Zahnersatz nach dem Vorbild der Natur

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Zahnersatz nach dem Vorbild der Natur

Welcher Zahnersatz eignet sich für Menschen mit Diabetes? Sind es herausnehmbare Prothesen? Sind es Implantate und Brücken? Am besten ist, dem natürlichen Vorbild zu folgen – unter Abwägen der Vor- und Nachteile.

Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an einer Erkrankung des Zahnfleischs (Parodontitis) zu erkranken. Zudem ist das Krankheitsbild aufgrund des geschwächten Immunsystems stärker ausgeprägt als bei Patienten ohne Diabetes. Daher sollte bei der zahnärztlichen Versorgung mit Zahnersatz bei Menschen mit Diabetes das natürliche Vorbild als Vorlage genommen werden, um eine möglichst optimale Mundgesundheit und Hygiene zu gewährleisten.

Probleme durch eine herausnehmbare Prothese

In Deutschland werden Patientinnen und Patienten, die nur noch wenige eigene Restzähne besitzen, in der Regel mit herausnehmbarem Zahnersatz im Sinne einer Prothese versorgt. Diese Prothese wird an den vorhandenen Restzähnen befestigt. Diese Zähne und der übrige Anteil des zahnlosen Kiefers dienen als Halt und Abstützung des Zahnersatzes. Eine herausnehmbare Prothese birgt folgende Probleme:

  • Die restlichen noch vorhandenen Zähne werden überlastet. Der entsprechende Langzeiterhalt wird dadurch erheblich reduziert.
  • Durch das Abdecken von Teilen oder der gesamten Gaumenschleimhaut sind Geschmack und Speichelfluss reduziert. Neben einer Einschränkung der Lebensqualität ist somit die erste Stufe der Mundhygiene und der Abwehr des Körpers durch den reduzierten Speichelfluss deutlich vermindert.
  • Ein Abdecken von Schleimhäuten durch Kunststoff führt zu einer feuchten Kammer. Schleimhäute werden gereizt, krankhaft verändert, Bakterienwachstum wird gefördert.
  • Kunststoffe ziehen Zahnbelag (Plaque) stark an.
  • Es besteht die Möglichkeit einer Unverträglichkeit gegenüber den Kunststoffen.

Insbesondere bei Menschen mit einer Vorerkrankung, die auch zu einer Schwächung des Immunsystems führt, wie es bei Diabetes der Fall sein kann, sind diese Wirkungen nochmals verstärkt. Dies führt zum Entstehen bzw. Verschlechtern einer bestehenden Parodontitis – die Parodontitis wiederum hat deutliche negative Auswirkungen auf den Verlauf des Diabetes.

Lösung: Implantate mit Brücken

Entgegen der allgemein verbreiteten Annahme, wegen eines Diabetes wären Implantate nicht möglich, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass bei normnahen Blutzuckerwerten Zahnimplantate eine sehr gute Erfolgsquote haben. Dadurch bieten sich enorme Vorteile bei der Versorgung von Menschen, die einen reduzierten Zahnbestand haben.

Die Implantate ermöglichen eine Vermehrung der vorhandenen Pfeiler an strategischen Stellen, um eine Befestigung einer abnehmbaren Brücke ohne Kunststoff-Abdeckungen und ohne Überlastung der natürlichen Zähne zu gewährleisten. Vorhandene Zähne können so in den Zahnersatz integriert werden, dass bei einem späteren möglichen Verlust der vorhandene Zahnersatz ohne Veränderung bestehen bleiben kann. Durch die Integration von natürlichen Zähnen bleibt auch das natürliche Bissgefühl erhalten.

Die Brücke ist verschraubt, sodass der Komfort eines festsitzenden Zahnersatzes gewährleistet ist. Der Zahnarzt jedoch kann für eine optimale Kontrolle, effektive Zahnreinigung und für eine gegebenenfalls notwendige Reparatur den Zahnersatz abschrauben.

Sollte ein Patient später aufgrund seines Alters oder gesundheitlichen Zustands nicht mehr in der Lage sein, eine entsprechende Mundhygiene aufrechtzuerhalten oder regelmäßige zahnärztliche Kontrollen einzuhalten, kann durch Entfernen der Schrauben die Brücke als teleskopierende Brücke durch Patienten selbst oder pflegende Personen zur Reinigung entnommen werden. So begleitet diese Art der Hybrid-Brücke die Patienten in jedem Lebensabschnitt.

Vorteile von Implantaten und Brücken

Implantate und Brücken bieten auch Menschen mit Diabetes folgende Vorteile:

  • festsitzende Zähne nach natürlichem Vorbild,
  • langfristiger Erhalt und Stabilisierung der natürlichen Restzähne,
  • optimale Mundhygiene möglich,
  • kein Abdecken von Schleimhäuten und Bilden einer feuchten Kammer,
  • kein Reizen der Schleimhaut,
  • keine Einschränkungen des Speichelflusses und der Speichelproduktion,
  • keine Einschränkungen des Geschmacks,
  • vollkeramischer Zahnersatz und so keine Unverträglichkeiten durch Kunststoffe,
  • altersgerechte Anpassung an Alter und Allgemeingesundheit,
  • in Zusammenhang mit regelmäßiger Prophylaxe optimale Strategie zum Verhindern einer Parodontitis,
  • dadurch keine negative Auswirkung von Erkrankungen des Zahnhalteapparats auf den Diabetes.

Fazit

Die Form des Zahnersatzes ist ausschlaggebend für die optimale Gesundheit im Mund. Durch die weitestgehende Orientierung an dem natürlichen Vorbild hinsichtlich Funktion und Gestaltung bleiben wichtige natürliche Funktionen wie Geschmack, Speichelfluss, Mundhygiene, Knochenerhalt und Belüftung der Schleimhäute gewährleistet. Durch den Erhalt der Mund-Gesundheit wird ein wichtiger Faktor, der den Diabetes beeinflussen kann, eliminiert.

Schwerpunkt: „Gesund im Mund bei Diabetes“


von Jan Kielhorn

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (4) Seite 20-21

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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