlung von Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund. Prof. Dr. Stuart Alan Weinzimer (New Haven, USA) berichtete über kulturelle Unterschiede. Die Versorgungslage in Indien zum Beispiel ist mit der in Europa nicht zu vergleichen. Auch berichtet wurde über die nationale Strategie in Großbritannien, wo eine Behandlung mit AID zum Versorgungsstandard erklärt wurde. Dr. Ananta Addala (Stanford, USA) zeigte zuletzt, wie in Studien zu neuen Therapien diese Unterschiede berücksichtigt werden sollten.

Der Kongress zeigte wieder einmal, dass die technischen Entwicklungen weitergehen. Und dass zum Glück auch immer mehr die Stimme der Menschen mit Diabetes Einzug in die Wissenschaft findet.


von PD Dr. med. Torben Biester

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2024; 15 (2) Seite 23

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    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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