Zähne zu Hause und professionell pflegen

4 Minuten

© Halfpoint - stock.adobe.com
Zähne zu Hause und professionell pflegen

Entzündungen des Zahnfleischs (Gingivitis) oder des gesamten Zahnhalteapparats (Parodontitis) und auch Karies haben bei Menschen mit Diabetes häufig Folgen für die Allgemeingesundheit. Zum Erhalt gesunder Zähne und des gesunden Zahnfleischs ist die häusliche Mundhygiene zwar eine wichtige Voraussetzung, jedoch häufig nicht ausreichend.

Um zu verstehen, warum häusliche Mundhygiene häufig nicht ausreichend ist, müssen wir uns kurz mit dem Entstehen von Entzündungen des Zahnfleischs bzw. des Zahnhalteapparats sowie der Karies auseinandersetzen. Alle diese Erkrankungen sind die Folge von bakteriellen Belägen auf den Zähnen. Einer der wichtigsten Faktoren ist somit die tägliche Mundhygiene.

Risiko Biofilm und Zahnstein

Falsche oder nicht ausreichende Reinigung der Mundhöhle führt häufig zur Bildung von mikrobiellen Biofilmen und Zahnstein, was Entzündungen des Zahnfleischs oder Karies zur Folge haben kann. Dies muss nicht zwangsläufig im gesamten Mundraum der Fall sein. Schon die nicht optimale Reinigung weniger schlecht erreichbarer Stellen kann lokal schwerwiegende Folgen haben. Befinden sich in diesem Belag säurebildende Bakterien, können diese über einen längeren Zeitraum aus den Kohlenhydraten der Nahrung Säuren bilden, die zu einer Zerstörung des Zahnschmelzes und damit zu Karies führen.

Während die Karies häufig schon in jungen Jahren auftritt, beginnt die chronische Parodontitis meist erst ab dem vierten Lebensjahrzehnt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, wobei das Immunsystem, die Allgemeingesundheit, das Alter, Ernährungsgewohnheiten, Fehlstellungen der Zähne und Erkrankungen wie Diabetes eine große Rolle spielen. Eine Entzündung des Zahnfleischs, auch Gingivitis genannt, kann über Jahre ohne Beteiligung der Knochen beziehungsweise ohne Verlust des Zahnhalteapparats ablaufen und ist bei entsprechender Prophylaxe sowie korrekter Mundhygiene vollständig umkehrbar.

Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn

Gesellen sich weitere Risikofaktoren hinzu, z. B. Rauchen, Stress, schlechte Ernährungsgewohnheiten, Diabetes etc., kann dies zu einer Schwächung des Immunsystems führen. Dieses kann dann nicht mehr erfolgreich alle Bakterien abwehren. In der Folge löst sich das Zahnfleisch vom Zahn, sodass weitere Erreger eindringen können und sich auf der Wurzel-Oberfläche ein Biofilm festsetzen kann, in dem viele verschiedene Bakterien zu finden sind.

Es entsteht eine Zahnfleischtasche. Der Zahn ist im Bereich der Zahnwurzel über ein Fasernetz elastisch am Knochen befestigt. Dieser Zahnhalteapparat ermöglicht es, die auf den Zahn wirkenden Kaukräfte gleichmäßig zu verteilen und abzubauen. Durch die Wechselwirkungen zwischen Biofilm und Immunsystem werden sowohl das stabilisierende Fasernetz als auch der umgebende Knochen unwiederbringlich zerstört, wodurch es zu Zahnlockerungen und Zahnverlust kommen kann. Dieser Prozess schreitet umso schneller fort, je tiefer die Zahnfleischtaschen werden, denn eine Säuberung einer tiefen Tasche ist durch häusliche Mundhygiene nicht möglich, weder mit einer Zahnbürste noch mit Mundspülungen.

Hinzu kommt, dass der Biofilm im Lauf der Zeit immer widerstandsfähiger wird, sodass zum Entfernen Ultraschall-Instrumente oder Küretten aus Metall benutzt werden müssen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die richtige häusliche Mundhygiene, zu welcher das Zähneputzen, die Interdentalhygiene und die Zungenreinigung gehören, ein essenzieller Pfeiler für eine gute Mundgesundheit ist.

Professionelle Prophylaxe

Der Begriff “zahnmedizinische Prophylaxe” beinhaltet nicht nur die Zahnreinigung, sondern alle vorbeugenden Maßnahmen, die zum Verhindern von Erkrankungen der Mundhöhle beitragen. Dazu gehören regelmäßige Kontroll-Untersuchungen, Demonstration einer korrekten häuslichen Mundhygiene, Hinweise zur Ernährung und die professionelle Zahnreinigung. Diese besteht aus mehreren Schritten. Am Anfang steht das Erheben des Befunds, das Messen der Taschentiefen und die Kontrolle auf Blutungen, die das wichtigste Zeichen einer Entzündung sind. Auch das Messen des pH-Werts des Speichels kann sinnvoll sein, wenn ein erhöhtes Karies-Risiko besteht.

Diese Befunde werden dokumentiert, um bei Veränderungen in Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt gegebenenfalls die richtigen Therapieschritte einleiten zu können. Unterstützend sollten die Zähne angefärbt werden, um Beläge sichtbar zu machen. Dies ermöglicht zum einen der zahnärztlichen Prophylaxe-Assistentin, die Beläge zu erkennen und gründlich zu entfernen, und zum anderen, die häusliche Mundhygiene zu beurteilen. Viele Menschen neigen dazu, die Zahnreinigung aus Gewohnheit immer nach demselben Schema durchzuführen.

Saubere Stellen sind dann häufig immer sauber, während vernachlässigte Stellen, vor allem in schwierig erreichbaren Regionen, immer Beläge enthalten. Genau diese Bereiche sind es aber, an denen Karies oder Entzündungen entstehen. Daher sollte anschließend gezeigt und auch geübt werden, wie diese schwierigen Stellen mit den eigenen Zahnpflege-Utensilien oder geeigneten Hilfsmitteln, wie Interdentalbürsten oder Zungenreinigern, zu Hause gereinigt werden können.

Reinigen bis zur glatten Oberfläche

Anschließend werden die Plaques mit einem Pulverstrahlgerät entfernt. Die Pulver sind sehr fein und so beschaffen, dass sie Zahnschmelz, Wurzel und Zahnfleisch nicht schädigen können. Danach werden harte Beläge, wie Zahnstein und erreichbare Ablagerungen an den Zahnwurzeln, mit Ultraschallgeräten (siehe Bild unten) oder Küretten abgetragen. Der Erfolg wird mit einer Sonde kontrolliert. Erst wenn die Wurzel-Oberfläche glatt ist, sind alle Ablagerungen entfernt.

Nach diesem Schritt erfolgt gegebenenfalls eine Oberflächenpolitur und ein Überprüfen der Reinigung. Alle angefärbten Stellen sollten nun sauber sein. Freiliegende und empfindliche Zahnhälse können jetzt mit einem Fluoridlack zum Schutz vor Karies versiegelt werden, gegebenenfalls können Lacke mit Chlorhexidin zum Unterdrücken von Bakterien und Hemmen von Entzündungen aufgetragen werden.

Eine Abschlussbesprechung dient der Erörterung weiterer Maßnahmen, falls notwendig. Sollten die Zahnfleischtaschen zu tief und die Entzündungen zu stark sein, um alle Ablagerungen zu erreichen oder schmerzfrei zu entfernen, kann eine Parodontitis-Therapie durch den Zahnarzt notwendig sein. Sind alle Parameter im klinischen Rahmen und eine professionelle Prophylaxe ausreichend, um das Ergebnis stabil zu halten, sollte ein geeigneter zeitlicher Turnus gefunden werden.

Bei Menschen mit geringem Erkrankungsrisiko ist die Empfehlung, die Prophylaxe ein- bis zweimal jährlich durchzuführen. Sind Risiken wie Diabetes, Rauchen, Stress etc. oder schon diagnostizierte Schäden am Zahnhalteapparat bekannt, sollte die Prophylaxe drei- bis viermal jährlich durchgeführt werden.

Schwerpunkt: „Gesund im Mund bei Diabetes“


von Dr. Andreas Kanev

Avatar von andreas-kanev

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (4) Seite 20-21

 

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin
In dieser Podcast-Sonderfolge sprechen wir mit der Moderatorin, Musikproduzentin und Autorin Shirin Valentine über ein Thema, das in der Diabetes-Community noch immer häufig unterschätzt wird: das erhöhte Risiko für Gürtelrose, die damit einhergehenden Folgen und wie wichtig daher die Vorsorge ist.
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Wieso man bei Diabetes das Gürtelrose-Risiko ernst nehmen und vorsorgen sollten – Erfahrungsbericht von Shirin | Foto: MedTriX/Nils Gräff

2 Minuten

Anzeige
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren – mit Video und Podcast
Shirin lebt seit vielen Jahren mit Typ‑1‑Diabetes – und war überrascht, als sie mit 49 eine schmerzhafte Gürtelrose entwickelte. Erst danach erfuhr sie, dass Menschen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko haben können. Heute appelliert sie daran, gut informiert zu sein, die Risiken zu kennen und die Vorsorge ernst zu nehmen.
Diabetes und Gürtelrose: Risiken kennen und sich informieren | Foto: MedTriX

3 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 23 Stunden

    Mein Abo?

  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

Verbände