Typ-2-Diabetes: Die Insulintherapie kommt erst später

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Typ-2-Diabetes: Die Insulintherapie kommt erst später

Neue wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass man heute nicht mehr „vom Typ-2-Diabetes“ reden sollte, sondern dass sich dieser in 5 Untertypen, in „Phänotypen“, aufgliedert. Für die Behandlung ist das entscheidend: Jemand, der z. B. noch eigenes Insulin produziert (das aber nicht mehr richtig wirkt), benötigt eine andere Therapie als jemand, dessen Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert. Wir sprachen mit Prof. Baptist Gallwitz (Tübingen).

Diabetes-Journal (DJ): Welche Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein höheres Risiko für gefährliche Diabetes-Folgen?
Prof. Dr. Baptist Gallwitz:
In aktuellen Forschungsarbeiten konnte man 5 unterschiedliche Diabetestypen finden: Drei davon wurden charakterisiert als schwere Diabetesformen oder schwerer Diabetesverlauf, zwei wurden klassifiziert als eher mild verlaufend. Die milde Form heißt, dass ich eher einen langsamen Verlauf der Erkrankung habe. Ich brauche nicht so schnell eine Steigerung der Diabetesmedikamente, ich entwickle langsamer Folgeerkrankungen. Die milden Formen haben etwa 40 Prozent der Patienten, das ist eine große Gruppe!

Bei den schweren Verlaufsformen brauche ich entweder schneller eine Intensivierung der Therapie für die Diabetesbehandlung, weil die Insulinproduktion abnimmt oder die Insulinresistenz sich verschlechtert, oder Folgeerkrankungen treten schneller auf und nehmen einen schweren Verlauf.

DJ: Was bedeutet das für die Betroffenen?
Gallwitz:
Ich denke, das wird wichtig für die Vorsorgeuntersuchungen, denn das könnte, wenn man über Jahre keine Folgeerkrankungen hat, auch die Konsequenz haben, dass man davon ausgehen kann, eine der milderen Formen des Typ-2-Diabetes zu haben. Die Diskussion ist auch insofern wichtig, als dass es in Zukunft dadurch möglich wird, eine viel maßgeschneidertere und individuelle Therapie anbieten zu können.

DJ: Muss man angesichts der Untergruppen die Rolle des Insulins in der Behandlung des Typ-2-Diabetes neu bewerten?
Gallwitz:
Es war ja in den alten Leitlinien so, dass empfohlen wurde, Insulin durchaus schon einzusetzen, wenn Metformin allein nicht ausreichte für eine gute Stoffwechseleinstellung. Das ist heute nicht mehr die Empfehlung, weil wir neue Medikamente haben, die sicher sind, die wirksam sind und die keine Unterzuckerungen verursachen – und von denen einige in großen Studien gezeigt haben, dass sie Folgeerkrankungen mit verhindern können, was Schlaganfälle, Herzinfarkte und Sterblichkeit an den Komplikationen angeht.

Zwei Wirkstoffguppen, die die Insulintherapie verzögern können

„Es gibt zwei Wirkstoffgruppen, die helfen, Insulin zu sparen, und die in bestimmten Fällen bei Neumanifestation sicher eine Insulintherapie sehr weit hinausschieben können:

Das sind zum einen die SGLT-2-Hemmer, die bewirken, dass man überschüssigen Zucker mit dem Urin ausscheidet. Diese Medikamente haben dadurch auch einen günstigen Einfluss auf das Körpergewicht, auf den Blutdruck, auf die Niere – und sie schützen vor Herzinfarkt, vor Schlaganfall und vor Herzschwäche.

Zum anderen sind das die GLP-1-Rezeptoragonisten: Medikamente, die man derzeit noch spritzen muss, die aber auch einen Vorteil bezüglich des Risikos für Herzinfarkte und Schlaganfälle und Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezeigt haben.“

DJ: Insulin kommt also erst später in der Behandlung des Typ-2-Diabetes?
Gallwitz:
Genau, die Insulintherapie hat aus heutiger Sicht ihren späteren Stellenwert – oder hat einen Stellenwert z. B. bei einer Stoffwechselentgleisung.

DJ: Heißt die Neubewertung, dass man viele Typ-2-Diabetiker mit Insulintherapie umstellen sollte? Oder denken Sie zunächst an Neudiagnostizierte?
Gallwitz:
Ganz klar denkt man an Neumanifestierte, wenn man mit einer Therapie beginnt. Ich bin mir ganz sicher, dass man bei Patienten, die seit vielen, vielen Jahren Diabetes und eine Insulintherapie haben, nicht von einer Insulintherapie wegkommt. Und ich denke, man sollte auch vorsichtig sein, wenn man eine Insulintherapie hat, die gut läuft, nach dem Motto: Never change a winning team!

DJ: Sie sagen „weg vom glukozentrischen Weltbild“: Was bedeutet das?
Gallwitz:
Dass es wichtig ist, nicht nur auf den Zucker zu achten, sondern auf den Blutdruck, die Blutfette, die Risikofaktoren für die Gefäße – und dass das eben alles regelmäßig untersucht wird. Und dass ich, auch wenn ich keine Vorerkrankungen habe, trotzdem einmal im Jahr eine Herzuntersuchung machen lasse, dass regelmäßig mein Blutdruck gemessen wird, dass die Albuminausscheidung im Urin untersucht wird, dass ich regelmäßig eine augenärztliche Untersuchung machen lasse.

Schwerpunkt „Diabetes-Therapie im Wandel“


von Dr. Katrin Kraatz, Günter Nuber und Gregor Hess

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (9) Seite 26-27

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 11 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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