Hoher Blutdruck: die Neuigkeiten 2019

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Hoher Blutdruck: die Neuigkeiten 2019

Wer Diabetes hat, für den ist es überaus wichtig, dass er keinen erhöhten Blutdruck hat. Seinen Blutdruck gelegentlich beim Arzt messen zu lassen, ist hierbei keineswegs ausreichend. Im Artikel erfahren Sie, warum wir alle unseren Blutdruck selbst und daheim messen sollten. Wichtig ist dabei, dass man die vielen Fehlerquellen kennt.

Bei den Empfehlungen der Fachgesellschaften hat sich jüngst einiges verändert – interessant für die vielen Menschen mit Diabetes, die auch eine Hypertonie (hohen Blutdruck) haben. Die Selbstmessung des Blutdrucks durch die Betroffenen hat einen noch höheren Stellenwert, die Behandlung wird vom Herz-Kreislauf-Risiko abhängig gemacht, und eine Kombination verschiedener Wirkstoffe in einer Tablette wird jetzt allgemein empfohlen.

Hypertonie behandeln: lebenswichtig!

Das Senken eines zu hohen Blutdrucks vermindert sehr erfolgreich das Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen – und ebenso die Schädigung der Nieren. Die Blutdrucksenkung ist viel wirksamer als die Verbesserung des HbA1c:

Man schätzt, dass im Laufe von fünf Jahren ein Senken des Blutdrucks um nur 4 mmHg das Risiko, an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu sterben, viermal wirksamer senkt als eine Verminderung des HbA1c um 0,9 Prozent. Also sollte der Blutdruck bei Menschen mit Typ-2-Diabetes regelmäßig kontrolliert und, wenn nötig, wirksam behandelt werden.

Die Selbstmessung ist wichtiger

Erstmals stellen alle Leitlinien jetzt die Bedeutung der Selbstmessung des Blutdrucks ganz in den Vordergrund. Die Messungen beim Arzt haben große Nachteile: Viele Menschen haben vor lauter Aufregung nur beim Arzt einen erhöhten Blutdruck. Man nennt das Weißkittel-Hypertonie. Auch ist die Messung zu Hause viel häufiger möglich – im Gegensatz zu den wenigen Blutdruckmessungen beim Arzt.

So erstaunt es nicht, dass Selbstmessungen des Blutdrucks viel mehr darüber aussagen, welche Folgeschäden der Hypertonie auftreten. Ärzte sollen jetzt die vom Patienten selbst gemessenen Blutdruckwerte als wichtigste Grundlage für das Anpassen der Medikamente berücksichtigen.

Werte zu Hause bedeutsamer als in der Praxis

Fast 500 Menschen mit Hypertonie wurden über 3,2 Jahre beobachtet. Die von den Patienten zu Hause selbst gemessenen Blutdruckwerte sagten viel mehr darüber aus, ob in der Folge Todesfälle an Herzinfarkten oder Schlaganfällen auftraten; die in der Praxis gemessenen Werte hatten viel weniger Bedeutung.

Die Studie wurde von französischen Forschern schon 2004 in JAMA, einer der berühmtesten medizinischen Zeitschriften, veröffentlicht. Jetzt hat sich die Ansicht allgemein durchgesetzt. Das bedeutet aber, dass Menschen mit hohem Blutdruck lernen sollten, den Blutdruck selbst korrekt zu messen. Das setzt eine Schulung der Patienten zur korrekten Selbstmessung voraus.

Welches Gerät für die Messung daheim?

Es gibt sehr viele Blutdruckmessgeräte. Ärzte messen den Blutdruck nicht mit automatischen Geräten: Sie benutzen die genaueste Methode, bei der mit einem Stethoskop die Geräusche über einer Arterie abgehört werden. Patienten können durchaus auch diese professionellste Methode erlernen und ein Gerät benutzen, das speziell für die Selbstmessung geeignet ist.

Auch automatische Geräte erreichen eine sehr gute Genauigkeit, die aber bei verschiedenen Geräten sehr unterschiedlich ist. Lassen Sie sich bei Ihrem Arzt und im Fachgeschäft beraten, auch im Internet gibt es viele Informationen zu Blutdruckmessgeräten und Herstellern, z. B. auf der Website der Deutschen Hochdruckliga. Von Geräten, die den Blutdruck am Handgelenk messen, raten wir den Patienten ab: Sie sind den Geräten mit der Manschette am Oberarm bezüglich der Fehlermöglichkeiten deutlich unterlegen.

Viele Fehlermöglichkeiten beim Messen

Auch mit den besten Geräten kann man viele Fehler machen: Eine Stunde vor der Messung sollte man keinen Kaffee oder Alkohol zu sich nehmen. Das Gleiche gilt für das Rauchen – mit dem man ohnehin ganz aufhören sollte. Vor der Messung sollte man 3 Minuten ruhig sitzen. Bei der Messung sollte man sich nicht bewegen und auch nicht reden.

Achten Sie auch darauf, dass Sie ganz entspannt sitzen und dass Ihr Rücken an einer Lehne ruht. Ihre Beine sollten Sie bei der Messung nicht überkreuzen. Der Oberarm sollte frei von Kleidung sein und entspannt auf einer festen Unterlage aufliegen. Der Ort der Messung sollte auf Herzhöhe sein.

Messgerät kontrollieren lassen

Blutdruckmessgeräte müssen regelmäßig überprüft werden. Die meisten medizinischen Fachgeschäfte können eine solche Prüfung durchführen, meist wird dafür aber eine Gebühr fällig. Man empfiehlt, die Geräte alle zwei Jahre zu kontrollieren, eine diesbezügliche gesetzliche Vorschrift gibt es für Geräte, die von Patienten benutzt werden, nicht. Ärzte müssen ihre Geräte alle zwei Jahre eichen lassen. Fragen Sie beim Kauf des Gerätes im Fachgeschäft, ob und für welchen Preis das Geschäft später das Gerät kontrolliert.

Blutdruckmessen: auch Ärzte machen Fehler

Ein berühmter Professor für Kardiologie aus den USA hat in einem Artikel beschrieben, dass er viele Jahre in seiner Vorlesung einen Medizinstudenten gebeten hat, ihm den Blutdruck zu messen. Vor allen Studenten sagte er dann: „Wenn Sie meinen Blutdruck ohne jeden Fehler messen, lade ich Sie in das teuerste Restaurant der Stadt zum Essen ein.“ Er hat dieses Essen niemals bezahlen müssen.

Immer machten die Medizinstudenten irgendetwas falsch: Z. B. muss der Arzt bei der allerersten Messung den Blutdruck an beiden Armen messen, auch das wird gern vergessen. Natürlich gab sich der Professor auch besondere Mühe, die Studenten aufs Glatteis zu führen, um das Essen nicht bezahlen zu müssen – indem er zum Beispiel während der Messung mit übereinandergeschlagenen Beinen weiter dozierte.

Oberer Blutdruckwert ist entscheidend!

Früher lernte man im Medizinstudium noch, der untere – der diastolische – Blutdruckwert sei der wichtigere. Heute ist man eher der Meinung, dass der obere – der systolische Blutdruck – bei der regelmäßigen Selbstmessung der entscheidende Wert ist. Es gibt sogar einen Professor in England, der dafür plädiert, den diastolischen Blutdruck zur Kontrolle der Behandlung von den Patienten gar nicht mehr messen zu lassen.

Das macht auch die Messung für die Patienten viel einfacher: Beim Bestimmen des diastolischen Blutdrucks kann man viel mehr Fehler machen – und Patient und Arzt müssen weniger Werte aufschreiben. Allerdings erlaubt der diastolische Druck dem Arzt, die Differenz zwischen beiden Werten zu bestimmen, die bei der Behandlung wichtig sein kann.

Entscheidend ist das Herz-Kreislauf-Risiko

Neu ist auch, dass man die Behandlung jetzt vom Herz-Kreislauf-Risiko des Patienten abhängig macht: Je höher das allgemeine Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, umso eher wird man die Hypertonie mit Medikamenten behandeln. Ist das Risiko nicht so groß, kann man auch eine Weile abwarten, ob eine Umstellung der Ernährung ausreichend wirkt. Bei Übergewicht abzunehmen, weniger Alkohol zu trinken und weniger Salz zu essen, kann sich sehr günstig auf den Blutdruck auswirken und eine Behandlung mit Medikamenten vermeiden.

Sie können Ihr Herz-Kreislauf-Risiko auch selbst feststellen. Den besten Rechner dafür gibt es allerdings nur in englischer Sprache unter ­https://qrisk.org. Für Ärzte gibt es in Deutschland, entwickelt von forschenden Allgemeinmedizinern, den Rechner ARRIBA, den viele Praxen einsetzen, um ihren Patienten ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zu machen.

Höheres Risiko – eher Medikamente

Wenn zum Beispiel das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt im Laufe der nächsten 10 Jahre über 20 Prozent liegt, wird man bei Blutdruckwerten zwischen 140 und 179 mmHg alsbald eine Behandlung mit Medikamenten empfehlen. Liegt das Risiko darunter, kann man es durchaus einige Zeit mit nichtmedikamentösen Maßnahmen versuchen. Viele Arztpraxen bieten dafür eine spezielle Schulung an, die im Rahmen der Disease-Management-Programme auch von den Krankenkassen bezahlt wird.

Zielwert bei der Behandlung: zufrieden unter 140 mmHg

In den letzten Jahren haben die Experten viel Zeit damit verbracht, über die Zielwerte bei der Behandlung der Hypertonie zu streiten. Manche hatten gefordert, den Blutdruck sogar bei allen Patienten unter 130 mmHg systolisch zu senken. Mittlerweile ist man sich darüber einig, dass man mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks unter 140 mmHg zufrieden sein kann – nur die Kardiologen in den USA wollen den Blutdruck noch tiefer senken.

Bedenken Sie dabei aber, dass zu Hause gemessene Blutdruckwerte um zirka 5 mmHg niedriger liegen. Das bedeutet, dass Sie mit Ihrem oberen Blutdruckwert völlig zufrieden sein könne, wenn er zu Hause gemessen dauerhaft unter 135 mmHg liegt.

Schon zu Beginn: Wirkstoffe ­kombinieren, Nebenwirkungen reduzieren

Es gibt viele Medikamente zum Senken des Blutdrucks, die in großen Studien gezeigt haben, wie wirkungsvoll sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindern können. Neu ist, dass nun die meisten Fachleute dafür plädieren, schon zu Beginn der Behandlung einer Hypertonie mit Tabletten zu behandeln, die zwei verschiedene Wirkstoffe enthalten. Der Vorteil ist, dass so weniger Nebenwirkungen auftreten.

Eine genaue Darstellung der verschiedenen Medikamente gegen Hypertonie und ihrer Wirkungsweise finden Sie in unserem Buch Mein Buch über den hohen Blutdruck, das im Kirchheim-Verlag (Mainz) in der 13. Auflage erhältlich ist.

Schwerpunkt „Diabetes-Therapie im Wandel“


von Dr. med. Viktor Jörgens und Dr. Monika Grüßer

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (9) Seite 28-33

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 10 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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