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Erstes praktikable Insulin mit verlängerter Wirkdauer: Thomas Rosenberg – vergessener Entdecker des NPH-Insulins
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Vor 85 Jahren entwickelten Thomas Rosenberg und Charles Krayenbühl im Nordisk Insulinlaboratorium NPH-Verzögerungsinsulin. Dieses erste praktikable Präparat mit verlängerter Wirkdauer dominierte danach jahrzehntelang den Insulin-Markt. Wie schon nach der Entdeckung des Protamin-Insulins kam es danach jedoch zu Auseinandersetzungen mit Laborgründer Hans Christian Hagedorn und Rosenberg geriet anschließend in Vergessenheit.
Bald nach Entdeckung des Insulins im Jahr 1921 versuchte man, die Insulinwirkung zu verzögern. Vergeblich probiert wurde es mit Gummi arabicum, Lezithin, Gerbsäure, Ölen und Adrenalin-Zugabe. Auch Hans Christian Hagedorn suchte mit Norman Jensen nach einem Verzögerungsinsulin. 1923 hatte Hagedorn das Nordisk Insulinlaboratorium gegründet. Um Weihnachten 1932 entdeckten die beiden, dass sich mit Protamin, einem Eiweiß aus dem Sperma von Fischen, die Insulinwirkung verzögern lässt. Protamin-Insulin eroberte den Weltmarkt.
Auf unserem Fachportal diabetologie-online gibt es die ausführliche Geschichte zu Thomas Rosenberg und der Entdeckung des NPH-Insulins.
Streit zwischen Hagedorn und Jensen
Der Erfolg des Protamin-Insulins führte zum Ende der Freundschaft zwischen Hagedorn und Jensen. Jensen erhielt eine Zahlung von 30 000 dänischen Kronen – angesichts der späteren Gewinne mit dem Protamin-Insulin eine sehr geringe Summe.
Jensen schrieb in seiner Autobiographie: „Hagedorn und ich stellten die sogenannten Protamin-Insulin-Präparate her, deren klinische Versuche von Hagedorn und Niels Krarup durchgeführt worden waren. Es war eine sehr wichtige Entdeckung, die wir für die Behandlung von Diabetes gemacht hatten. Aber kaum war sie abgeschlossen, trennten wir uns im Zorn, weil wir uns nicht einig waren über die finanziellen und wissenschaftlichen Verdienste. Der daraus resultierende Streit wurde erbittert geführt und nie ausgeräumt.“
Protamin-Insulin war unpraktisch
Eine Packung enthielt sechs Ampullen Protamin-Insulin und eine Ampulle mit Puffer, der vor Gebrauch in die Insulinampulle gespritzt wurde. Nötig war dies, weil Protamin-Insulin sonst nicht lange genug haltbar war. Protamin-Insulin wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch das von Thomas Rosenberg und Charles Krayenbühl erfundene NPH-Insulin ersetzt. NPH steht für „Neutral Protamin Hagedorn“. NPH-Insulin beherrschte dann jahrzehntelang den Weltmarkt.
Verzögerungsinsulin
- Das Verzögern von Insulin war früher erforderlich, weil Insulin ohne Verzögerung zu kurz wirksam war und man auch mitten in der Nacht spritzen musste.
- Friedlich ging es nicht zu beim Entdecken des NPH-Insulins – schon damals gab es intensive Konkurrenz.
- Über Jahrzehnte war NPH das führende Verzögerungsprinzip für Insulin.
Ein Flüchtling aus Kiel
Thomas Rosenberg, geboren 1909, hatte in Kiel ein Chemie-Studium begonnen. Als Jude und Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) war sein Leben im Jahr 1933, als Adolf Hitler in Deutschland die Macht übernahm, in größter Gefahr. Er floh mit Frau und Tochter nach Dänemark, wo er sein Studium abschloss.
Danach arbeitete er im Nordisk Insulinlaboratorium. Als 1943 auch in Dänemark die Verfolgung der Juden begann, floh er nach Schweden. Aus privaten Mitteln bezahlte sein Chef Hagedorn die Flugtickets für die Familie und die Kosten für das von den Rosenbergs verlassene Haus.
Rosenberg entdeckte NPH-Insulin
1940 entdeckte Thomas Rosenberg mit Charles Krayenbühl das später von Hagedorn „Neutral Protamin Hagedorn“ getaufte Verzögerungsinsulin. Die nadelförmigen NPH-Insulin-Kristalle entstanden bei neutralem pH-Wert in einer Mischung von Protamin und Insulin, in der keine der beiden Substanzen im Überschuss vorlag. Gegenüber dem bisher benutzten Protamin-Insulin hatte es große Vorteile: Die Pufferlösung war nicht mehr nötig. Auch konnte man NPH-Insulin mit Normalinsulin, also kurz wirksamem Insulin, mischen. 1946 wurde NPH-Insulin in Dänemark zugelassen.

Streit um Geld und Anerkennung
Nach dem Krieg zurück in Kopenhagen, wurde Rosenberg 1949 wieder von Hagedorn angestellt. 1956 kam es zu Streit um Geld und Anerkennung für die Entdeckung des NPH-Insulins. Als Krayenbühl feststellte, wie erheblich die Gewinne mit dem NPH-Insulin waren, verlangte er Geld. Hagedorn lehnte zunächst ab. Krayenbühl nahm sich einen Anwalt und schließlich kam es zur Einigung: Sein Gehalt wurde erheblich angehoben.
Rosenberg hatte nichts gefordert. Aber ein Mitglied des Leitungsgremiums des Nordisk Insulinlaboratoriums verlangte, dass auch Rosenberg an den Gewinnen beteiligt werden sollte. Hagedorn lehnte das ab. Er entließ Rosenberg fristlos. Rosenberg klagte erfolgreich gegen die Entlassung und erhielt eine Abfindung. Aber seine Nachkommen berichteten, dass er über die Enttäuschung nie hinwegkam. Im Jahr 1959, mit 50 Jahren, wurde er herzkrank und starb 1963.
Die Bedeutung von Insulin mit längerer Wirkdauer
Wozu war das Verzögern der Insulinwirkung überhaupt nötig? Was soll ein lang wirksames Insulin idealerweise können? Dr. Viktor Jörgens, der jahrzehntelang die Europäische Diabetes-Gesellschaft (EASD, European Association for the Study of Diabetes) leitete, gibt Antworten.
Wie lange wirkte Insulin, als die ersten Therapien damit begannen?
Dr. Viktor Jörgens: Insuline gab es zuerst noch nicht als Verzögerungsinsulin. Es war sehr schlecht gereinigt und enthielt auch Glukagon, das die Blutglukose zunächst erhöhte. Deshalb trat die Wirkung nur langsam ein. Diese ersten Insuline führten auch zu erheblicher Bildung von Antikörpern, was zu längerer Wirkungsdauer führte. Anfangs spritzte man diese Insuline nur einmal am Tag.
Warum hielten Forschende es für wichtig, die Wirkung von Insulin zu verlängern?
Dr. Viktor Jörgens: Je besser Insuline gereinigt waren, umso kürzer wirkten sie und immer häufiger kam es vor, dass trotz Insulingabe am Abend schon am nächsten Morgen keine Wirkung mehr da war und sehr hohe Blutzuckerwerte und Ketone auftraten. Das machte es notwendig, mitten in der Nacht nochmals zu spritzen. Auch war es damals sehr unangenehm, häufig zu spritzen. Das Spritzbesteck musste ausgekocht werden. Die dicken und auf die Dauer stumpfen Kanülen taten weh. Also suchte man nach länger wirkendem Insulin.
Was macht aus Ihrer Sicht ein gutes lang wirksames Insulin aus?
Dr. Viktor Jörgens: Alle heutigen lang wirksamen Insuline sind hervorragend gereinigt – „schlecht“ ist keines. Welches man benutzt, hängt von der Art der Insulinbehandlung ab. Bei „intensivierter Insulintherapie“ spritzt man vor den Mahlzeiten kurz wirkendes Insulin und lang wirkendes Insulin als Basis. Am besten lässt sich die Behandlung an täglich wechselnde Lebensumstände anpassen, wenn lang wirksames Insulin gespritzt wird, das nicht allzu lange wirkt.
NPH wurde das führende Verzögerungsinsulin
NPH-Insulin hatte weltweit Erfolg. Zahlreiche Lizenzen, u. a. an das Unternehmen Eli Lilly, wurden vergeben. Jahrzehntelang war NPH-Insulin das meistbenutzte Verzögerungsinsulin. Zwar entwickelte das Unternehmen Novo 1952 Lente-Insulin und später Monotard. Beide Insulin-Präparate waren durch Zink verzögertes Insulin, deren Wirkkurve dem NPH-Insulin ähnlich war, aber später produzierte auch Novo NPH-Insulin.
Selbst bei Einführung der Humaninsuline blieb NPH das Verzögerungsprinzip. Erst 60 Jahre später kam mit dem Insulin-Analogon Insulin glargin ein ernsthafter Konkurrent, andere länger wirkende Insulin-Analoga folgten. Das von Rosenberg entdeckte NPH-Insulin machte Dänemark zum „Diabetesland“ der Insulin-Produktion.
Aber der deutsche Entdecker Thomas Rosenberg wurde vergessen, obwohl er wesentlich dazu beigetragen hatte, dass das Unternehmen Novo Nordisk, im Jahr 1989 entstanden aus dem Zusammenschluss des Nordisk Insulinlaboratoriums und des Novo Terapeutisk Laboratoriums, heute der weltweit größte Hersteller von Insulinen ist.
Schwerpunkt: „Die neuen Wocheninsuline – je länger, desto besser?“
- Thomas Rosenberg – vergessener Entdecker des NPH-Insulins
- Vorteile und Probleme: Wochen-Insulin bei älteren Menschen
- „Ultralangzeit“-Insuline: Wie sinnvoll sind Insuline mit sehr langer Wirkdauer?
von Dr. med. Bernardo Mertes und Dr. med. Viktor Jörgens
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 74 (11) Seite 10-13
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thomas55 postete ein Update vor 12 Stunden, 8 Minuten
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Tag, 5 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 1 Tag
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
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