Gerade bei Diabetes wichtig: Gute Pflege, gesunder Mund!

3 Minuten

© © jolopes - Fotolia
Gerade bei Diabetes wichtig: Gute Pflege, gesunder Mund!

Gerade bei Diabetes ist die richtige Mund-Pflege- und Hygiene wichtig. Hier finden Sie Informationen und Tipps dazu, damit Sie lange gesunde Zähne und ein gesundes Zahnfleisch behalten.

Meine Zähne sollen wohl alle nacheinander verschwinden …” Dieses Zitat einer Patientin mit schon sehr lückenhaftem und durch herausnehmbaren Zahnersatz aufgefülltem Gebiss zeigt, wie viel Unwissen bezüglich der richtigen Mundhygiene in der heutigen Gesellschaft noch herrscht. Ganz klar ist die eigene Zahngesundheit mindestens genauso wichtig wie die Gesundheit des restlichen Körpers und hat auch große Auswirkungen auf die Psyche.

Allein die Werbung zeigt tagtäglich den Traum eines zahnpastaweißen Lächelns und auch beim Vorstellungsgespräch und Kennenlernen von neuen Personen zählt bekanntlich der erste Eindruck und hat einen großen Einfluss darauf, ob man den Job bekommt oder von Personengruppen anerkannt und gemocht wird.

So funktioniert richtige Zahnpflege

Zuerst sollte man mithilfe von Zahnseide, Zahnseidesticks und/oder Interdentalbürstchen die Räume zwischen den Zähnen säubern. Denn hier kann die Zahnbürste zurückgebliebene Essensreste nicht entfernen. Danach geht es mit der Zahnbürste weiter, egal ob mit Hand- oder elektrischer Zahnbürste.

Solange man eine gute Technik für das Zähneputzen hat, kann man auch mit der herkömmlichen Handzahnbürste seine Zähne sehr gut reinigen. Wichtig hierbei sind kreisende Bewegungen und, jede Zahnfläche mindestens fünf Sekunden zu putzen, was bei den Backenzähnen nicht zwei, sondern drei Flächen sind, nämlich innen, außen und die Kauflächen.

Wer möchte, kann zum Abschluss eine Mundspülung benutzen, die allein aber die Zähne nicht ausreichend reinigen kann. Falls die Mundspülung kein Fluorid enthält, sollte man diese nicht unmittelbar nach dem Zähneputzen verwenden, da sie sonst das in der Zahnpasta enthaltene Fluorid auswäscht.

Die richtige Zahnpasta

Neben der richtigen Technik des Zähneputzens kommt auch häufig die Frage nach der richtigen Zahnpasta auf. Doch gibt es diese überhaupt? Sicher ist, dass es sehr viele verschiedene Zahnpasten gibt, welche alle in erster Linie die Zähne schonend reinigen und gut schmecken sollen. Bei Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch ist eine Zahncreme mit Fluorid und wichtigen Mineralsalzen, welche Zahnbelege und Entzündungen bekämpfen sollen, zu verwenden, z. B. Parodontax.

Neben vielen weiteren Kriterien ist ein wichtiges der RDA-Wert; RDA steht für Relative Dentin Abrasion. Dieser Wert gibt an, wie viel Zahn-Hartsubstanz (Dentin) über die Zeit durch die Zahnpasta abgetragen wird. Je niedriger der Wert ist, desto mehr wird der Zahn geschont. Bei Erwachsenen sollte der RDA-Wert unter 80 liegen, bei Patienten mit empfindlichen Zähnen unter 50.

Auch der Fluorid-Gehalt sollte beachtet werden und sollte bei Erwachsenen zwischen 1000 und 1500 Teilen pro Million (parts per million, ppm) sein. Für Kinder und Babys ist darauf zu achten, eine Zahncreme speziell für sie zu verwenden, damit der Fluorid-Gehalt passt.

Ernährung als wichtiger Part zum Erhalt der Zahngesundheit

Der dritte Punkt ist die Ernährung, welche ebenso ihren Teil zum Erhalt der Zahngesundheit beiträgt. Zucker ist per se nicht schlecht, doch wie bei so vielem macht bekanntlich die Masse das Gift. Es ist wichtig, die Häufigkeit des Zuckers in der Ernährung zu verringern. Denn für die Zähne ist es besser, ein Päckchen Gummibärchen oder vier Stücke Schokolade auf einmal zu essen als jede halbe Stunde eins.

Denn isst man die Portion Süßigkeiten auf einmal, kann der Speichel den pH-Wert einmal wieder regulieren. Andernfalls muss dieser alle halbe Stunde reguliert werden und die Bakterien haben eine längere Zeit, an den Zähnen zu haften und so zum Entwickeln von Karies beizutragen.

Neben dem Vermeiden des häufigen Zuckerkonsums sollte auch auf die dauerhafte Zufuhr von zuckerhaltigen Getränken, wie Cola, Fanta, Eistee und Co, verzichtet werden, da diese neben dem hohen Anteil an Zucker auch einen extrem niedrigen pH-Wert haben. Der pH-Wert kann zwar durch Puffer im Körper reguliert werden. Allerdings führt auch die Säure in Kombination mit Bakterien im Mund langfristig zu Karies und kann im schlimmsten Fall zu durch Säure zerstörten Zähnen führen. Deshalb gilt die Regel: hauptsächlich Wasser trinken!

Jedes zehnte Kind unter drei Jahren hat Karies

Ob spielerisch erlernt oder durch Nachahmung der Eltern ist es von besonderer Bedeutung, dass bei Babys und Kleinkindern ab dem ersten Zahn gründlich geputzt wird. Denn durch den enthaltenen Milchzucker in der Muttermilch bzw. Pränahrung kann sich auch schon bei Kleinkindern Karies über die Zeit entwickeln. Heutzutage leidet jedes zehnte Kind unter drei Jahren an frühkindlicher Karies.

Sowohl die Aufklärung der Eltern als auch das Vermeiden von dauerhaftem Nuckeln an der Flasche sind wichtige Faktoren zur Prävention. Ebenso wie bei Erwachsenen sollten zuckerhaltige Getränke und süße Sachen weitestgehend vermieden und hauptsächlich auf Wasser oder ungesüßte Tees zurückgegriffen werden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die richtige Ernährung und eine gute Putztechnik sowie das Verwenden von Zahnseide bzw. Zahnseidesticks und/oder Interdentalbürstchen einen großen Teil der Zahngesundheit ausmachen und zum Erhalt der eigenen Zähne sehr wichtig sind. Denn es soll natürlich nicht so sein, dass man all seine Zähne nacheinander verliert.

Schwerpunkt: „Gesund im Mund bei Diabetes“


von Nathalie Julie Haak

Avatar von nathalie-julie-haak

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (4) Seite 24-25

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #41 | Serie zu Vorsorgeuntersuchungen (2): die Zähne
Parodontitis und Karies treffen Menschen mit Diabetes häufiger und schwerer. Warum erhöhte Blutzuckerwerte die Zahngesundheit gefährden, wie eine einfache Routine schützt und welche Vorsorgeuntersuchungen notwendig sind, erklärt Caro in ihrer Kolumne.
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt – #41: Vorsorgeuntersuchung (2): Die Zähne

3 Minuten

Community-Beitrag
Zahnersatz nach dem Vorbild der Natur
Welcher Zahnersatz eignet sich für Menschen mit Diabetes? Sind es herausnehmbare Prothesen? Sind es Implantate und Brücken? Am besten ist, dem natürlichen Vorbild zu folgen – unter Abwägen der Vor- und Nachteile.

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%